Künten
Traditionsfirma schliesst: Mitarbeiter auf die Strasse gestellt

Das Unternehmen Meier Holzbau AG hat seine Tore geschlossen. Die Mitarbeiter und Lehrlinge sind bei anderen Firmen gut untergekommen. Ein Konkursverfahren läuft momentan nicht.

Dieter Minder
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Die Aufträge und die Mitarbeiter der Meier Holzbau AG müssen jetzt andere übernehmen.

Die Aufträge und die Mitarbeiter der Meier Holzbau AG müssen jetzt andere übernehmen.

Sandra Ardizzone

Seit drei Wochen stehen die Maschinen bei der Meier Holzbau AG in Künten still, die Türen sind geschlossen. Wer die Firma telefonisch erreichen will, hat geringe Chancen. Die Hauptnummer läutet fast unbeschränkt lang, ohne dass jemand abnimmt. Auf den Mobilnummern meldet eine Stimme, dass der Angerufene momentan nicht erreichbar sei.

Dagegen ist der Website nicht anzusehen, dass das Unternehmen seine Tätigkeit eingestellt hat. Im Gegenteil: Es wird sogar noch ein Projektleiter gesucht. Doch effektiv ist alles anders.

«Per 6. Juli wurden die Mitarbeiter entlassen», sagt Markus Jost, Leiter Holzbau ad Interim. Er ist seit Februar im Unternehmen tätig. «Der Betrieb ist nicht Konkurs», sagt Jost. Das Bezirksgericht bestätigt, dass momentan kein Verfahren laufe. «Die Firma wird heruntergefahren», ergänzt Jost. Das heisst, Aufträge werden keine mehr ausgeführt, andere Holzbauunternehmen haben diese übernommen.

Zu wenig Aufträge

«Die wenigen Aufträge, die wir noch hatten, hätten das Unternehmen nicht gerettet», führt Jost weiter aus. Seine Aufgabe sei es, in Absprache mit Firmeninhaber Christoph Meier, mit den Kreditoren zu verhandeln und Arbeitsplätze für die Mitarbeiter zu suchen.

Die meisten von ihnen und auch die Lehrlinge haben aus eigenem Antrieb Stellen bei Holzbaubetrieben der Region gefunden. So bestätigt Sebastian Spörri von der Peterhans Schibli AG, Fislisbach, dass sie auch einige Lehrlinge übernommen hätten. Zur Zukunft des Unternehmens kann Jost keine Angaben machen, Christoph Meier reagiert nicht auf Anrufe und Mails.

Probleme in Niederrohrdorf

Bei der Submission von Schreinerarbeiten für das neue Oberstufenzentrum Niederrohrdorf hatte die Meier Holzbau AG Künten vor Jahresfrist einen Auftrag erhalten. Sie hatte das günstigste Angebot eingereicht.

«Als wir im Frühjahr 2015 feststellen, dass es Schwierigkeiten mit dem Unternehmen gab, haben wir die Aufträge bei Meier ausgelöst und dem Schreinereibetrieb Bard übergeben», sagt die Niederrohrdorfer Gemeinderätin Martina Egger. Das Baselbieter Unternehmen war im Submissionsverfahren das zweitplatzierte gewesen.

Zudem hatte Meier ihm verschiedene Arbeiten als Unterakkordant übergeben. Nun arbeitet Bard direkt für die Gemeinde. «Weitere Arbeiten, vor allem in der Aula haben wir der Wettinger Schreinerei Willi Egloff übertragen», sagt Egger weiter.

Der Wechsel war nicht einfach, wie Fritz Krähenbühl, Inhaber der Willi Egloff AG, sagt: «Es ist unmöglich, mit der Firma Kontakt aufzunehmen, dabei wäre dies für eine gute Übergabe nötig gewesen.» Im Oberstufenzentrum stehen die Handwerker unter grossem Zeitdruck. Die Anlage wird mit Beginn des Schuljahres, am 10. August bezogen.

Ganz unerwartet kommt die Schliessung für die anderen Unternehmen der Bau- und Holzbranche nicht. Schon seit längerem machten Gerüchte über Probleme im Traditionsbetrieb die Runde. Das Unternehmen wurde gemäss Handelsregister 1986 als Guido Meier AG gegründet. Mit dem Generationenwechsel, von Vater Guido auf Sohn Christoph, wurde der Name 2012 in Meier Holzbau geändert.

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