Trauer

Trauern heisst ins Leben zurückfinden: Aargauer Verein trauert in offener Gruppe

Der Trauertreff des Aargauer Hospiz-Vereins hilft den Hinterbliebenen beim Verarbeiten ihrer Trauer.Angelo zambelli

Der Trauertreff des Aargauer Hospiz-Vereins hilft den Hinterbliebenen beim Verarbeiten ihrer Trauer.Angelo zambelli

Für Menschen, die einen Verlust beklagen, sind die Offenen Trauertreffs Rettungsanker. Dennoch können einige von ihnen nicht überleben – wegen mangelnden Zuspruchs.

Trauern heisst einen Verlust beklagen, bedeutet Abschied nehmen – sei es von einem nahestehenden Menschen, der Arbeit oder der Gesundheit.

«Trauern heisst aber auch, ins Leben zurückfinden», weiss Gisela Meinicke. Sie leitet seit sechs Jahren den Offenen Trauertreff des Aargauer Hospiz-Vereins in Baden.

Gisela Meinicke und ihre Kollegin Susanne Kunz helfen mit Zuhören und Gesprächen, damit Menschen unterschiedlichen Alters aus ihrer seelischen Talsohle finden und in der Gesellschaft wiederum Tritt fassen können.

Zweimal pro Monat Trauertreff

Zweimal pro Monat versammeln sich tendenziell mehr Frauen als Männer im Badener Trauertreff in einem von der Krebsliga gratis zur Verfügung gestellten Raum an der Schwertstrasse.

Nun wird dieser Ende 2013 geschlossen. Damit ist er – nach den bereits aufgehobenen Treffs in Rheinfelden und Zofingen – der dritte im Kanton Aargau; es verbleiben noch jene in Bad Zurzach und Wohlen.

Völlig von der Landschaft verschwinden, wird der Badener Trauertreff in gewisser Weise gleichwohl nicht – er geht auf in einem neuen. Ab Januar 2014 bietet der Aargauer Hospiz-Verein, in Zusammenarbeit mit dem Pflegezentrum Süssbach AG und dem Alterszentrum Brugg, einen Offenen Trauertreff in Brugg an – im Klubraum der Alterssiedlung.

Wer in der Region Baden mit seinem grossen Einzugsgebiet wohnt, wird in Zukunft also den weiteren Weg nach Brugg machen müssen, will er gemeinsam mit anderen Menschen trauern. Weshalb wird der Badener Treff geschlossen?

Elisabeth Imhof, Vizepräsidentin des Hospiz-Vereins, betont: «Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Aber wir mussten die Zahlen einfach zur Kenntnis nehmen. Diese haben uns klar gezeigt, dass der Offene Trauertreff in Baden oft sehr wenig, manchmal sogar gar nicht besucht wurde. Da wussten wir: Jetzt müssen wir handeln.»

Worin mag der Besucherrückgang liegen, wenn doch Spitäler, Arztpraxen und andere Institutionen auf die Offenen Trauertreffs des Hospiz-Vereins hinweisen?

Den einen Grund gibt es für Gisela Meinicke nicht, «aber», gibt sie zu bedenken, «die Themen Tod und Trauer sind in unserer leistungsorientierten, Schwächen nicht tolerierenden Gesellschaft nach wie vor tabu. Das mag manche Menschen daran hindern, uns aufzusuchen.»

Dabei ist der Offene Trauertreff ein niederschwelliges Angebot: Niemand muss sich an- oder abmelden. Gisela Meinicke zerstreut Bedenken im Hinblick darauf, dass Trauernde an einem solchen Ort vor allem runtergezogen werden.

«Das Gegenteil ist vielmehr der Fall», weiss sie aus langjähriger Erfahrung. «Wer einen Trauertreff aufsucht, merkt, dass andere Menschen in genau derselben, belastenden Situation stecken. Sich auszutauschen und miteinander sogar zu lachen, hilft den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den verschiedenen Phasen ihres Trauerns.»

Gisela Meinicke hat im Übrigen festgestellt, dass der Badener Ort des Trauerns bis anhin mehr von Hilfesuchenden aus dem Raum Brugg aufgesucht wurde, als von solchen aus der Region Baden. Das dürfte den Neustart in Brugg erleichtern.

Für den Hospiz-Verein wichtig ist mit der Verlegung nach Brugg die bessere, interne Vernetzung, die Elisabeth Imhof so auf den Punkt bringt: «Damit streben wir eine engere Bindung zu unserem Hospiz an, das seit drei Jahren in Brugg beheimatet ist.

Weil der Offene Trauertreff so nahe beim Hospiz liegt, können wir Menschen, deren Angehörige im Hospiz sind, vermehrt und vor allem früher ansprechen. Die Zusammenarbeit mit dem Hospiz wird somit generell enger.»

Der Badener Trauertreff wird Ende 2013 schliessen, der neue in Brugg am 16. Januar 2014 öffnen – mit Gisela Meinicke und ihrer Kollegin Susanne Kunz.

Der Brugger Treff findet am ersten und dritten Donnerstag des Monats, jeweils von 18.30 bis 20.30 Uhr statt.

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