Baden
«Tour of Aargau» umgeht Baden – ist die Limmatstadt touristisches Niemandsland?

Aargau Tourismus hat am Dienstag in seiner «Tour of Aargau» 15 Sehenswürdigkeiten angepriesen. Davon befindet sich jedoch keine einzige in Baden. Für den Leiter des städtischen Standortmarketings Thomas Lütolf ist das allerdings kein Drama.

Barbara Scherer
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Tipp 1 Grand Casino Baden. Das Grand Casino Baden ist zwar nur noch das drittgrösste in der Schweiz, besticht dafür aber durch sein attraktives Erscheinungsbild. In das «House of Entertainment» wurden rund sieben Mio. Franken investiert. Zum Angebot gehören auch das Casino-Restaurant und der Club «Joy», wo sich die Musikreihe «Afterwork» grosser Beliebtheit erfreut.
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Tipp 3 Limmatpromenade. Baden hat zwar keinen See, dafür eine überaus einladende Flusspromenade an der Limmat unten. Schon der Weg vom Zentrum hinunter ist einen Besuch wert. Entweder man wählt den Weg durch die Halde/Kronengasse oder die abenteuerliche Variante mit dem Promenadenlift. Als Belohnung winkt das Thermal-Fussbad beim Hotel Limmathof.
Tipp 4 Schloss Ruine Stein. Hoch über der Stadt Baden thront die Schlossruine Stein. Nicht nur Frischverliebte finden sich hier ein, um den Blick weit über das Limmattal schweifen zu lassen. Die Schlossruine ist auch Teil der neun Kilometer langen Chänzeli-Tour (via Ennetbaden, für die man drei Stunden einplanen sollte (total 700 Höhenmeter).
Tipp 5 Baustelle Schulhausplatz. Noch bis im Sommer 2017 wird am Schulhausplatz gebaut. Fast täglich verändert sich dabei das Bild der Baustelle. Wer einmal einen Blick ins «Innenleben» der alten und bald neuen Kreuzung werfen will, sollte der Baustelle unbedingt einen Besuch abstatten. Liebe Grosseltern: vor allem Ihre Enkel können sich an den Baggern und Löchern nicht sattsehen.

Tipp 1 Grand Casino Baden. Das Grand Casino Baden ist zwar nur noch das drittgrösste in der Schweiz, besticht dafür aber durch sein attraktives Erscheinungsbild. In das «House of Entertainment» wurden rund sieben Mio. Franken investiert. Zum Angebot gehören auch das Casino-Restaurant und der Club «Joy», wo sich die Musikreihe «Afterwork» grosser Beliebtheit erfreut.

Walter Schwager

«Warum fehlt Baden?» Diese Frage drängt sich nach dem Bericht über die Tour of Aargau (az vom 12. 4.) auf. Die erste offizielle Touring-Rundreise, die Aargau Tourismus entworfen hat, führt weder die Badener Altstadt noch die Bäder als eine der 15 Sehenswürdigkeiten auf. Dieser Fakt macht stutzig. Hat Baden seine Chance verschlafen, in der Tour erwähnt zu werden –, oder gibt es wirklich nichts mehr zu sehen in der Bäderstadt?

Baden nur in Kombi mit Wettingen

Die Bäder sind im Umbau, das Kurtheater soll saniert und erweitert werden; es scheint, als hätte Baden seinen touristischen Reiz verloren. Während Bremgarten und Aarau mit ihren Altstädten werben und der Legionärspfad in Windisch angepriesen wird, ist die Stadt Baden nur als lebloser Punkt auf einer Übersichtskarte der Tour of Aargau verzeichnet. Als Highlight der Region wird das Kloster Wettingen aufgeführt. Ist die Stadt Baden, deren mineralreiche Quellen einst internationale Gäste anzogen und die heute so gerne mit kultureller Vielfalt brilliert, ein touristisches Niemandsland geworden?

«Die ausgewählten Höhepunkte der Tour wurden mit den Regionen zusammen definiert», sagt Andrea Portmann, Direktorin Aargau Tourismus. Bei der Zusammenstellung der Tour of Aargau sei ein guter Mix, der verschiedene Bedürfnisse abdeckt, zentral gewesen. Das bedeutet, die Standpunkte werden nach den vier Themenfeldern Wellness, Kultur, Natur und Forschung unterteilt. In mindestens drei der vier Bereichen hätte Baden doch mehr als genug zu bieten: Man denke neben den Bädern und dem Kurtheater an die Ruine Stein, den Ausblick von der Baldegg oder den Teufelskeller.

«Ich bin überzeugt, wer das Kloster Wettingen besucht, findet den Weg zu den Badener Perlen von allein.» Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden.

«Ich bin überzeugt, wer das Kloster Wettingen besucht, findet den Weg zu den Badener Perlen von allein.» Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden.

Zur Verfügung gestellt

Erst bei genauerer Inspektion der Tour of Aargau wird klar, dass gemeinsam mit dem Kloster Wettingen die Altstadt Baden als Kombitipp aufgeführt wird. «Das Kloster Wettingen passte für den Raum Baden- Wettingen am besten ins festgelegte Konzept der Tour of Aargau», sagt Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden. Dabei biete das Kloster Wettingen eine perfekte Ergänzung zu den anderen vierzehn Highlights im Kanton. Die Tour habe eine Kooperation in den verschiedenen Regionen erfordert und nicht die Bevorzugung von Prioritäten einzelner Gemeinden. Schliesslich, so Lütolf, werden die lokalen Naherholungsgebiete und auch die Thermalbäder bereits in separaten Kampagnen, wie derjenigen von Schweiz Tourismus, gut beworben. Deshalb habe man in Kauf genommen in der Tour of Aargau nur im Kombitipp erwähnt zu werden. Eine Promotion der Bäder sei bereits in Planung.

Selbst muss der Gast sein

«Ich bin überzeugt: Wer das Kloster Wettingen besucht, findet den Weg zu den Badener Perlen von allein», sagt Lütolf. Auch Portmann teilt seine Überzeugung: Die 15 Highlights der Tour of Aargau seien lediglich Anlaufpunkte, die den Regionen eine Chance böten, sich zu präsentieren. Wie diese sich dem Gast vor Ort zeigen, ist jeder Region selbst überlassen. Baden setzt hier eindeutig auf die Eigeninitiative des Besuchers. Es lässt sich argumentieren, dass man mit der Tour of Aargau bereits individuell unterwegs ist, aber es bleibt die Frage: Findet man auch ohne grosses Vorwissen den Weg nach Baden? «Wer nach Wettingen kommt, findet schnell Informationen über weitere Sehenswürdigkeiten, vor Ort oder über das Internet», sagt Thomas Lütolf.

Tourismus Aargau plant bereits weitere Touren durch den Kanton. Diese sollen sich an unterschiedlichen Bedürfnissen orientieren. «Wir wollen verschiedene Schwerpunkte vertiefen, sodass zum Beispiel eine Karte nur für Familien entsteht», sagt Portmann. Je nach Tour entsteht damit mehr Platz für die Sehenswürdigkeiten einer Region. Dies lässt doch zumindest hoffen auf mehr Baden in der nächsten Tour durch den Aargau.

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