Baden

Türkischer Premier im Trafo: Draussen Demo, drinnen Party

Der Auftritt des türkischen Premierministers Ahmet Davutoglu in der Trafohalle zog Sympathisanten wie auch Regierungsgegner an.

Besuche von ranghohen Staatspersonen sind in der Geschichte Badens eigentlich keine Seltenheit – man denke nur an den «Frieden von Baden», der letztes Jahr gross gefeiert wurde. Beim gestrigen Besuch des türkischen Premierministers Ahmet Davutoglu herrschte in der Bäderstadt aber dennoch der Ausnahezustand. Bereits am Nachmittag stand die Polizei mit einem Grossaufgebot rund um das Trafo, wo Davutoglu am Abend seine Rede hielt.

In einem Fahrzeug des Autokorsos sitzt - vermutlich- der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu.

In einem Fahrzeug des Autokorsos sitzt - vermutlich- der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu.

Die vielen zum Teil mit Maschinengewehren bewaffneten Polizisten sorgten bei einigen Passanten für Verwunderung. Über die speziellen Vorkehrungen für den Anlass wollte die Polizei vor Ort keine Auskunft geben. Eine Polizistin sagte aber, die Sicherheitsvorschriften seien nach dem Charlie-Hebdo-Attentat in Paris auch in der Schweiz verschärft worden.

Wirklich eingreifen musste die Polizei nicht, ihre Präsenz aber sorgte dafür, dass eine Demonstration von türkischen Regierungsgegnern nicht vom Bahnhof in Richtung Trafo marschieren konnte. Rund 150 Personen hatten sich auf der Ostseite des Bahnhofs versammelt.

Demonstration vor dem Trafo Baden.

Demonstration vor dem Trafo Baden.

Mit Rufen wie «wir wollen Gerechtigkeit» forderten sie von der türkischen Regierung die Anerkennung des Völkermords an den Assyrern und Aramäern. Unter den Demonstranten war auch ein junger Mann aus Gebenstorf. «Wir protestieren gegen die Unterdrückungspolitik der Regierung gegen die verschiedenen Völker in der Türkei», sagte er.

Interview mit Musa Konutgan (34), Gebenstorf.

Interview mit Musa Konutgan (34), Gebenstorf.

Neben Assyrern und Aramäern seien auch linke Kurden und Türken an der Demo beteiligt gewesen. Die Kundgebung blieb friedlich, auch wenn die Polizei die Bahnhofstrasse sowie alle Ausgänge des Bahnhofs versperrte.

Zuhörer von weit her herangereist

Im Trafo drin war die Welt hingegen eine andere. Schon beim Betreten der Trafohalle wurde jedem Gast eine türkische Flagge überreicht. Während die Zuschauer auf die Ankunft des türkischen Premiers aus Davos warteten, lief im Hintergrund heitere Musik, zu der einige ihre Flaggen schwenkten – neben der türkischen auch solche der «AK Parti», die Partei von Ahmed Davutoglu. Zu sehen waren auch die Flaggen des Kosovo oder Mazedoniens.

Einige Zuschauer waren aus Deutschland angereist, so etwa eine Familie aus Stuttgart. «Wie waren schon bei seiner Rede in Köln und in Berlin», sagte ein junger Mann, der eine blaue Flagge der «AK Parti» in der Hand hielt. «Dank dem wirtschaftlichen Aufschwung in der Türkei werden wir Türken im Ausland heute mehr respektiert als früher», sagte er. «Wir sind stolz darauf, einen solchen Premier zu haben.» Die Veranstalter gehen von weit über 2500 Personen aus, die im Trafo der Rede des Premierministers zugehört haben. «Viele aus Deutschland oder dem Elsass, aber sicher 80 Prozent aus der Schweiz», sagten die Medienverantwortlichen. Gemäss ihnen habe Davutoglu in seiner ganz in türkisch gehaltenen Ansprache davon berichtet, wie seine Regierung in einer von Kriegen geplagten Region den Frieden aufrecht zu erhalten versuche.

Die Veranstalter gaben sich sehr zufrieden mit dem Anlass. «Wir sind auch sehr dankbar für die Arbeit der Polizei.» Auf die Frage, wer die Kosten für den Grosseinsatz der Kantonspolizei übernehmen wird, wollten weder Veranstalter noch Pressesprecher Stellung nehmen. Auch zur Demo am Bahnhof nicht. Als ein Demonstrant versuchte, über die Absperrung im Trafo ein regierungskritisches Plakat in Richtung des Eingangs der Trafohalle zu halten, wurde dieses umgehend von den türkischen Sicherheitskräften im Trafo heruntergeholt. Journalisten, die das Geschehen fotografiert hatten, wurden sofort heftigst dazu aufgefordert, die Fotos zu löschen. Ähnlich stürmisch hiess es beim Eingang, man dürfe keine Video- oder Tonaufnahmen machen, sondern solle diese von der offiziellen Webseite herunterladen. «Sonst droht Ihnen eine Strafanzeige», wurden Journalisten bei der Akkreditierung ermahnt.

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