In den letzten Wochen haben auffällig viele Haushalte in der Region Baden einen Flyer erhalten, auf dem die Firma Aarbrugg AG mit Sitz in Brugg für Wohnungen in der Neuenhofer Siedlung Webermühle wirbt. Ist diese Marketing-Offensive ein Indiz dafür, dass derzeit viele der rund 370 Wohnungen in der Webermühle leer stehen?

Auf Anfrage sagt David Zumsteg von der Firma Aarbrugg: «In den letzten Jahren lag der Leerwohnungsanteil immer bei rund 20 Prozent. Das ist natürlich deutlich zu viel.» Deshalb habe die Eigentümerin – der Immobilienfonds Credit Suisse Real Estate Fund Living Plus – sich entschieden, die Firma Aarbrugg AG mit der Vermarktung der Wohnungen zu beauftragen.

Angst vor Überbauungen

Mit Erfolg, wie Zumsteg selber sagt: «Seit unserem neuen Auftritt konnten wir den Leerwohnungsanteil deutlich auf etwas mehr als 10 Prozent senken.» Natürlich sei es illusorisch, das immer alle Wohnungen vermietet sind; einen Sockel an leeren Wohnungen gebe es immer. «Aber mehr als fünf Prozent sollte der Anteil der leerstehenden Wohnungen nicht betragen.»

Was sind die Gründe, dass so viele Wohnungen nicht vermietet sind? «Viele Menschen denken bei der Siedlung Webermühle vielleicht noch an Plattenbauten und anonyme Wohnungen», so Zumsteg. Doch die Realität sei eine andere. «Nach der Totalsanierung vor rund fünf Jahren bietet die Webermühle heute modernen Wohnraum an.» Wohnraum, der darüber hinaus mit Angeboten wie Kinderhort, Kindergarten, Läden und Restaurants ergänzt wurde.

«Und nicht zuletzt vergisst man schnell einmal, dass die Siedlung dank des vor zwei Jahren erstellten Lifts hinauf zum Bahnhof Wettingen an den öV bestens erschlossen ist», betont Zumsteg. Viele potenzielle Mieter hätten wohl eine grundsätzliche Schwellenangst vor solchen grossen Überbauungen. «Dabei sieht die Realität mit der Nähe zum Fluss und der gepflegten Umgebung ganz anders aus», so Zumsteg.

Sogar ein eigener Kindergarten

Die Webermühle ist eine von rund einem Dutzend Plattenbausiedlungen, die in den 70er-Jahren im Raum Zürich gebaut wurden. Errichtet von der Ernst Göhner AG, hätte die Webermühle ursprünglich mit eigenem Schulhaus, Schwimmbad und Ladenlokalen ausgestattet werden sollen, fast wie eine kleine Stadt. Realisiert wurden hingegen nur ein kleiner Quartierladen und eine Kindergartenabteilung.

Die beiden älteren Wohnblöcke wurden in den Jahren 1973/74 erstellt, die beiden neueren Wohnblöcke in den Jahren 1981/82. Vor sechs, respektive fünf Jahren wurden alle Wohnungen und die Fassade total saniert. Seither präsentiert sich die Wohnsiedlung in hellerem Gewand. Die Sanierung hatte höhere Mietpreise zur Folge. So zahlen Mieter heute etwa für eine 4-Zimmer-Wohnung rund 550 Franken mehr pro Wohnung. Nicht zuletzt dieser Umstand führte wohl dazu, dass kurz nach der Sanierung mit 90 Wohnungen rund ein Viertel aller Webermühle-Wohnungen leer standen.

Fakt ist aber auch, dass sich die Mietpreise trotz der Erhöhungen im Vergleich mit marktüblichen Angeboten im unteren Bereich bewegen. So werden etwa 3-Zimmer-Wohnungen (70 Quadratmeter) ab 1300 Franken pro Monat angeboten und 5,5-Zimmer-Wohnungen (ca. 120 Quadratmeter) ab 1600 Franken pro Monat. Doch offenbar vermögen diese verhältnismässig tiefen Mietzinsen aber (noch) nicht genügend Mieter in die Webermühle zu locken.