Turgi
Turgi: Die reformierte Kirche soll im Dorf bleiben

Die Kirchenpflege will das Gotteshaus abreissen und neu bauen – jetzt regt sich Widerstand. Das Gebäude sei als Gegenüber der katholischen Kirche ein wichtiges Element im Ortsbild, meint der Architekt Arthur Dietiker.

Pirmin Kramer
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Glockentrum in Turgi.P. Schoch

Glockentrum in Turgi.P. Schoch

Eigentlich hätte der zukunftsweisende Entscheid bereits im November des vergangenen Jahres fallen sollen: Die reformierte Kirchenpflege Birmenstorf-Gebenstorf-Turgi wollte über den Vorschlag abstimmen lassen, ob die renovationsbedürftige Kirche in Turgi abgerissen und neu gebaut werden soll.

Doch noch vor der Versammlung wurde das Traktandum zurückgezogen, weil an einer Orientierungsversammlung der Wunsch aufgekommen war, alternative Konzepte weiterzuverfolgen.

Die reformierte Kirche Turgi

Turgi und Gebenstorf trennten sich 1884 politisch; eine reformierte Kirche stand aber nur in Gebenstorf. Am 8. März 1936 wurde der reformierte kirchliche Gemeindeverein Turgi mit dem Ziel gegründet, ein kirchliches Gemeindehaus zu schaffen, wie es auf der Website der reformierten Kirchgemeinde Birmenstorf-Gebenstorf-Turgi heisst. Am gleichen Tag schenkten die Turgemer Fabrikanten Hans Landolt und Gustav Bebié den Reformierten ein Landstück von 21 Aren als Kirchenbauplatz. In den Jahren danach wurde unter anderem mit Basaren das Geld gesammelt, das den Bau der Kirche im Jahre 1960 ermöglichte. (PKR)

«Wichtiges Element im Ortsbild»

Am kommenden Dienstag kommen an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung nun zwei Vorschläge zur Abstimmung. Der Architekt Arthur Dietiker will den Abriss verhindern; er plädiert für die Renovation und eine Mantelnutzung.

Sein Antrag sieht vor, von der bestehenden Kirche den Hauptkirchenraum und den Glockenturm zu erhalten. Alterswohnungen sollen östlich und südlich in einem neuen Anbau untergebracht werden.

«Auch wenn bei diesem Projekt grosse Teile des Programms als Neubauten erstellt werden, bleibt der Ausdruck der schützenswerten Kirche erhalten», heisst es in seinem Antrag.

Das Gebäude sei als Gegenüber der katholischen Kirche ein wichtiges Element im Ortsbild. Turgi habe 2002 den Wakker-Preis erhalten, weil historische Bauten nicht nur geschützt und erhalten, sondern auch mit zeitgemässer Architektur weiterentwickelt und ergänzt worden seien.

Eine neue Kirche

«Diese Tradition kann und soll auch mit einer innovativen und gleichzeitig sorgfältigen Erneuerung der reformierten Kirche weitergeführt werden», heisst es in Dietikers Antrag.

Die Kirchenpflege will die Kirche sowie das angrenzende Pfarrhaus nach wie vor abreissen lassen; gebaut werden sollen eine neue Kirche sowie eine angemessene Anzahl altersgerechter Wohnungen.

Das sei ökonomisch und ökologisch die sinnvollste Variante. Wird Dietikers Antrag zugestimmt, würde seine Idee zu einem Bauprojekt mit Kostenvoranschlag weiterentwickelt; an einer weiteren Versammlung würde über den Baukredit abgestimmt.

Wird der Antrag der Kirchenpflege angenommen, wird als nächster Schritt ein Architekturwettbewerb durchgeführt.