Baden
Trudel erhält seine eigene Ausstellung

Im neuen Pavillon auf dem Falkenareal in Baden kommt dem Werk des Badener Künstlers Hans Trudel die gebührende Ehre zu.

Roman Huber
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Pavillon für Hans Trudel

Pavillon für Hans Trudel

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Immer wieder begegnet einem auf dem Stadtgebiet der aus Zürich stammende Badener Künstler Hans Trudel (1881–1958). Seine Werke gehören zum Stadtbild, obschon er wegen der Nacktheit seiner Figuren zu Lebzeiten mit der mehrheitlich prüden Bevölkerung auf Konfrontation stand. Bei seinem kraftvollen Löwen auf dem gleichnamigen Brunnen und Platz war das zwar kein Thema, wenn auch dieser demonstrativ den Stadtturm anknurrt und das Hinterteil gegen die Stadtkirche richtet.

Doch der Flieger auf dem Bahnhofplatz, der zuvor den Theaterplatz schmückte, sorgte mit seiner Männlichkeit für heftige Diskussionen, sodass diese mit einem Feigenblatt abgedeckt werden musste.

Schoop und das Kunsterbe

Hans Trudel hatte aber auch seine Unterstützer. Zu ihnen gehörte unter anderem Traugott Schoop, der ihm etwa den Guss einer Figur finanzierte oder sonst wie unter die Arme griff. Nun ist es dessen Sohn, der bekannte Unternehmer Christoph Schoop, der als Kunstsammler und Investor zur tragenden Figur dafür wird, dass Trudels Geschichte und Werke für die Öffentlichkeit zugänglich werden.

Der Flieger steht splitternackt auf dem Sockel hoch über dem unteren Bahnhofplatz. Hans Trudel, Badener Künstler (1881-1958) erhält eine Dauerausstellung.

Der Flieger steht splitternackt auf dem Sockel hoch über dem unteren Bahnhofplatz. Hans Trudel, Badener Künstler (1881-1958) erhält eine Dauerausstellung.

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«Ich finde, dass das Lebenswerk dieses Badener Künstlers längst einen gebührenden Platz in der Stadt verdient», sagt Christoph Schoop (58). Er selber hat nebst vielen Werken Trudels dessen Nachlass mit Hunderten von Briefen und Skizzen der Nachwelt gesichert. «Wir sind auch an verschollenen oder sonstigen Erinnerungen Trudels interessiert», appelliert Schoop an die Öffentlichkeit.

Täglich spazieren die Menschen an Trudels Löwen vorbei.

Täglich spazieren die Menschen an Trudels Löwen vorbei.

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Somit soll Hans Trudel dieselbe Ehre erwiesen werden, wie sie dem Wettinger Künstler Eduard Spörri (1901–1995) in einem eigens dazu geschaffenen Museum vor einigen Jahren in seiner Gemeinde zuteilwurde. Auf dem Falkenareal, rückwärtig zum ansteigenden Mansbergweg, soll das Gebäude Mellingerstrasse 2, bis vor kurzem Standort einer Kinderkrippe (Artikel unten), um einen Ausstellungsraum aufgestockt werden.

In einer Dauerausstellung sollen dort Trudels Kunstwerke ausgestellt sowie sein Lebenswerk illustriert werden. Die Investition des Bauvorhabens wird im Baugesuch mit 650 000 Franken beziffert. Als Bauherrschaft tritt Christoph Schoops Diebold AG auf, die gleichzeitig Grundeigentümerin ist.

Die vier in Bronze gegossenen Figuren des Kinderreigens stehen bei der Hochbrücke.

Die vier in Bronze gegossenen Figuren des Kinderreigens stehen bei der Hochbrücke.

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Das Projekt verfasste die Andreas Zehnder Architekten SIA AG. Das Areal liegt im Gewerbegebiet, gemäss Sondernutzungsplan ist auf dem bestehenden Gebäude eine Aufstockung möglich. Schoop rechnet damit, dass die Baubewilligung in wenigen Monaten vorliegen werde. Der Baubeginn ist bereits auf Frühsommer 2018 geplant.

Stiftung reaktiviert sich

Schoop selber ist Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Hans-Trudel-Haus, die im Jahr 2012 die Liegenschaft an der Oberen Halde 36 samt Restaurant und Galerie an die Genossenschaft Trudelhaus verkaufte. Die Stiftung selber gedachte bis vor kurzem, sich aufzulösen. «Der Erlös aus dem Kunstverkauf wäre einer dem Stiftungszweck entsprechenden Sache zugeflossen», erklärt Heinz Wetter, Stiftungsratspräsident. Sein Vorgänger Rolf Meier hatte in aufwendiger Arbeit den gesamten Besitz der Stiftung inventarisiert.

«Tränenbrünneli» an der Promenade mit den weinenden Kindern.

«Tränenbrünneli» an der Promenade mit den weinenden Kindern.

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Während die Diebold AG beziehungsweise ihr Eigentümer die Investition für den Kunstpavillon Trudel trägt, wird die Stiftung nun frisch aktiviert und ihren Zweck neu ausrichten, weil sie die Verantwortung für den Ausstellungsbetrieb übernehmen soll. Laut Wetter sind neben Trudels Lebenswerk regelmässige Ausstellungen oder auch Veranstaltungen nicht darstellender Künste vorgesehen.

Der Kunstpavillon wird als Stahlkonstruktion erstellt und auch innen so in Erscheinung treten. Das Gebäude soll dennoch als auffälliger Solitärbau erscheinen, der mit Stahlbändern, wie bei einem Korb geflochten, ein eigenständiges Gewand darstellen. Der Eingangsbereich wird von zwei Tageslichtelementen erhellt, der Ausstellungsraum über ein grosses, zentrales Dachoberlicht, zum Schulhausplatz ist eine grosse Fensterfront geplant. Das leicht geneigte Flachdach wird mit seiner Begrünung zur fünften Fassade.