Wahlen

Trotz Zugpferden: SP ist die grösste Verliererin im Bezirk Baden

Im Bezirk Baden war die SP bei den Nationalratswahlen grösste Verliererin: Sie verlor mehr als 2 Prozent Wähleranteile, musste Einbussen in 24 von 26 Gemeinden hinnehmen. Wahlbeobachter und SP-Politiker sprechen über die Gründe der SP-Niederlage.

Für die SP in der Region Baden war es ein enttäuschendes Wochenende. Der Sitz im Badener Stadtrat ging verloren, und bei den Nationalratswahlen musste die Partei im Bezirk grosse Verluste hinnehmen. Während kantonsweit die CVP grösste Verliererin war (–2 Prozent Stimmenanteil gegenüber 2011), mussten im Bezirk Baden die Sozialdemokraten die stärksten Einbussen hinnehmen. Von 19,08 Prozent auf 16,85 Prozent sank ihr Wähleranteil (–2,23 Prozent). Zum Vergleich: Kantonsweit sank der Wert nur um 1,9 Prozent, im zweitgrössten Bezirk Aarau gar nur um 0,71 Prozent. Nur in zwei von 26 Gemeinden des Bezirks Baden konnte die SP zulegen (siehe Tabelle). Ob im städtischen Baden oder ländlichen Freienwil – überall haben die Genossen Stimmenanteile verloren.

Steckt die SP im Bezirk Baden in der Krise? «Nein», sagt der wiedegewählte Nationalrat und Kantonalpräsident Cédric Wermuth, bis vor kurzem wohnhaft in Baden und neu in Zofingen. «In den Einwohnerräten Baden, Obersiggenthal und Wettingen sind wir sehr stark vertreten, ebenso in den Gemeinderäten. Unsere Partei ist im Bezirk also gut aufgestellt.» Über die Höhe der Wähleranteil-Verluste sei er aber erstaunt, sagt Wermuth. «Es war zu erwarten, dass mein Wegzug sowie die Ständeratskandidatur von Pascale Bruderer, die nicht mehr auf der Nationalratsliste stand, zu Verlusten führen würden. Aber dass sie so stark ausgefallen sind, ist enttäuschend.»

Auch die wiedergewählte Wettinger SP-Nationalrätin Yvonne Feri erwähnt den «Bruderer-Effekt». «Pascale Bruderer ist ein Phänomen, hat bei den Nationalratswahlen 2011 unglaublich viele Stimmen geholt auch ausserhalb unserer Partei.» Zwar habe sie selber nun auch ein sehr erfreuliches Resultat im Bezirk erzielt, sagt Feri, und damit einen Teil des Effekts wettmachen können – aber eben nur einen Teil. Die starken Verluste einzig auf den Bruderer-Effekt zurückzuführen, wäre zu einfach, glaubt Feri. «Wir müssen uns hinterfragen und den Dialog mit der Bevölkerung stärken. Ich habe das Gefühl, die Leute verstehen manchmal nicht, was wir wollen. Wir müssen die Message besser rüberbringen.»

Christian Denzler aus Untersiggenthal, Vorstandsmitglied der SP Bezirk Baden und deren Mediensprecher, stimmt Wermuth und Feri zu und ergänzt: «In Krisenzeiten wurde schon immer tendenziell eher rechts gewählt. Klassische sozialdemokratische Themen wie Solidarität und Gerechtigkeit finden da weniger Anklang.»

Für Politbeobachter Hans-Peter Widmer reichen diese Erklärungen für das «überraschend schwache Abschneiden der SP» nicht ganz aus. «Die Partei hat es im Bezirk Baden nicht geschafft, die eigenen sowie die ihr nahestehenden Wähler im erwarteten Ausmass zu mobilisieren. Das ist erstaunlich, stammen doch Bruderer und Feri von hier.»

Bruderer habe zwar die Wiederwahl in den Ständerat glänzend geschafft, dies aber vor allem dank Stimmen von dritter Seite. «Doch bei den Nationalratswahlen erwirkte sie keinen zusätzlichen Mobilisierungseffekt für ihre Partei.» Widmer vermutet zudem: «Die SP-Politik stösst möglicherweise in der Region Baden, in der viele Menschen ihre Auskommen in der Energiebranche verdienen, auf mehr Skepsis, als der Partei lieb ist. Dass sie den Atomausstieg vorantreiben will, wird nicht von allen SP-Wählern goutiert.»

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