Turgi
Drama am Familientisch: Das Kinder- und Jugendtheater Turgi rückt Streit, Respekt und Versöhnung in den Mittelpunkt

Nach langer Coronapause tritt das Kinder- und Jugendtheater Turgi am 13. November erstmals wieder vor Publikum auf. In vier Akten zeigen die Schauspielenden das Stück «Robin und die Spielzeugtruhe».

Nicolas Mennel
Drucken
Teilen
Am 13. November steigt die Premiere: Das Kinder- und Jugendtheater studiert die letzten Finessen ein.

Am 13. November steigt die Premiere: Das Kinder- und Jugendtheater studiert die letzten Finessen ein.

Bild: zvg

Sonntag, Mehrzweckhalle Turgi, 10 Uhr. Eine Schar bunt verkleideter und geschminkter Menschen hat zusammengefunden. Statt einem amerikanischen Brauchtum nachzueifern und nach «Süssem oder Saurem» zu fragen, gibt die Gruppe andere Laute von sich: «Schi Scha Schu – Jim und Jack und Johnny fallen!» Damit werden die Stimmbänder für den anstehenden Probedurchlauf von «Robin in der Spielzeugtruhe» aufgewärmt. Die letzten müden Gesichter entschwinden.

Wenn die Theatergruppe eines ist, dann äusserst bunt und divers. «In dieser Gruppe sind alle willkommen, die Theater spielen möchten – unabhängig von Alter, Erfahrung oder Talent», sagt Rebekka Renggli, die seit 20 Jahren die Fäden zieht. Zwischen der jüngsten Anwesenden und dem ältesten Schauspieler liegen satte zwölf Jahre.

Auf der einen Seite die siebenjährige Annina, die in die Rolle des kleinen Drachens schlüpft und auf der Bühne am liebsten singt. Auf der anderen Seite Moritz Spuhler aus Würenlingen. Er ist 19. Auf seine Alter angesprochen, sagt der Malerlehrling: «Mit meiner Erfahrung nehme ich eine Vorbildrolle ein. Diese kommt auch im Stück zum Tragen.» Auf der Bühne führt Moritz eine fünfköpfige Gruppe von Soldaten an. Annina und Moritz – verschiedener könnten ihre Lebenswelten nicht sein. Und doch betreten sie dieselbe Bühne.

Robin taucht in die Spielzeugtruhe ab

Die Zeit zum Proben ist gekommen. Beatrice Betschart, für die Technik verantwortlich, flutet die rechte Bühnenhälfte mit Licht. Nach einer gemeinsamen Wanderung lassen sieben Menschen und ihr Hund Fridolin den Tag im Wohnzimmer ausklingen. Kaum zu Tisch, offenbart sich im Reigen des Flutlichts die Schattenseite des Familienlebens.

Robin hat den Eindruck, einen Hauch weniger Tortellini in seinem Teller zu haben. Eine Ungerechtigkeit ist gefunden, die Stimmung kippt. Die Wortwechsel werden schneller und giftiger. Sämtliche Schlichtungsversuche sind erfolglos, Robin ergreift die Flucht. Sichtlich wütend seine Spielzeugkiste ausräumend stellt Robin klar: «Ich komme da nie mehr raus – nie mehr.» Ein ordentlicher Knall besiegelt sein Abtauchen in die Truhe.

Im jüngsten Stück der Theatergruppe wird aus Fiktion Realität. Spielbälle- und Puppen sowie Drachen und Soldaten sprechen, singen und tanzen – auch sie verfallen dem Konflikt. In der Folge oszilliert das Stück zwischen Spielzeug- und Familienstreit und der Frage, wie sich Robin wieder aus der Truhe locken lässt. Hoffnungslosigkeit hier, gegenseitige Anfeindungen da. «Am Ende kommen alle zur Einsicht, dass sie das Chaos nur gemeinsamen ordnen können», sagt Renggli.

Schauspielende feilen an den letzten Finessen

Der Probedurchlauf ist beendet. Zeit für ein Feedback der zufriedenen Chefin. Sie legt das Augenmerk auf das Sprechtempo. «Ich sage den Schauspielenden immer wieder: Das Publikum kann gar nicht so schnell denken, wie ihr sprecht. Dazu kommt: Wird eine Person im Text schneller, ziehen die anderen nach.»

Noch bleiben einige Tage Zeit, das Stück zu perfektionieren. Eines sei vorweggenommen: Dem Publikum werden Lacher und Momente der Gänsehaut nicht vorenthalten.

Rebekka Renggli: Ihre Mutter hat die Theatergruppe gegründet, seit 20 Jahren zieht sie die Fäden selbst.

Rebekka Renggli: Ihre Mutter hat die Theatergruppe gegründet, seit 20 Jahren zieht sie die Fäden selbst.

Bild: Nicolas Mennel

Aktuelle Nachrichten