BT-Kolumne

Tschau, tschau Schneidi ...!

Das Badener Stadthaus.

Das Badener Stadthaus.

In seiner aktuellen Kolumne schreibt Daniel Cortellini über eine Liegenschaft «zmitzt in der Stadt» und über den Fakt, dass er den Stadtammann nie sieht

Es gibt Meldungen in der Zeitung, da hüpft einem das Herz! Zum Beispiel, als ich kürzlich las, dass die gesamte Stadtverwaltung in ein paar Jahren in ein Hochhaus am Schadenmühleplatz ziehen möchte. Weil, da fiel mir doch als Erstes grad ein, dass das Hüüsli hinter der Kirche somit endlich frei werden dürfte – ich plange schon seit Jahren darauf! Es ist für mich und meine Frau wie geschaffen! Nicht zu gross, zmitzt in der Stadt, schöne Aussicht!

Aber schon vor Jahren musste ich hilflos zuschauen, wie geschätzte 10 IT-Menschen jeweils vor dem besagten Haus am Töberlen* waren, was mich auf die unmenschlichen Verhältnisse innerhalb des Gebäudes schliessen liess! Denn wenn gemäss Statistik jeder dritte raucht, wären ja in diesem Schnupftruckli über 30 Informatiker eingepfercht gewesen! Was für eine Schande für Baden! 

Danach folgte eine Kindertagesstätte in säbigem Haus – auch dies tat mir weh, weil die Kinder erstens die wunderbare Lage nicht zu schätzen wussten und gleichzeitig doch hilflos dem ganzen Altstadtlärm ausgesetzt waren! Hätte es damals USB-Nuggi mit Verdampfer gegeben, wären wohl Kinderscharen draussen am Töberlen gewesen! Die Stadt hats bemerkt und seit neuestem die Personaldienste in diesem wunderschönen Häuschen untergebracht. Wieder kein idealer Entscheid, denn bei den Personaldiensten gehts ja hauptsächlich um heikle Prozesse: Wer will schon seinen Chef verpfeifen, wenn dich alle ein und aus gehen sehen …? Oder nach einer fröhlichen Nacht die Kinderzulagen für die Sekretärin vorsorglich anmelden …? Ich meine, das sind doch heikle Prozesse, die man am liebsten im Anonymen einleitet! Dafür wäre das Gstühl-Center viel besser – oder ein anderer Ort, wo man sich nicht trifft! Aber jetzt haben die Personaldienste ja das schönste Büro und vermutlich fast nichts zu tun ... Nun, geniesst es noch ein bisschen, denn bald ist’s vorbei: Die Stadtverwaltung zieht 2025 in globo aus in ein neues Bürogebäude am Schadenmühleplatz! Und ich bewerbe mich hiermit feierlich um die Nachmieterschaft dieser Perle! Sooo lässig!

Doch plötzlich durchzuckt es mich... daran, dass ich den Schneidi nie sehe, habe ich mich schon längst gewöhnt! Vielleicht eilt er ja grad von Kommission zu Kommission oder er vertätscht sein Stadtammanngehalt auf Hawaii – ich weiss es nicht (Falls Hawaii: bliib nochli, i chume au glii!). Wenn ich jedoch alle anderen städtischen Angestellten auch nicht mehr in der Altstadt sehen würde – da würd mir was fehlen! Denn diese rund 300 Personen beleben nicht nur die Innenstadt, sie nehmen sie auch wahr – und definieren sich im Alltag bewusst oder unbewusst sehr stark mit Baden! Ohne diese Menschen fehlt tagsüber ein wichtiger Impuls in den Gassen – und der Impuls fehlt Ihnen! Was rundherum eine Wertverminderung für Baden wäre.

Mein persönliches Fazit: Der Auszug ist keine gute Idee. «Baden» muss irgendwie zmitzt im Zentrum bleiben ... Bis auf die Personaldienste natürlich! Denen richten wir baldmöglichst ein wunderbares Büro am Schadenmühleplatz ein ...!

*(Vazerdeutsch für Rauchen)

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