Thermalbad

Trauermarsch zum Thermalbad – und dann ein Adieu

Bei brütender Hitze setzt sich der Trauerzug in Baden langsam in Bewegung. Philippe Neidhart

Bei brütender Hitze setzt sich der Trauerzug in Baden langsam in Bewegung. Philippe Neidhart

Die Interessengemeinschaft schöner baden verabschiedet sich mit Sarg und Plakaten vom Glausbad. Ein gutes Dutzend Menschen stehen in Badekleidung auf dem Schlossbergplatz gleich vor dem Stadtturm. Neben ihnen sind Schilder mit Bildern des Bades.

Weit auffälliger ist jedoch ein schwarzer Sarg, auf dem Geister zu sehen sind, die mit Begriffen wie «Gierschlund» und «Bankrott» angeschrieben wurden. Die Forderung der kleinen Gruppe ist klar und wird auf Andriu Deflorins T-Shirt in einem Satz zusammengefasst: «Kein Baden in Beton».

Deflorin ist Mitglied der IG schöner baden, die sich gegen das geplante Botta-Bad einsetzt. In der brütenden Hitze setzt sich der Trauerzug langsam in Bewegung und nimmt Kurs auf die Badstrasse. Die kleine Demonstration zieht die Blicke der Leute auf sich, einige Passanten zücken ihr Handy und filmen den skurrilen Aufzug. Die Mitglieder der IG «schöner baden» nehmen das Interesse der Umstehenden zum Anlass, mit Flyer auf ihr Begehren aufmerksam zu machen. Obwohl es der letzte Gang zum Bad ist, nehmen die Marschierenden das Ende des Glausbades mit Galgenhumor. Ihr heutiges Ziel jedoch ist ernst, wie Architektin Daniela Dreizler sagt: «Es geht um den Abschied und die Würdigung von diesem Bad.»

Der erste Gast

Nach dem Marsch durch die Innenstadt wird im Kurpark eine Pause eingelegt; werden ein kleiner Tisch aufgestellt und eine Flasche Champagner geöffnet. Artikel über die Eröffnung des Bades werden vorgetragen, die von der architektonischen Schönheit des Glausbades schwärmen. Ausserdem wird die Geschichte des ersten Badegastes erzählt.

Dabei handelte es sich um Othmar Zehnder, der als Stromer bei beim Bau am Thermalbad mitgearbeitet hatte und später durch sein Engagement beim Kurtheater regionale Bekanntheit erlangte. «Er war der Erste, wir werden die Letzten sein!», ertönt es aus der kleinen Versammlung, bevor die IG das letzte Stück des Weges hinunter zum Thermalbad unter die Füsse nimmt.

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