Oft schliesst sich irgendwann der Kreis. So bei Roberto Scheuer. 1994 holte ihn Alwin Kecht, damals Verwaltungsratspräsident der Joy Management AG, nach Baden ins Stadtcasino, wo er mit der Geschäftsführung der Stadtcasino Baden Betriebs AG betraut wurde. Ab 2003 war er im Trafo als Direktor zuständig, später bei der Trafo Baden Betriebs AG.

Kurz vor dem 15-Jahr-Jubiläum im Trafo übergibt er seinen Posten per Jahreswechsel an Reto Leder. Wiederum war es Investor Alwin Kecht, der ihn als Geschäftsführer für das neue Business-Hotel Ibis Baden-Neuenhof gewinnen konnte.

Dabei war aller Anfang schwer. Als der gebeutelten Stadtcasino Baden AG die Exekution durch die Hausbanken drohte, schickte 1993 der Himmel die Abschaffung des Spielbankenverbots durch das Schweizer Stimmvolk, was den Geschäftsmann Alwin Kecht auf den Plan brachte. Er wollte Roberto Scheuer, in Peru aufgewachsen, Sohn und Enkel erfolgreicher Hoteliers, als Geschäftsführer und Chef Gastronomie ins Casino holen.

Der 35-jährige gelernte Koch, der über eine Serviceausbildung und den Abschluss als eidgenössisch diplomierter Hotelier-Restaurateur zum Geschäftsführer gewachsen war, erinnert sich gut ans Jahr 1994: «Nach dem ersten Gespräch mit Alwin Kecht war mir die Lust eher vergangen.» Dass innert Kürze vier Kursaal-Direktoren (Plüss, Wyss, Keusch, Widmer) ebenso wenig reüssierten, wie zu Beginn der neuen Casino-Ära nach dem Kursaal-Umbau der eingesetzte Zürcher Profi Martin Candrian, hielt ihn von einer Zusage vorerst ab.

«Casino-Schiff» flott gemacht

Schliesslich liess er sich doch überzeugen, wegen des herrlichen Kurparks und der attraktiven Räume des denkmalgeschützten Moser-Baus, stimmig umgebaut durch die Architekten Egli und Rohr. Zu Beginn wurde er jedoch durch Leserbriefe in dieser Zeitung aufgeschreckt, die sich über den schlechten Service im Casino-Restaurant beschwert hatten.

Doch im Herbst 1994 gab es erstmals wieder eine Gewerbeausstellung, und zwar in den alten Industriehallen der BBC. Das Stadtcasino übernahm die Gastronomie. «Wir wollten beweisen, wie leistungsfähig und gastfreundlich wir sind», sagt Scheuer. Der Kursaal, ehemals im Eigentum der Ortsbürgergemeinde, nun zur Hälfte im Besitz der Stadt, wurde Gesprächsthema in Baden – endlich ein positives. «In einer Aktion über Nacht demontierten wir dann die Trennwand im Casino-Restaurant», fährt Scheuer fort. Ab sofort gab es kein «Marmite», kein «Epoque», «keine Zweiklassengesellschaft mehr».

Roberto Scheuer an der Medienkonferenz der Stadtcasino AG im Jahr 2008.

Roberto Scheuer an der Medienkonferenz der Stadtcasino AG im Jahr 2008.

Roberto Scheuer ist ein Dienstleister durch und durch, für den das Wohl der Kundschaft zuoberst steht. «Wir sind auf die Leute und deren Bedürfnisse eingegangen. Ein freundlicher Service und eine gute Küche waren unser Anliegen», fährt er wie in einem Werbespot fort. Zugang zum «Badener Kuchen» habe ihm damals Josef Bürge verschafft. Der Stadtammann habe ihn über Badener Gepflogen- und Eigenheiten aufgeklärt.

Obschon die Stadtcasino AG noch keineswegs aus ihrer Krise heraus war, sei er seinen Weg unbeirrt gegangen. Mit Stolz erwähnt er die Stadtcasino Generalversammlung: «Aus einem nüchternen Anlass mit 80 anwesenden Personen ist einer der grössten gesellschaftlichen Anlässe der Region geworden, mit jeweils 500 bis 600 Aktionären».

Roberto Scheuer als charmanter Gastgeber und Gesprächspartner, hier an einer GV der Stadtcasino AG mit den Badener Aktionären Kurt (li.) und Franz Minikus.

Roberto Scheuer als charmanter Gastgeber und Gesprächspartner, hier an einer GV der Stadtcasino AG mit den Badener Aktionären Kurt (li.) und Franz Minikus.

Die Rückkehr des FC MaBa

Scheuer spürte den Puls von Stadt und Region. Er verhalf dem traditionellen FC MaBa (Maskenball des Fussballclubs Baden) zurück in den Kursaal. Unter seiner Regie lebten die Silvesterbälle mit Big Bands und die Bankette wieder auf. Endlich war das Casino wieder positiv in aller Munde. Es seien schöne Augenblicke gewesen, Momente der Befriedigung, wenn er im Premier, selber das Gesicht mit Schminke versehen und in fasnächtlichem Kostüm, am FC MaBa über die Bar hinweg einen Saal zufriedener, fasnächtlich und froh gelaunter Gäste beobachten konnte.

