WEF 2018
Trump war am WEF – und die Schüler der Kanti Baden mittendrin

Während andere in ihrem Alter gegen das WEF demonstrieren, sind sie live in Davos dabei: Beim Besuch der Kanti Baden am Weltwirtschaftsforum durften sich fünf Schüler mit der Welt-Elite treffen.

Fabienne Tanoa
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Trump am WEF – und die Kanti-Schüler mittendrin
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Beim 10. Mal hat es geklappt: 5 Schülern und fünf Lehrern wurde Zutritt ins Kongresszentrums des WEF gewährt.
Rausgeputzt und aufgestylt für den grossen Tag
Sie Herr Berset, ich habe eine Frage. Gespannt schauen die Mitschüler zu, wie Thomas Meier (19) von der Kanti Baden dem Bundespräsidenten Alain Berset seine Frage zum Thema "Fake News" stellt.
Thomas Meier (im roten T-Shirt) hört gespannt zu, wie Alain Berset seine Frage beantwortet.
Podiumsdiskussion zum Thema "Demokratie im postfaktischen Zeitalter". Von links: Der Schweizer Bundespräsident Alain Berset, der Südafrikanische Unternehmer Iqbal Survé, die Podiums-Moderatorin Patrizia Laeri, Pia Mancini von der Democracy Earth Foundation, Muhamad Iman Usman, Gründer einer Plattform für private Vorlesungen in Indonesien und der renommierte US-Journalist Mike Allan.
Der Ansturm auf die Podiumsdiskussion mit Al Gore war riesig - die Kanti Baden Schüler waren mit dabei. Der Ansturm auf die Podiumsdiskussion mit Al Gore war riesig - die Kanti Baden Schüler waren mit dabei.
Ex US Vize-Präsident Al Gore war beim Publikum begehrt Der Ansturm auf die Podiumsdiskussion mit Al Gore war riesig - die Kanti Baden Schüler waren mit dabei.

Trump am WEF – und die Kanti-Schüler mittendrin

Fabienne Tanoa

Am Strassenrand stehen zwei Polizisten mit grossen Gewehren in der Hand und beobachten aufmerksam die schwarzen Limousinen, die im Minutentakt die schneebedeckte Strasse rauf- und runterfahren. Weitere Polizisten warten beim Sicherheitscheck, bei dem die Taschen durchsucht und der Körper abgetastet wird. Die Schüler der Kantonsschule Baden schenken dem ganzen Prozedere keine grosse Beachtung – sie haben sich bereits an den Trubel des Weltwirtschaftsforums gewöhnt.

Lieber diskutieren sie über das anstehende Podium zum Thema «Demokratie im postfaktischen Zeitalter», bei dem auch Bundespräsident Alain Berset teilnehmen wird. Besonders aufregend: Im Unterricht haben sich die Schüler in das Thema eingearbeitet und dürfen im Anschluss an die Diskussion Fragen stellen.

Insgesamt fast 90 Schüler und Lehrer der Badener Kantonsschule nehmen dieses Jahr am WEF teil. Während zweier Tage besuchen sie diverse öffentlich zugängliche Podien und Vorträge.

Der Saal ist bis in die hintersten Reihen vollgepackt und zig Hände schiessen in die Höhe, als es in die Fragerunde geht. Vom hochkarätig besetzten Podium lassen sich die Badener Schüler nicht einschüchtern. Auch der 19-jährige Thomas Meier versucht es und beim dritten Mal Handheben darf er schliesslich seine Frage stellen.

«Besteht auch in der Schweiz die Gefahr, dass unsere Wahlen manipuliert werden?», will er von Alain Berset wissen. Der Bundespräsident antwortet ihm auf Augenhöhe und als später der südafrikanische Investor Iqbal Survé die Frage des Schülers nochmals aufgreift, ist Meier der Stolz ins Gesicht geschrieben.

Beim zehnten Anlauf klappt es

Dem Bundespräsidenten eine Frage zu stellen, das sei schon beeindruckend, sagt Meier später. Allgemein sei das eine einzigartige Erfahrung, für die er dankbar sei. «Wir schätzen es alle, dass die Lehrer diesen Aufwand betreiben, damit wir ans WEF gehen können.» Einer dieser Lehrer, dem dieser Dank gilt, ist Michael Stutz. Er setzt sich jedes Jahr für die Exkursion ein. Dieses Mal ist ihm überraschend ein Coup gelungen: Fünf der Schüler dürfen ins Kongresszentrum, wo sich die Welt-Elite trifft und der Apéro von einem arabischen Scheich gesponsert wird.

Neun Jahre lang hat sich die Kanti Baden dafür beworben, erst jetzt, im zehnten Jahr, hat es endlich geklappt. «Das ist eine fantastische Chance und eine grosse Ehre», sagt Stutz. Besonders freuen kann er sich, weil er zu den fünf Lehrern gehört, die die Schüler auf ihrem Ausflug auf das internationale Wirtschafts-Parkett begleiten.

Nach Al Gore wartet Donald Trump

Nach der Podiumsdiskussion geht es für die fünf auserwählten Schüler und Lehrer zum Registrationsbüro, wo sie ihre persönlichen WEF-Pässe abholen. Einmal in der Hand, sind es nicht nur die Schüler, die sich stolz den Pass um den Hals legen und voller Begeisterung Fotos von sich machen – auch die Lehrer strahlen.

Vor dem grossen Tag geht es aber nochmals zurück in das «Open Forum». Dort verfolgen die Schüler einen Vortrag des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore zum Thema Klimawandel mit anschliessender Diskussion mit weiteren Experten wie der Chefin des UNO-Klimasekretariats, Christina Figueres. Dann geht es spätabends für die meisten zurück nach Baden. Nur die fünf Schüler und Lehrer bleiben noch eine Nacht und durften am nächsten Tag Eindrückliches erleben (siehe unten).

Ella Novak «Ich habe im Kongresszentrum mit zwei super interessanten Personen gesprochen. Die Rede von Trump war wie eine Werbung für die USA, aber er ist wirklich ein guter Redner.»
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Michael Stutz «Ich konnte an einem tollen Workshop zum Thema erneuerbarer Energien teilnehmen. Die Trump-Rede hat mich weniger beeindruckt. Es ging nur um die USA und passte nicht ans WEF.»
Valérie Hug «Das Open Forum mit Al Gore über den Klimawandel war unglaublich spannend. Ich habe in den letzten Tagen gelernt, dass man nie zu jung oder zu alt ist, um eine Idee umzusetzen.»
Renier van Breda «Am WEF habe ich gelernt, dass es nicht viel braucht, um Veränderungen zu bewirken. Das beste Erlebnis war das Networking – alle waren beeindruckt, Kanti-Schüler anzutreffen.»
Christoph Lanter «Am WEF ist es wichtig, seinen Standpunkt fair diskutieren zu können. Beeindruckt haben mich die Begegnungen im Kongresszentrum, wo ich mit einigen Verwaltungsräten sprach.»

Ella Novak «Ich habe im Kongresszentrum mit zwei super interessanten Personen gesprochen. Die Rede von Trump war wie eine Werbung für die USA, aber er ist wirklich ein guter Redner.»

Fabienne Tanoa

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