Strassenschilder

Tourismusschilder: Weniger Tafeln aus der Region Baden – fehlen die Attraktionen?

Der Kanton ergänzt Tourismusschilder – weshalb die Region Baden jetzt sogar weniger Tafeln hat als zuvor.

Vergangene Woche hat der Kanton die Sujets für die neuen Tourismustafeln vorgestellt, die entlang der Kantonsstrassen aufgestellt werden sollen. Die insgesamt 67 Tafeln ergänzen die bereits vorhandenen Tourismusschilder auf den Autobahnen. Wer sich die Liste der Sujets genauer ansieht, dem fällt ziemlich schnell auf, dass die Region Baden mit gerade mal zwei Tafeln vorkommt, eine zur Weinregion Limmattal und eine zur Erholungsregion Limmattal.

Während in anderen Regionen teils mehrere Tafeln zusätzlich aufgestellt werden, ersetzen diese beiden lediglich zwei bestehende Tafeln auf dem Gemeindegebiet Würenlos, an der Einfallsachse vom Kanton Zürich in den Aargau, wo bisher allgemeine Aargau-Tafeln standen. De facto hat die Region nun als einzige im Kanton sogar eine Tourismustafel weniger, nämlich jene auf der Einfallsachse von Dietikon Richtung Spreitenbach. Diese allgemeine Tafel wird ersatzlos gestrichen. Damit gibt es in der Region nur noch sieben statt acht Tafeln.

Die Tafeln und Standorte wurden vom Kanton in enger Zusammenarbeit mit den Regionalplanungsverbänden, den Replas, entwickelt. Silvia Schorno ist Geschäftsführerin der Repla Baden Regio, dem 26 Gemeinden angehören. Auf Anfrage sagt Schorno: Man habe dem Kanton einige Vorschläge für Sujets gemacht. «Wir wollten aber nicht wieder Baden oder das Kloster Wettingen bewerben, die bereits auf den Autobahntafeln prominent angepriesen werden», sagt Schorno, «sondern die Erholungs-, Genuss- und Erlebnisregion.»

Prädestiniert dafür wären etwa auch das Reusstal, Surbtal oder das Wasserschloss. Doch alle drei Landschaften werden bereits durch Tourismustafeln in den Nachbarsregionen abgedeckt, beispielsweise das Wasserschloss mittels einer Tafel in Villigen auf der Aarebrücke Richtung Brugg. «Hinweistafeln für Attraktionen, die in unseren Nachbarsregionen beworben werden, nochmals in der Region Baden aufzustellen, war und ist aus unserer Sicht nicht nötig», sagt Schorno und fügt an: «Wir hatten dabei auch die Absicht des Kantons im Visier, dass kein Schilderwald entstehen solle.»

Umweltarena passt nicht

Zu den Vorschlägen von Baden Regio gehörten unter anderem das Kloster Fahr und die Umweltarena. «Doch unsere Vorschläge wurden aus verschiedenen Gründen abgelehnt.» Beispielsweise hatte das Kloster Fahr einen schweren Stand, weil es eine Enklave ist und erst sehr spät eingebracht wurde. «Die Umweltarena passte nicht ins Konzept, obwohl wir der Meinung sind, dass sie als pionierhaftes Zukunftslabor für Touristen einiges zu bieten hat», sagt Schorno. Doch seitens Kanton waren die Vorgaben gesetzt: Die Sujets sollen auf «kulturhistorische Zeitzeugen oder auf Naturlandschaften mit überregionaler Ausstrahlung» hinweisen.

«Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sich der Kanton offener bei den Kriterien für die Sujets gezeigt hätte.»

Roland Kuster

«Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sich der Kanton offener bei den Kriterien für die Sujets gezeigt hätte.»

Roland Kuster, der seit 2017 Baden Regio präsidiert, sagt auf Anfrage: «Der Aargau gibt sich als innovativer Kanton und als Industriestandort. Gerade die Region Baden hat in beiden Bereichen viel zu bieten, daher wäre es wünschenswert gewesen, wenn sich der Kanton diesbezüglich offener bei den Kriterien gezeigt hätte.» Jedoch sei für ihn weniger die Anzahl der Tafeln ausschlaggebend als vielmehr die Zahl der interessanten Spots, die eine Region habe. «Und davon haben wir einige, auf die wir stolz sind und die wir gerne anpreisen.»

Kein «Tafelwald» im Aargau

Giovanni Leardini, Medienverantwortlicher des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt, sagt auf Anfrage, dass es seitens Kanton für die Region Baden keine Einschränkung für die Eingabe von möglichen Standorten gegeben habe und man offen für alle Vorschläge war. Diese habe man gemäss den vorgegebenen Kriterien geprüft. «Für die Region Baden sind lediglich die drei Wünsche für das Limmattal und die Umweltarena eingegangen.» Wobei die Umweltarena definitiv nicht ins Kriterienraster passe, da Wirtschaftsförderung in diesem Fall kein Ziel war. «Kommerziell ausgerichtete Einrichtungen ohne kulturhistorischen Hintergrund haben wir konsequent abgelehnt. Sonst hätten wir unzählige weitere Institutionen aufnehmen müssen, wie etwa auch das Emil Frey-Automuseum in Safenwil, das ebenfalls von der dortigen Repla als Wunsch eingegeben wurde.»

Damit verweist Leardini auch darauf, dass man keinen «Tafelwald» verursachen wollte. Dennoch wäre es grundsätzlich möglich gewesen, ein Sujet wie beispielsweise das Wasserschoss an mehreren Standorten zu bewerben, sofern dies Sinn mache.

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