Kunst
Trudels Geist scheint aus dem alten Gemäuer zu raunen

Die dritte Ausstellung in der Galerie Trudelhaus Baden unter der neuen Leitung thematisiert das Haus selber. «Kunst sieht Architektur» – hinterfragt und variiert sie lustvoll.

Sabine Altorfer
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Ausstellung Trudelhaus Baden Barbara Bugg
6 Bilder
Ausstellung im Trudelhaus: «Kunst sieht Architektur»
Bodenarbeit von Rosmarie Vogt
Bodenarbeit von Rosmarie Vogt
Ausstellung Trudelhaus Baden
Installation von Gianin Conrad

Ausstellung Trudelhaus Baden Barbara Bugg

Sabine Altorfer

Schwierige Räume müssen Ausstellungsmacherinnen erst lieben lernen – sonst wird jedes Projekt zum Kampf. Zum Kampf mit schiefen Wänden, unruhigen Ecken, Stützen, limitierendem Licht oder auffälligen Böden. Statt sich nur hinter den Kulissen mit diesem Annäherungsprozess zu beschäftigen, hat das Kuratorinnen-Team der visarte Aargau im Trudelhaus Baden dies zum Ausstellungs-Thema gemacht. Ko-Kuratorin Andrina Jörg präzisiert: «Wir wollten verschiedene Sichten und haben deshalb Kunstschaffende mit unterschiedlichen Erfahrungen eingeladen.»

Welche Form hat das Haus? Viereckig, würde wohl jeder sagen. Doch die Baslerin Barbara Bugg merkte: Das stimmt nicht. Es ist aus dem Winkel, der Grundriss ist ein schiefes Trapez. «Den Namen des Trudelhauses hat sie inhaltlich interpretiert: trudeln als schwanken, unsicher sein», erklärt Ko-Kuratorin Cornelia Ackermann. Form und inhaltliche Bedeutung des Hauses haben Bugg angeregt. Leichte Metallrahmen – die zudem an leere Bilderrahmen erinnern – schweben im obersten Stock. Sie bewegen sich, verändern in der verzerrten Perspektive weiter ihre Form – und korrespondieren mit gelben auf die Wand gemalten Trapezen. Auch dieses Gelb erinnert einen doch – richtig! – an die Farbe der Hausfassade. Das Trapez hat Bugg zusätzlich als optisch hübsche dreidimensionale Wandzeichnung mit Bleistift und Fäden interpretiert. Rätselhaft erscheint ihre Bodenarbeit: Auf eine Trapezfläche hat sie Häufchen aus Sägemehl geschichtet. Ein Blick an die Decke – aha, die alten Holzbalken. Vermutet sie dort Holzkäfer, die am Haus nagen und es langsam ins Trudeln bringen?

Säulen, Wände, Mauern

Der auffälligste Galerie-Raum ist das Untergeschoss. Es ist getreppt wie eine Arena, der Boden ist gekachelt wie ein Bad und mit einer freigestellten Wand abgeteilt. Der in Basel lebende Bündner Gianin Conrad stellt den Besuchern eine weitere Wand in den Weg. Doch sie lässt sich schwenken wie eine Türe.

Die Aargauer Künstlerin Rosmarie Vogt kennt die Galerie gut und weiss um die vielen architektonischen Eigenheiten, wie die Vierfach-Säulen, Wandsockel, Lücken, Geländer. Mit Pappmaché hat sie diese Elemente abgezogen, da und dort eine üppig barocke Form dazu erfunden. Die einheitlich grau gefärbten architektonischen Module gruppiert sie im mittleren Stock zu einer fragilen Bodenarbeit.

Viele architektonischen Eigenheiten wurden erst beim Umbau des Hauses in den 1960er-Jahren hinzugefügt. Vorher war es Wohnhaus und Atelier des Künstlers Hans Trudel (1881–1958). An diese Geschichte erinnert île flottante (Nica Giuliani, Andrea Gsell,Lilian Beidler). Ihre Klanginstallation basiert auf Texten aus Trudels Tagebüchern, seinem Strudeln zwischen künstlerischem Anspruch und bürgerlicher Existenz. Sichtbar wird Trudels Geist nicht, er scheint direkt aus dem alten Gemäuer zu brummeln und zu raunen.

Baden Trudelhaus, bis 19. Januar. Vernissage: Do, 22. November, 18.30 Uhr.

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