Baden

Trotz Einwänden: Stadtrat will keine Busse in der Weiten Gasse

Noch dürfen Busse der Linie 5 durch die Weite Gasse fahren. Künftig soll sie Velofahrern und Fussgängern gehören.

Noch dürfen Busse der Linie 5 durch die Weite Gasse fahren. Künftig soll sie Velofahrern und Fussgängern gehören.

Nach einem SP-Vorstoss musste der Badener Stadtrat erneut über die Verkehrsführung entscheiden. Dieser liess sich jedoch nicht umstimmen. Um das Potenzial der Weiten Gasse auszuschöpfen, müssten die Busse weichen.

Die Weite Gasse soll verkehrsfrei werden: Diesen Entscheid fällte der Badener Stadtrat bereits 2014, und drei Jahre später bekräftigte er den Beschluss. Die Idee: Sobald die Busse der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen durch den neuen Bustunnel beim Schulhausplatz fahren dürfen – also kommenden Frühling – gehört die Weite Gasse den Fussgängern und Velofahrern allein.

Nun musste sich der Stadtrat gar ein drittes Mal mit dem Thema beschäftigen, denn SP-Einwohnerrat Martin Groves hatte in einem Postulat gefordert, die Busse der Linie 5 der RVBW müssten auch in Zukunft durch die Weite Gasse fahren dürfen. Diese Buslinie kann nicht in den neuen Tunnel verlegt werden, denn sie führt in Richtung Allmend und Baldegg.

Wenigstens eine einjährige Testphase

Für eine Beibehaltung der bisherigen Streckenführung gebe es gute Gründe, schrieb Groves: Die Linie 5 diene auch als Schulbus, wobei die Kinder der Schulhäuser Ländli, Pfaffechappe und Tannegg in der Weiten Gasse zusteigen. «Mit dem Wegfall der Haltestelle aus der Weiten Gasse entfernt sich die Haltestelle von der Schule.» Künftig müssten sie am Schlossbergplatz oder im Gstühl einsteigen. Die eigentliche Mittagspause der Kinder verkürze sich. «Je nachdem kommt es zu gefährlichen Situationen und Zeitverzögerungen.»

Bei der RVBW tönt es ähnlich. Direktor Stephan Kalt sagte vor einigen Wochen: «Ich wünschte mir wenigstens eine einjährige Testphase und denke dabei in erster Linie an die vielen Schüler, die wir mit dem 5er in Richtung Baldegg transportieren.»

Der Stadtrat lässt sich aber weder vom Postulat noch vom Vorstoss umstimmen. Er schreibt in seiner Antwort auf das Postulat: «Das Potenzial, das die Weite Gasse für den Fuss- und Radverkehr und als Aufenthaltsort hat, kann nicht voll ausgeschöpft werden, solange der Busverkehr diesen Raum mitbenutzt. Der Wegfall der Emissionen durch vorbeifahrende Busse verbessert die Aufenthaltsqualität wesentlich.»

«Schulweg ist zumutbar»

Zudem sei der zusätzliche Schulweg zumutbar, findet der Stadtrat: «Mit dem Wegfall der Haltestelle Weite Gasse erhöht sich die Fusswegdistanz für Schülerinnen und Schüler von heute rund 130 Meter auf künftig rund 500 Meter. Bei einer normalen Gehgeschwindigkeit brauchen die Schülerinnen und Schüler vom Pausenplatz bis zur Haltestelle Schlossbergplatz rund drei bis vier Minuten länger.» Als die Weite Gasse 2013 saniert und gesperrt wurde, sei die Haltestelle schon einmal ausser Betrieb genommen worden. Damals habe sich gezeigt, dass der etwas längere Schulweg zumutbar sei.

Künftig sollen die Busse der Linie 5 statt durch die Weite Gasse durch die «Blinddarm»-Unterführung fahren. Weil abends wegen der Nachtlokale viele Menschen in der Unterführung stehen, sollen sie ab 20 Uhr via Haselstrasse zur Bruggerstrasse und von dort ins Gstühl geführt werden.

Der Stadtrat empfiehlt dem Einwohnerrat, das Postulat Groves nicht zu überweisen. Folgt das Parlament dieser Empfehlung, steht einer Verkehrsbefreiung der Weiten Gasse wohl nichts mehr im Weg. Wird das Postulat hingegen überwiesen, wird sich der Stadtrat weiter mit der Verkehrsführung durch die Weite Gasse befassen müssen.

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