Baden

Trotz Hochhauszone nur sechs Etagen: Warum wird auf dem Brisgi-Areal nicht höher gebaut?

Das geplante städtische Neubauprojekt im Brisgi, hinten das alte Hochhaus.

Das geplante städtische Neubauprojekt im Brisgi, hinten das alte Hochhaus.

Das Badener Brisgi-Areal wird nach Jahrzehnten der Planung endlich überbaut – allerdings viel weniger dicht, als es möglich wäre. Dabei könnte die Stadt die zusätzlichen Wohnungen brauchen.

Knapp 200 neue, günstige Wohnungen sollen bald im Kappelerhof in Baden entstehen. Das Brisgi-Areal, zwischen Bahnlinie und Limmat im Grünen gelegen, wird nach jahrzehntelanger Planung endlich bebaut. Es soll eine Siedlung mit hellen Fassaden, grosszügigen Lauben und einem Quartierplatz zum nachbarschaftlichen Austausch werden.

Das Brisgi hat eine lange Vorgeschichte: 1947 entstand hier eine Barackensiedlung für die Arbeiter der Brown, Boveri & Cie. Zeitweise lebten in den Holzbaracken 1500 Gastarbeiter. Um 1960 wollte die BBC ihre Situation verbessern und eine grosse Wohnsiedlung bauen. Von den ursprünglichen Plänen wurden in den Sechzigerjahren aber nur die beiden sogenannten «Punkthäuser» (mit neun Etagen) und das Brisgi-Hochhaus (mit 20 Etagen) verwirklicht. Die restliche Fläche ist bis heute eine der letzten Baulandreserven der Stadt Baden.

1992 fiel das Baurecht zurück an die Stadt. Das Badener Tagblatt titelte damals: «Brisgi soll sich zum echten Wohnquartier wandeln» – und: «Brisgi bietet Platz für 300 Wohnungen und 900 neue Bewohner». Die erste Schlagzeile geht nun rund 30 Jahre später in Erfüllung. Die zweite bleibt wohl ein Wunschtraum. Denn: Statt 300 Wohnungen entstehen nach neuestem Planungsstand 191. Rund 570 Menschen könnten hier einziehen.

Warum nicht in die Höhe?

Das Badener Stimmvolk hat 2011 der neu geschaffenen städtischen Wohnbaustiftung zehn Millionen Franken für die Brisgi-Siedlung zugesprochen. 2016 gewannen die Badener Architekten Meier Leder und das Zürcher Büro Müller Sigrist mit ihrer Arbeitsgemeinschaft den Projektwettbewerb. Damals ging man sogar nur von 130 Wohnungen und maximal vier Stockwerken aus – obwohl es heute schon deutlich höhere Häuser und ein Hochhaus gibt auf dem Areal und das Brisgi seit 2016 im Hochhausperimeter liegt.

Es drängt sich die Frage auf, warum die Wohnbaustiftung als Bauherrin hier nicht höher baut. Schliesslich fordern Städteplaner seit Jahren, man müsse in den Schweizer Städten in die Höhe bauen – um mehr Wohnraum zu schaffen, aber auch um Grünflächen zu erhalten. Und gerade günstiger Wohnraum wird in Baden zusehends knapp.

Michael Heiserholt, Projektleiter bei der Entwicklungsplanung der Stadt Baden, sagt dazu: «Für die drei Baufelder im Brisgi gab es eine Testplanung, an der sich drei Büros beteiligt haben. Schon damals war eine Vorgabe der Stadt, die Landschaft an der Limmat zu erhalten.» Das Brisgi-Areal liege auf einer Terrasse über dem Fluss. «Diesen Grünraum will man als Freifläche für die neuen Bewohner erhalten.»

Zudem sei das Brisgi durch das bestehende Hochhaus heute schon recht dicht besiedelt. «Man wollte ganz bewusst nicht noch mehr Dichte reinbringen», sagt Heiserholt. Immerhin habe man zuletzt die Wohndichte noch etwas erhöht, indem gegen die Limmatböschung hin sechs Geschosse geplant wurden.

Nachträglich verdichtet

Roger Casagrande, Architekt bei Meier Leder Architekten, erklärt: «Nach dem Wettbewerbsentscheid haben wir in der Überarbeitung noch Potenzial für zusätzlichen Wohnraum gesehen, welches wir deshalb der Stadtbildkommission vorgelegt haben».

Gemeinsam habe man die vorgeschlagenen Anpassungen optimiert und so eine massvolle Verdichtung erreicht. «Diese Optimierung werden wir an der Informationsveranstaltung am 23. Mai auch der Bevölkerung präsentieren», sagt Casagrande. Am kommenden Mittwoch informiert die Wohnbaustiftung die Öffentlichkeit im Schulhaus Kappelerhof.

Für die öffentliche Mitwirkung liegen die Pläne dann vom 28. Mai bis zum 26. Juni bei der Abteilung Planung und Bau im Roten Turm auf. In diesem Zeitraum können alle Bürgerinnen und Bürger Vorschläge zu den Plänen einreichen. Der Baubeginn im Brisgi erfolgt im optimalen Fall 2020.

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