An den Bahnhöfen der Region Baden gibt es immer wieder Vandalenakte. Was in der ganzen Schweiz ein Problem ist, scheint im dicht besiedelten Limmattal besonders stark zum Ausdruck zu kommen. Am Bahnhof Wettingen beispielsweise sind seit über acht Monaten die Scheiben eines Wartehäuschens eingeschlagen. Am Bahnhof Neuenhof waren im Frühjahr 2018 mit grosser Gewalt ebenfalls zahlreiche Scheiben eingeschlagen worden, nach einigen Monaten wurden sie von den SBB ersetzt. Nun ist vor rund zwei Wochen dasselbe Wartehäuschen am Bahnhof Neuenhof erneut zur Zielscheibe von Vandalen geworden.

Bund erlaubt Überwachung

Kaputt geschlagene Scheiben sind nicht nur für die Pendler in Wettingen und in Neuenhof ärgerlich, die in der Kälte auf den Zug warten müssen, sondern für alle Kunden der SBB, die mit ihren Billetten und Abos die Instandstellung nach solchen Gewaltausbrüchen mitfinanzieren. Die Frage drängt sich auf, warum die Bahnhöfe bis heute nicht mit Videokameras versehen sind. Denn: Grössere Bahnhöfe der SBB werden seit Jahren videoüberwacht. Und gerade die Zürcher S-Bahn gilt als besonders anfällig für Vandalismus.

Im Dezember 2003 erliess der Bundesrat die «Verordnung über die Videoüberwachung durch die Schweizerischen Bundesbahnen SBB». Seither dürften die SBB theoretisch alle Züge und Bahnhöfe mit Kameras ausrüsten – sofern sie das mit Schildern erkennbar machen und die strengen Datenschutzvorschriften des Bundes einhalten.

Auf die Frage, warum die Bahnhöfe im Limmattal bis heute nicht mit Kameras überwacht werden, gibt man sich bei den SBB bedeckt. «Die Videoüberwachung ist Teil eines gesamtheitlichen Sicherheitskonzepts», schreibt Mediensprecherin Franziska Frey in einer Stellungnahme. Dieses «Gesamtpaket» umfasse weitere Massnahmen wie unter anderem die personelle Präsenz von SBB-Personal, die Patrouille der Transportpolizei oder das SBB-Programm zur Gewaltprävention namens «RailFair». Die SBB betonen nicht zuletzt, dass ihnen Presseberichterstattungen zu Vandalismus Probleme durch Nachahmereffekte bereiten würden.

Kamerastandorte geheim

Zur konkreten Frage, ob an den Bahnhöfen Turgi, Baden, Wettingen, Neuenhof und Killwangen Kameras im Einsatz seien, wollen sich die SBB gar nicht äussern. Nur so viel teilen sie mit: «Die Standorte der Videokameras werden gemäss eines Einsatzkonzeptes und einer Risikoanalyse definiert. Weiter äussern wir uns nicht zur Anzahl oder genauen Standorten der Kameras.» Ein Augenschein zeigt: Während es im Badener Metroshop Kameras gibt, sind die Bahnhöfe Wettingen und Neuenhof – so weit erkennbar – kamerafrei.

Bemerkenswert ist das, weil die Verordnung des Bundesrats nicht zuletzt deshalb erlassen wurde, weil Kameras im Bahnbetrieb Gewalttaten vorbeugen und das Sicherheitsgefühl der Reisenden erhöhen sollten. In den Zügen wird dieses Prinzip umgesetzt: Der Regionalverkehr wird heute in der ganzen Schweiz flächendeckend durch Videokameras überwacht. Auch in den neueren Fernverkehrszügen kommen Kameras zum Einsatz.

An den regionalen Bahnhöfen scheinen die SBB aber bislang keinen Handlungsbedarf zu sehen. Aber würde eine Videoüberwachung nicht dazu beitragen, Vandalenakte aufzuklären und so auch die Kosten für die Allgemeinheit zu senken? Dazu schreibt Mediensprecherin Franziska Frey: «Professionelles, vandalensicheres Gerät kostet sehr schnell eine fünfstellige Summe.» Ausserdem stünden die SBB in engem Kontakt mit den lokalen Polizeikorps. Weiter gehe man nicht auf das Überwachungsdispositiv ein.

Roland Jenni, der Kommandant der Regionalpolizei (Repol) Wettingen-Limmattal, sagt: «Die Bahnhöfe im Limmattal sind fester Bestandteil unserer Einsatzpläne und werden von unseren Patrouillen angefahren.» Gerade jeweils in der zweiten Nachthälfte oder an den Wochenenden sei das wichtig. Kameras seien aber aus Sicht der Repol nicht unbedingt notwendig.

Auf dem Heimweg vom Ausgang

Der Vandalismus an den Bahnhöfen sei für die Repol kein besonders grosses Thema. Oft seien die Täter Leute auf der Durchreise oder auf dem Heimweg vom Ausgang, die dann zum Beispiel Steine schmeissen. Wenn ein Schaden entsteht, würden die SBB bei der Kantonspolizei eine Anzeige wegen Sachbeschädigung machen. Die Regionalpolizei sei auf jeden Fall an einer guten Zusammenarbeit mit den SBB interessiert. Der Austausch funktioniere gut, auch wenn er nicht besonders intensiv sei.

Ein viel grösseres Problem sei für die Repol der Vandalismus und insbesondere Littering auf Schulhausplätzen, Friedhöfen oder in Parks. Die Repol führt aber dennoch an den Bahnhöfen regelmässig Kontrollen durch – nicht zuletzt wegen den Personen, die sich dort aufhalten. Und gerade für die Prävention seien Patrouillen hilfreich, sagt Jenni.