Baden/Wettingen
Trockenheit schwächt Energieproduktion: Wird jetzt der Strom knapp?

Die anhaltende Trockenheit im Dezember wirkte sich massiv auf den Pegelstand der Limmat aus – und damit auch auf die Energiegewinnung aus Wasserkraft. Was bedeutet das nun für die Stromproduktion?

Carla Stampfli
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Weil der Wasserstand tief ist, können die Kraftwerke an der Limmat – darunter das Kraftwerk Aue in Baden – ihre Produktionsleistung nicht ausschöpfen.

Weil der Wasserstand tief ist, können die Kraftwerke an der Limmat – darunter das Kraftwerk Aue in Baden – ihre Produktionsleistung nicht ausschöpfen.

Carla Stampfli

Der Dezember 2016 war so trocken wie seit Jahren nicht mehr. Gemäss den beiden regionalen Wetterstationen von «Meteoswiss» in Oberehrendingen und Dietikon fiel während 45 beziehungsweise 37 Tagen kein einziger Regentropfen.

Erst am 4. Januar kam es wieder zu Niederschlägen. Dies führte dazu, dass der Pegelstand der Seen und Flüsse tief ist, so auch der Limmat. Gemäss Gilles Tornare, Medienverantwortlicher der Regionalwerke AG Baden (RWB), lag die Wasserführung im Dezember bei 51m3/s – «und damit rund 40 Prozent unter dem fünfjährigen Mittelwert».

Der Dezember war im Aargau so trocken wie seit Jahren nicht mehr:

Trockener Dezember im Aargau, im Bild: Schneisingen
6 Bilder
Trockener Dezember Eindrücke aus Schneisingen: Schafe und ein Esel von einem Tessiner Schäfer grasen auf einer Weide.
Trockener Dezember Eindrücke aus Schneisingen: Schafe und ein Esel von einem Tessiner Schäfer grasen auf einer Weide.
Trockener Dezember Der Dezember war noch nie so trocken wie dieses Jahr. Im Bild: Schneisingen.
Trockener Dezember Blick über das Zurzibiet in Richtung Zürich, fotografiert in Fisibach.
Trockener Dezember Eindrücke aus Schneisingen: Schafe und ein Esel von einem Tessiner Schäfer grasen auf einer Weide.

Trockener Dezember im Aargau, im Bild: Schneisingen

Sandra Ardizzone

Doch was bedeutet dies für die Stromproduktion aus Wasserkraft? Die vier Kraftwerke Aue, Kappelerhof, Schiffmühle und Turgi der Limmatkraftwerke AG, einer Tochtergesellschaft der RWB, produzierten letzten Monat rund 27 Prozent weniger Energie. Dies im Vergleich zum fünfjährigen Dezember-Mittelwert.

Weil auch der vergangene Herbst von Trockenheit geprägt war, lag die Stromproduktion des vierten Quartals rund 25 Prozent unter dem langjährigen jahreszeitlichen Mittelwert. Rekord sei dies aber nicht, wie Tornare sagt. Im vierten Quartal 2015 habe die Energieproduktion nochmals um vier Prozent tiefer gelegen. «Der Herbst 2016 war also bereits der zweite Herbst in Folge mit ausserordentlich trockenen Wetterverhältnissen.»

Ähnlich tönt es beim Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ), dem Betreiber des Kraftwerks Wettingen. Seit August 2016 entspräche die Stromproduktion noch rund zwei Dritteln des langjährigen Mittels, sagt EWZ-Mediensprecher Harry Graf.

Fehlenden Stromanteil einkaufen

Zu Lieferengpässen führt die geringere Stromproduktion nicht: Die Betreiber können die Einbusse verschiedentlich wettmachen. «Die Regionalwerke AG Baden muss den fehlenden Stromanteil am Strommarkt beschaffen», erklärt Tornare. Dies würde aber für Kunden wie auch für das Unternehmen nicht ins Gewicht fallen. «Finanziell sind die Auswirkungen überschaubar», sagt der Medienverantwortliche. Dies, weil die heutigen Marktpreise attraktiv seien und die Limmatkraftwerke AG nur einen Teil des Stromangebots der RWB ausmachen.

Auch das Kraftwerk Wettingen kommt aufgrund der Trockenheit nicht in die Bredouille: Das EWZ verfüge mit Wasser, Wind, Sonne und Kernenergie über verschiedene Stromproduktionsarten. Überdies sei man im Stromhandel tätig, sagt Graf und fügt an: «Somit sind wir nicht von einem einzelnen Kraftwerk abhängig und können niederschlagsarme Perioden anderweitig kompensieren.»

Die Trockenheit im Herbst und Winter schlug sich nicht nur auf das letzte Quartal 2016 nieder, sondern auch auf die Jahresstromproduktion insgesamt. Normalerweise würden die Turbinen der Limmatkraftwerke AG rund 95 GWh Strom erzeugen und damit zirka 21 000 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen, sagt Tornare.

Die Energieproduktion im 2016 habe bei rund 86 GWh gelegen – «somit rund zehn Prozent unter dem Normalwert». Die RWB hoffen, dass im 2017 mehr Niederschlag fällt als in den Vorjahren, sodass die Kraftwerke ihre volle Produktionsleistung wieder ausnützen können. Denn: «Von den lokalen Quellen Energie zu beziehen, ist immer noch die nachhaltigste Lösung», sagt Tornare.

Linthkorrektion: Für Limmat positiv

Gegen tiefe Wasserstände können keine Massnahmen ergriffen werden. «Das ist die Natur», sagt Harry Graf. Er fügt jedoch an, dass die Limmat als Abfluss des Zürichsees in solchen langen, niederschlagsarmen Zeiten profitiere – aufgrund der dämpfenden Wirkung der grossen Linthkorrektion: Unter der Führung von Hans Konrad Escher wurde 1816 die Linth über den Escherkanal in den Walensee umgeleitet.

Seither dient der See als Geschiebesammler und Ausgleichsbecken. «Dadurch profitiert die Limmat von den beiden grossen Wasserspeichern Zürichsee und Walensee und ist ‹nur› indirekt von den lokalen Niederschlägen abhängig», erklärt der EWZ-Sprecher.