Casino-Direktor Mal anders: am FC MaBa 1995.

Casino-Direktor Mal anders: am FC MaBa 1995.

Ob er es bedauert habe, als das Glücksspiel das Kursaalgebäude in Beschlag nahm? «Nein, gar nicht. Mit dem Konzessionsentscheid rückte Baden national in den Fokus», ist Scheuer überzeugt und erinnert daran, dass Baden – ABB hin oder her – eben nach wie vor Provinzstadt gewesen sei.

Es sei dem langjährigen, inzwischen verstorbenen Verwaltungsratspräsidenten Peter Blöchlinger, aber auch der Stadt zu verdanken, dass man mutig den Bau eines Stadtsaals im Trafo anpackte. «Er hatte die Chance gesehen und war der Motor gewesen», sagt Scheuer über Blöchlinger. Scheuer verschweigt die mühevollen Zeiten aber nicht: Während des Umbaus betrieb das Casino einen Zeltbau über dem Parkhaus. Küche und Service seien bis aufs Äusserste gefordert gewesen.

Im Jahr 2003 übernahm Scheuer als Geschäftsführer Gastronomie das Trafo. «Es ist für mich heute noch wie mein Baby», sagt Scheuer, selber seit vielen Jahren verheiratet, Vater dreier erwachsener Kinder, und lacht. Neben dem Betrieb der Trafo-Halle stieg die Trafo Baden Betriebs AG auch ins Nischengeschäft des Catering ein. Grösster Erfolg: Die Promi-Gäste der Fussballeuropameisterschaften in Basel wurden aus der Trafoküche und vom Trafo-Service versorgt. «Es war eine Riesenherausforderung. Wir mussten sechs Tage lang bis 3000 Leute bedienen», erzählt Scheuer. Doch das habe weitere Anfragen eingebracht.

Bevor «Trafo 2» mit Hallen und Hotel zum Thema wurde, fand Scheuer mit der Zwischennutzung der Halle 37 eine weitere Nische. Mithilfe der Firma Electrolux wurde die leerstehende ABB-Halle für Firmen- und private Anlässe umgerüstet. Es sei zwar ein «Chrampf» gewesen, das Echo auf die Dekorationen und Kulissen aber hervorragend.

Die Realisierung von Trafo 2 bezeichnete Scheuer dann als konsequente, ebenfalls mutige Fortsetzung. Die Stadtcasino AG und Investor Werner Eglin machten aus den ABB-Hallen ein Event- und Kongresszentrum. «Als einstiger Tagsatzungsort lag die Weiterführung dieser Tradition auf der Hand», sagt Scheuer und schmunzelt.

Er hat auch gut Lachen dabei, denn das Trafo holte sich unter seiner Führung den Ruf als «Top-Eventlocation» mit gleich zwei Awards: 2015, und 2016 als beste Eventhalle der Schweiz. Das Trafo startete bei mehr als doppeltem Raumangebot auch wirtschaftlich erfolgreich. Doch die Konkurrenz sei härter geworden: In der Region Zürich sind innert kurzer Zeit drei neue Kongressstandorte entstanden. Mit Reto Leder als Marketingspezialist behauptete sich das Trafo dennoch auf dem nationalen Markt.

Jede Hürde genommen

Ob er in diesen 24 Jahren auch schon daran dachte, den Bettel hinzuwerfen? Dass Scheuer bei dieser Frage etwas länger studieren musste, lässt vieles erahnen. Doch so galant und diplomatisch wie der Gastro- und Event-Spezialist eben ist, so fällt die Antwort aus: «Eigentlich nicht, denn wenn Probleme auftauchen, ist für mich stets die Lösung im Vordergrund.» Es habe sehr intensive Phasen mit hohen Präsenzzeiten gegeben. Nebst vieler langjähriger, treuer Mitarbeitenden hätten ihm eine gute Konstitution und eine verständnisvolle Frau dabei geholfen.

Über die weitere Zukunft habe er sich bis jetzt keine Gedanken gemacht, sagt Scheuer trotz bald 60 Jahren. Das Bedürfnis zum Zurücklehnen habe er noch nicht. «Ich schaue auch nicht weit nach vorne, dazu sind die Gesellschaft und mein Business zu schnelllebig», meint er. Mit der Hochzeit seiner Tochter stünde zweifellos einmal ein Enkelkind ins Haus. Doch vorerst reicht ihm seine Freizeit, mit «etwas Sport um fitzubleiben, da und dort Kulturelles geniessen und einmal im Jahr in die Wärme gehen».

Als «historisch» will Scheuer den Wechsel in die Accor Hotel Gruppe und das Ibis Baden- Neuenhof nicht bezeichnen, das würde seiner Bescheidenheit widersprechen. «Für mich stimmt einfach der Augenblick. Ich kann nochmals eine neue Herausforderung annehmen und das Trafo in verantwortungsvolle Hände legen.»