Das Trio wirkt motiviert, doch Barbara Riecke (Künstlerische Leiterin) hält fest: «Die erneute Verzögerung des Kurtheater-Umbaus drückt auf die Stimmung.» Für Lara Albanesi (Administrative Leiterin) und Katja Stier (Öffentlichkeitsarbeit) geht es bis 2016/17 weiter, doch was kommt danach?

Näher will sich das Team nicht über die unsichere Zukunft des Gastspielhauses äussern, denn jetzt steht eines im Vordergrund: Die Saison 2015/16.

Aufführung mit Untertiteln

Diese ist gespickt mit Überraschungen, von denen primär eine Surprise auffällt – Kategorie X. Barbara Riecke lächelt: «Wir haben sie eingeführt, weil darunter Produktionen fallen, die weder der Sparte Schauspiel, Tanz noch Oper zuzuordnen sind.»

Mit «Love & Happiness», einer Musikperformance von Phil Hayes und Christophe Jaquet zum Spielzeitauftakt, kann das Publikum erstmals erleben, was damit gemeint ist. Vielleicht hat es danach Appetit auf weitere X-Vorstellungen wie etwa eine Spezialversion des «Fliegenden Holländers» oder «An Old Monk», ein Musiktheater. Keine Bange vor der englischen Aufführung, es gibt deutsche Übertitel. Was bei den «normalen» fremdsprachigen Veranstaltungen gang und gäbe ist, war das bisher bei all jenen, die sich besonders auch an Schüler richten, nicht. Das soll ändern.

Advent: Anmeldung nötig

Als «Versuchsballon» wird Marivaux’ «Les acteurs de bonne foi» auf Deutsch übertitelt. Mit dieser Sprachhilfe hofft Barbara Riecke auf einen (noch) grösseren Zulauf junger Zuschauer. Eine weitere Neuigkeit wird das Kurtheater – wehen Herzens – einführen (müssen). Katja Stier erklärt, weshalb: «Mit unserer Reihe ‹Advent im Kurtheater› sind wir 2014 förmlich überrannt worden. Das rote Foyer platzte mit bis zu 170 Besuchern aus allen Nähten. Deswegen werden sich Gäste künftig anmelden müssen, wollen sie eine der halbstündigen Gratis-Aufführungen besuchen.» Was führt der Spielplan noch auf? Viel. Klassiker (etwa Lessings «Miss Sara Sampson», O’Neills «Eines langen Tages Reise in die Nacht» oder Shaffers «Amadeus»), Neues (unter anderem von Dea Loher, Joanna Murray-Smith, Wolfram Lotz, Ofira Henig) sowie eine Romanbearbeitung von Uwe Johnsons «Ingrid Babendererde», bei der Sewan Latchinian Regie führt: in Baden ein durch die Gastspiele mit dem Theater Senftenberg bekannter Gast.

Mittlerweile ist Latchinian Intendant am Volkstheater Rostock, das unlängst durch eine von der Stadt verordnete Spar-Rosskur in die Schlagzeilen rückte. Während die Rostocker Bühne ein Newcomer ist, ist das Theater Biel Solothurn (unter anderem mit Rossinis «Le Comte Ory») eine wahre Säule des Kurtheaters.

Musicals, Tango, Tanz

Weiter finden sich im Programm das Musical-Evergreen «Kiss me Kate» (2016 auch bei den Wettinger Sommerkonzerten), Piazzollas «Maria de Buenos Aires»; Stücke für Familien und Schüler sowie hochkarätiger Tanz: Beispielsweise von der Stuttgarter Company Gauthier Dance, die jüngst mit «Infinity» einen Erfolg einfuhr, dem Nederlands Dans Theater 2 und der Compagnie Hervé Koubi, die in «Was der Tag der Nacht verdankt» zwölf Tänzer aus Algerien und Burkina Faso auftreten lässt. Noch etwas: Die Bilder im Saisonheft stammen von Gerry Amstutz, der vor und hinter den Kulissen fotografiert hat – sehenswert.

Vorschau auf die Spielzeit 2015/16: «Was war – was kommt», 23. Juni, 18 Uhr, Kurtheater Baden. Eintritt frei, Anmeldung unter 056 210 98 70 oder info@kurtheater.ch