Weinlese
Trauben ernten: «Eine saftige und klebrige Sache»

An diesen Tagen liest das Weingut Birchmeier in Oberflachs die Trauben für Wein und Saft. Idyllisch ist das Ganze nicht. Im Gegenteil: Das schiefe Stehen am Hang setzt den Helfern zu. Etwas Entschädigung ist dafür die wunderbare Aussicht.

Erina Allmendinger
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Traubenlese in Oberflachs
12 Bilder
Wenn die Kisten voll sind, werden sie abgeholt
Die schöne Landschaft versüsst das Lesen
Aus roten Trauben kann Rot- und Weisswein gemacht werden
Den Helfern macht das Lesen Spass
Susanne Birchmeier ist mit dem Ertrag zufrieden
Die Kisten stehen auf Schienen, damit man sie besser weiterschieben kann
Die Trauben werden im grossen, silbernen Kessel gesammelt
Aus weissen Trauben kann nur Weisswein gemacht werden
Das Arbeiten am steilen Hang ist anstrengend
An jeder Reihe arbeiten mehrere Leser
Mit Hilfe des Refraktometers kann die Anzahl Öchsle bestummen werden

Traubenlese in Oberflachs

«Man kommt sich ein bisschen vor wie ein Zirkusdirektor mit so vielen Helfern», sagt Susanne Birchmeier, Betriebsleiterin des Weinguts. Sie teilt den Helfern die Rebreihen zu und verteilt gelbe Plastikkisten, in denen die Trauben gesammelt werden. Zwischen den Rebreihen arbeiten sich die Leser immer weiter den Berg hinunter. Geerntet wurden bis jetzt vor allem Trauben, aus denen später Traubensaft entsteht. Je nach Traubensorte werden die Trauben mit der Schere oder von Hand vom Rebstock gepflückt.

«Das Ernten von Hand ist manchmal schwierig, weil es Trauben gibt, die sich nicht so einfach vom Rebstock lösen lassen», erzählt eine Helferin. Die Helfer müssen darauf achten, dass die Trauben beim Abreissen nicht zerdrückt werden oder gar ein ganzer Ast mitkommt. Sie tragen Einweghandschuhe, denn das Ernten der Trauben, vor allem der Roten, ist eine saftige und klebrige Sache. Faule Trauben geben dem Wein ein schlechtes Aroma und müssen entfernt werden. Nach einem Erntetag sind die Spuren der Arbeit klar auf den Kleidern zu erkennen. Auch das Ernten mit der Schere hat seine Tücken: «Man muss aufpassen, dass man sich nicht in die Finger schneidet – oder in diejenigen des Gegenübers», sagt eine Helferin.

Schön – aber anstrengend

Es kann vorkommen, dass am selben Tag verschiedene Traubensorten geerntet werden. Dann packen die Helfer die gesamte Ausrüstung auf einen Lieferwagen, setzen sich darauf und fahren zum nächsten Weinberg. «Wer denkt, Trauben zu lesen sei nur idyllisch, der irrt sich gewaltig», sagt Susanne Birchmeier. Das schiefe Stehen am steilen Hang trägt dem einen oder anderen Rücken tatsächlich zu. Trotzdem ist die Stimmung unter den Helfern super. «Mir gefällt es, dass ich draussen in der Natur arbeite und dabei andere Leute treffe», erzählt ein Helfer. «Auf den Kollegen kommt es an», sagt ein anderer und deutet lachend durch die Blätter auf die andere Seite des Rebstocks. Am gleichen Rebstock arbeiten meistens zwei Leute von verschiedenen Seiten. Während dem Lesen wird fröhlich über Gott und die Welt geplaudert.

Topmotivierte Helfer

«Die Helfer sind immer topmotiviert. Weil es jedes Jahr etwa die gleichen sind, wissen sie genau, wie es geht», sagt Susanne Birchmeier. Die Meisten sind schon pensioniert und sehen die Weinlese als angenehme Abwechslung. Einige sind schon seit 30 Jahren dabei und kommen sogar aus Solothurn, um zu helfen. Am späteren Nachmittag, wenn das Tagesziel erreicht ist, sitzen alle Helfer zusammen und essen Brot, Speck, Käse und Eier. Das gemeinsame Essen ist die Entschädigung für die Arbeit. Ausserdem erhalten sie nach der Lese auch einige Weinflaschen. «Du trinkst dann auch den Wein viel lieber, wenn du weisst, dass du die Trauben selber gepflückt hast», erklärt ein Helfer.

Nach dem Lesen werden alle Trauben in einen grossen, silbernen Kessel geschüttet. Im Schnitt sind es etwa zwei Tonnen Trauben pro Tag, an guten Tagen bis zu vier Tonnen.