In der Stimme von Hedi Hafen (82) schwingt auch fünf Tage nach dem Vorfall noch Wut und Fassungslosigkeit mit. «Ich schlafe nicht gut; das Bild des Mannes verfolgt mich.»

Es geschah am letzten Freitag. Die gehbehinderte Frau ist mit ihrem Rollator auf dem Weg vom Bahnhof Baden zum christlichen Sozialwerk Hope an der Stadtturmstrasse. «Ich befand mich gerade im Durchgang zur Dynamostrasse, als mich ein gutaussehender Mann ansprach», sagt Hafen.

Interview mit Trickdieb-Opfer Hedi Hafen

Interview mit Trickdieb-Opfer Hedi Hafen

Mit ausländischem Akzent habe er sie höflich gefragt, ob sie ihm für die Parkuhr nicht 2 Franken wechseln könne. «Ich zückte das Portemonnaie und kramte nach Kleingeld», so Hafen. Weil sie das Münz schlecht gesehen habe, habe er ihr bei der Suche «geholfen». Er habe sich dann mit nur 50 Rappen begnügt und sich für ihre Hilfsbereitschaft bedankt.

IV-Rentner schenkt 50 Franken

Von wegen begnügen: Als Hafen wenig später ihr Mittagessen im Hope bezahlen will, stellt sie mit Entsetzen fest, dass ihr 500 Franken im Portemonnaie fehlen. 500 Franken!? «Jetzt denken bestimmt alle, die muss ja Geld haben», sagt Hafen. Dem sei aber auf keinen Fall so. «Ich habe am Tag zuvor aus Versehen 500 statt 200 Franken am Bankautomaten abgehoben.» Eigentlich habe sie das Geld wieder einzahlen wollen, «doch die Bank war bereits geschlossen». Den Diebstahl habe sie am Abend der Polizei gemeldet, doch die habe nichts mehr ausrichten können.

«Ich bin so wütend – vor allem auf mich selbst», sagt Hafen. Sie könne sich noch immer nicht erklären, wie der Mann das Geld unbemerkt habe entwenden können. «Die 500 Franken sind für mich eine grosse Einbusse; ich bin nicht auf Rosen gebettet.» Umso mehr habe sie sich darüber gefreut, als ihr ein IV-Rentner im Hope spontan 50 Franken schenkte.

Eines ist für Hafen klar: «Das passiert mir nicht noch einmal. Wenn mich wieder ein Mann nach Geld fragt, gibt es keinen Rappen.»