Walter Benz (69) war 38 Jahre lang im Dienste der Öffentlichkeit tätig, von 2000 bis 2011 Gemeindeammann in Neuenhof. Der CVP-Politiker prägte den Aufbruch der Limmattalgemeinde und war an vorderster Fron in Neuenhof beim Fusionsprojekt mit Baden.

Herr Benz, nur 44 Prozent der befragten Badener würden eine Fusion mit Neuenhof begrüssen, die Mehrheit nicht. Was sagen Sie?

Walter Benz: Man darf Umfragen nicht überbewerten. So viel vorweg. Viele Badener wissen nicht, was Neuenhof alles zu bieten hat, weil sie sich nicht damit auseinandergesetzt haben.

Sind Sie darüber enttäuscht?

Ich stelle nur fest, dass vom grossen Badener Geist einiges verloren gegangen ist. Früher dachte man in Baden zukunftsgerichtet. Heute ist Kleinbürgerlichkeit eingekehrt. Vielleicht liegt das auch an der hohen Bevölkerungsfluktuation, vielleicht an den fehlenden grossen Persönlichkeiten.

Inzwischen sind mehr als vier Jahre seit dem knappen Badener Nein zur Fusion mit Neuenhof vergangen. Denken Sie heute noch daran?

Manchmal schon. Es war unbestritten meine grösste Enttäuschung in meiner ganzen politischen Tätigkeit. Neuenhof hatte damals mit grosser Deutlichkeit Ja gesagt. In Baden zeigten die Politiker zu wenig Herzblut im Abstimmungskampf. Doch ich habe gelernt, dieses Resultat akzeptieren zu müssen, und das tue ich in der Zwischenzeit schon lange.

Was denken Sie: Würde Neuenhof heute wiederum Ja sagen zu Baden?

Ich bin inzwischen weg vom Geschehen und auch nicht mehr in der Politik aktiv. Soweit ich die Stimmung spüre, meine ich, dass Neuenhof wieder Ja sagen würde. Zweifellos gibt es in der Gemeinde enttäuschte oder verbitterte Menschen, die Nein stimmen würden. Der Nein-Stimmen-Anteil wäre darum sicher einiges grösser als vor vier Jahren.

Wo liegt nach Ihrer Meinung die Zukunft von Neuenhof?

In dieser Hinsicht hat sich meine Meinung nicht geändert. Die Zukunft der Gemeinde liegt in einem Zusammenschluss. Neuenhof muss sich darum weiterhin auf künftige Herausforderungen vorbereiten. So gesehen wird das Thema Zusammenschluss wieder aufs Tapet kommen.

In Baden sieht es gestützt auf die Umfrage eher schlechter aus.

Die verantwortlichen Politiker in Baden dürfen sich jetzt darob nicht etwa ins Bockshorn jagen lassen. Jetzt muss ganz einfach zielgerichtet gearbeitet werden. Vor allem muss man sich in der Badener Politikszene endlich bemühen und zuerst einmal selber zur Ruhe kommen. Das heisst, dass jetzt alle wieder vorwärtsschauen sollten und sich der wichtigen Dinge annehmen.

Was würden Sie denn vorschlagen?

Ich habe schon immer gesagt, dass es von Vorteil wäre, in der Region würde ein Zusammenschluss gleich von mehreren Gemeinden angegangen. Ich persönlich würde vorschlagen, dass man anstreben müsste, mit vier bis fünf Gemeinden einen Zusammenschluss anzugehen.