Baden
«Tragisch ist der Tod einer Frau während der Geburt»

Region Ursula Brändli ist seit 25 Jahren als Hebamme tätig. Obwohl die meisten Geburten ohne Komplikationen verlaufen, ist sie in ihrem Beruf auch mit dem Tod konfrontiert.

Katja Ramseier
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Ursula Brändli bei der Gedenkstätte für früh verlorene Kinder im KSB.

Ursula Brändli bei der Gedenkstätte für früh verlorene Kinder im KSB.

Emanuel Freudiger

Frau Brändli, wie viele Geburten führten Sie bis heute durch?

Ursula Brändli: Eine genaue Zahl kenne ich nicht, aber es werden etwa um die 1000 sein.

Was für ein Gefühl ist es für Sie, wenn ein Kind gesund zur Welt kommt?

Während der Geburt ist es ein Wechselbad der Gefühle. Da man mehrere Frauen gleichzeitig zu betreuen hat, wird es meistens körperlich sowie emotional sehr intensiv. Doch wenn das Kind auf der Welt ist, bin ich erleichtert und eine innere Befriedigung macht sich breit. Ich freue mich jedes Mal mit den Eltern mit.

Können Sie sich noch an Ihre erste eigendurchgeführte Geburt erinnern?

Das ist schon zu lange her. Zu dieser Zeit gab es aber ein paar spezielle Geburten, an die ich mich erinnere. In meinem ersten Monat brachte ich beispielsweise fast im Alleingang Zwillinge zur Welt. Ich war mächtig stolz auf mich. Besonders schön war, dass die Zwillinge in der gleichen Gemeinde wie ich wohnten und ich ihnen so beim Grosswerden zusehen konnte.

Was war der schönste Moment, an den Sie sich noch heute erinnern?

Das war, als ich meine beiden Gottenbuben auf die Welt brachte. Die Geburt an sich war weniger schön, da ich einer Freundin beim Leiden zusah und ich trotzdem professionell sein musste. Doch es verlief alles gut. Beide Geburten waren etwas ganz Spezielles für mich. Ich habe noch heute ein ganz enges Verhältnis zu den beiden – obwohl sie schon erwachsen sind.

Gab es schon schwierige Momente, die Sie lange beschäftigten?

Ja. Schwierig wird es, wenn ein Kind tot zur Welt kommt. Solche Fälle beschäftigen mich immer sehr. Es ist für die Eltern wie auch für die Hebammen eine sehr belastende Situation. Jeder reagiert anders auf den Verlust und es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden. Trotz des medizinischen Fortschrittes und der guten flächendeckenden Versorgung kann es zu Komplikationen kommen. Auch tragisch ist der Tod einer Frau während der Geburt. Solche Fälle beschäftigen mich.

Wie geht man mit einer solchen Situation um?

In solchen Fällen redet man mit den Arbeitskolleginnen und den Ärzten. Im Team werden alle Aspekte rund um die Totgeburt diskutiert und beleuchtet. Dies ist ein wichtiger Teil der Bewältigungsstrategie. Wir haben auch jederzeit die Möglichkeit Unterstützung bei der Seelsorge oder beim externen psychiatrischen Dienst (EPD) für Eltern und Personal zu holen.

Gingen Sie mit solchen Momenten am Anfang Ihrer Karriere anders um?

Ja. Denn ich wurde schon als junge Hebamme mit dem Tod konfrontiert. Man schluckt leer, aber man kann solchen Situationen in diesem Beruf nicht ausweichen. Man tickt ganz anders in solchen Momenten. Den Umgang mit Todesfällen habe ich in der Lehre leider nicht gelernt. Es war mehr nach dem Motto Learning by Doing. Heutzutage wird das in der Ausbildung zum Glück viel mehr thematisiert. Man wird heutzutage in der Fachhochschule besser darauf vorbereitet.

Würden Sie den Beruf nochmals erlernen, wenn Sie sich nochmals entscheiden könnten?

Ja definitiv. Die heutige Ausbildung ist vermutlich noch spannender und vielseitiger als jene, die ich machte. Am Beruf gefällt mir besonders, dass er sehr vielseitig und abwechslungsreich ist. Man kann keinen Tag wirklich vorausplanen.

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