Untersiggenthal

Trotz Coronakrise: Bei der Metzgerei Höhn übernimmt nach 36 Jahren die dritte Generation

Während der Coronakrise gibt der Untersiggenthaler Hans Höhn seine Metzgerei weiter an seinen Sohn Tobias. Dieser will an Altbewährtem festhalten - und doch die eine oder andere Änderung vornehmen. Hans Höhn wird derweil nicht ganz aus der Metzgerei verschwinden.

Lange schon stand die dritte Generation in den Startlöchern. Nun übergibt Hans Höhn seine Metzgerei nach knapp 36 Jahren seinem Sohn Tobias und dessen Frau Nadja. Im Alter von 30 Jahren hatte Hans Höhn den Untersiggenthaler Betrieb einst von seinem Vater übernommen, jetzt tritt wiederum sein Sohn – ein Jahr jünger als er damals – ausgerechnet während der Coronakrise in seine Fussstapfen. Dass er den Familienbetrieb übernehmen wird, stand längst fest. «Für mich war es schon immer Thema, dass die Metzgerei weiterhin bestehen soll. Ich bin stolz auf das, was wir machen. Das möchte ich so lange wie möglich erhalten», sagt Tobias Höhn.

Trotzdem hat sich der 29-Jährige, der seit drei Jahren als Geschäftsführer agiert, die Übernahme gut überlegt: «Ich habe das mit meiner Frau besprochen. Sie steht zu hundert Prozent hinter mir. Gleiches gilt für meinen Bruder, der die Produktion macht. Auch unsere Eltern unterstützen uns weiterhin.» Mit der am 1. Mai über die Bühne gegangenen Übernahme fällt auch dem mittlerweile 66 Jahre alten Hans Höhn ein Stein vom Herzen. «Ich wollte das Geschäft eigentlich schon früher abgeben. Tobias macht das perfekt, fast schon besser als ich. Ich bin froh, dass der Betrieb in der Familie bleibt», sagt er.

Der stete Kampf gegen das Nachwuchsproblem

Dank Tobias, seiner Frau und seinem 31-jährigen Bruder Daniel, der lieber im Hintergrund arbeiten möchte, soll die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben werden. Immer wieder wurden die Produkte der Metzgerei Höhn ausgezeichnet, das hohe Niveau will auch die dritte Generation weiterhin halten. «Wir wollen das Altbewährte beibehalten, auf dem bestehenden Angebot aufbauen und doch immer wieder Neuheiten kreieren. So können wir uns von den Grossverteilern abheben und mit unserer Qualität weiterhin überzeugen», sagt Tobias Höhn. Über dreissig Wurstsorten, verschiedene Saucen oder gar fixfertige Speisen werden auf diese Weise selbst hergestellt.

Obwohl Metzgereien immer mehr mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, glaubt Höhn an seine Branche und sein zwölfköpfiges Team. «Ich bin fest davon überzeugt, dass Dorfmetzgereien immer mehr geschätzt und genutzt werden. Die Leute greifen wieder zurück auf die kleinen Geschäfte, weil sie wissen, woher die Ware stammt. Sie kennen den Metzger, wir kennen die Kunden», sagt Tobias Höhn. Obwohl während der Coronakrise die Einnahmen aus dem zum Betrieb gehörenden Cateringservice ausfielen, konnte die Familie so stets auf die treue Kundschaft zählen, die sich gar vergrösserte. «Im Laden lief es gut. Wir durften viele Neukunden begrüssen und hoffen, dass ein Teil davon auch nach Corona bleibt», sagt Tobias Höhn. 

Auch der Lieferservice boomte während des Höhepunkts der Welle. Trotzdem war die Übergabe in Zeiten von Corona nicht einfach, es gab viel Papierkram und noch mehr Sorgen aus dem Weg zu räumen. «Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie es für Tobias weitergeht. Das machte mir schon zu schaffen», sagt Hans Höhn. Nichtsdestotrotz war eine Verschiebung nie Thema, der im letzten Jahr gefallene Entschluss blieb geltend.

«Ich würde mich wieder für diesen Weg entscheiden»

Während es für Tobias Höhn nun mit Vollgas losgeht, hat sein Vater ganz andere Pläne. Nun will dieser sich vermehrt seinem Hobby, dem Fotografieren, widmen. Im nächsten Jahr will er zusätzlich mit seiner Frau auf Reisen gehen. «Letztlich geht ein grosses Dankeschön an meine Frau Rita, die mich immer wieder unterstützte, Freud und Leid geteilt hatte und doch auch auf vieles verzichten musste», sagt er.

Im 1961 durch seine Eltern eröffneten Laden wird man Hans Höhn weiterhin antreffen. Die Metzgerei wird ihn nie ganz loslassen. «Das Schönste in all den Jahren war die Selbstständigkeit. Die Hochs und Tiefs selbst zu tragen, mit den Mitarbeitern alles aufzubauen und zu entwickeln. Es war nicht immer einfach. Aber im Nachhinein würde ich mich wieder für diesen Weg entscheiden», sagt er.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1