Herbst 1989
Trotz Maradona: «Wir hätten gewinnen und uns qualifizieren müssen»

Die Europacup-Spiele der Wettinger sind beim damaligen Captain Martin Rueda noch immer präsent. «Wir machten eine sehr gute Falle.»

Pirmin Kramer
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Alle gegen Maradona: Martin Rueda (rechts) versucht zusammen mit Marcel Heldmann und Peter Schepull den Weltstar zu stoppen. Die Wettinger erkämpften sich im Spiel gegen Napoli ein 0:0, ehe sie auswärts 1:2 verloren.

Alle gegen Maradona: Martin Rueda (rechts) versucht zusammen mit Marcel Heldmann und Peter Schepull den Weltstar zu stoppen. Die Wettinger erkämpften sich im Spiel gegen Napoli ein 0:0, ehe sie auswärts 1:2 verloren.

Archiv/Key

Das «Badener Tagblatt» schrieb von einem Wunder: Im Juni 1989 qualifizierte sich Aufsteiger Wettingen dank einem 1:0-Sieg im letzten Meisterschaftsspiel gegen den neuen Meister Luzern zum ersten (und einzigen) Mal für den Europacup. In der ersten Runde kam es zum Aufeinandertreffen mit dem irischen Vertreter Dundalk. Im Heimspiel in der Altenburg (nur 4700 Fans) siegte Wettingen mit 3:0, und nach dem 2:0-Auswärtssieg reisten die Wettinger Spieler mit einer präsidialen Prämie von 2000 Franken nach Hause – und mit der Hoffnung auf einen attraktiven Gegner in der 2. Runde. Während sich Trainer Udo Klug den VfB Stuttgart wünschte, hoffte Präsident Hubert Stöckli auf den SSC Neapel mit Weltstar Maradona. Und tatsächlich: Zugelost wurde dem kleinen Aargauer Verein der italienische Spitzenklub.

Eine Woche vor dem Duell wurde die Vorfreude auf das Spiel allerdings durch den «Fall Klötzli» getrübt – vier Wettinger gingen in Sion auf den Schiedsrichter los, weil dieser Sekunden vor dem Ausgleich abpfiff. Später wurden die Spieler gesperrt – beim Heimspiel gegen Napoli am 18. Oktober 1989 vor über 20 000 Zuschauern im Zürcher Letzigrund durften sie aber mittun. Wettingen ging als krasser Aussenseiter in die Partie, rang dem Favoriten in ereignisarmen 90 Minuten aber ein 0:0 ab. Der damalige Captain, Libero Martin Rueda: «Die Spiele gegen Napoli werde ich nie vergessen, die Bilder sind noch immer präsent. Im Hinspiel gelang Diego Maradona wenig, weil ihn Jan Svensson auf Schritt und Tritt verfolgte.» Auch Rueda führte einige Zweikämpfe mit dem Weltstar. «Es waren intensive, aber faire Duelle, Maradona machte keine Mätzchen.» Er sei nicht mehr so magisch gewesen wie drei Jahre zuvor, als er mit Argentinien den WM-Titel gewann. «Aber natürlich liessen wir ihn keine Sekunde aus den Augen». Viel Arbeit bescherten den Wettingern auch die anderen Napoli-Stars, darunter der brasilianische Nationalstürmer Careca.

Martin Rueda heute. Wohlen, 29.07.2016. Sport, Fussball, Challenge League 2016/2017. FC Wohlen - Neuchatel Xamax. Martin Rueda, Trainer FC Wohlen. Copyright by: foto-net / Alexander Wagner x

Martin Rueda heute. Wohlen, 29.07.2016. Sport, Fussball, Challenge League 2016/2017. FC Wohlen - Neuchatel Xamax. Martin Rueda, Trainer FC Wohlen. Copyright by: foto-net / Alexander Wagner x

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In bitter-süsser Erinnerung ist das Rückspiel in Neapel. Diesmal herrschte vor der Partie bei den Italienern Unruhe: Maradona lief nicht auf – wegen einer internen Disziplinarstrafe. Brian Bertelsen schoss Wettingen früh in Führung, die 47'334 Fans trauten ihren Augen kaum. Und eigentlich hätten die mutigen Aargauer zwei weitere Tore schiessen müssen: Marcel Heldmann setzte den Ball aus fünf Metern über das Tor, und auch Dan Corneliusson verfehlte das leere Gehäuse.

Kurz nach der Halbzeitpause glich Napoli durch Baroni aus, ehe Schiedsrichter Edgar Azzopardi, ein Croupier aus Malta, einen umstrittenen Elfmeter für das Heimteam pfiff, den Mauro verwandelte. «Signor Azzopardi wird nie einen Wettinger Orden erhalten», schrieb das «Badener Tagblatt» über den Referee, der danach nie mehr ein Uefa-Cup-Spiel pfeifen durfte. Martin Rueda: «Wir machten in beiden Spielen eine sehr gute Falle, hätten gewinnen und uns für die nächste Runde qualifizieren müssen.»

Es habe bei Wettingen damals viel zusammengepasst: «Wir hatten mit Hubert Stöckli einen sehr engagierten Präsidenten, mit Udo Klug einen exzellenten Trainer, und der Teamgeist stimmte.» Mittelfeldspieler Roger Kundert pflichtet ihm bei: «Es war eine phänomenale Zeit. In der Mannschaft gab es keine Eifersüchteleien, wir hielten zusammen.»