Turgi
Nach Kündigungswelle sagt die Präsidentin der Aargauer Lehrer: «Jetzt ist die Zitrone ausgepresst»

18 von 34 Lehrpersonen an der Primarschule Turgi haben ihre Kündigung eingereicht. Kathrin Scholl, Präsidentin Aargauischer Lehrerinnen- und Lehrerverband (ALV) ist nicht wirklich optimistisch, dass diese Vakanzen bis nach den Sommerferien wieder besetzt werden können.

ArgoviaToday
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Kathrin Scholl, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, ALV.

Kathrin Scholl, Präsidentin des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, ALV.

Michael Wuertenberg

An der Primarschule Turgi hat über die Hälfte der 34 Lehrpersonen gekündigt. Grund dafür waren Probleme bei der Kommunikation und beim Informationsfluss vonseiten der vorgesetzten Behörden. Aber auch Sparmassnahmen der Gemeinde sollen eine Rolle gespielt haben. Sollten diese freien Lehrerstellen bis nach den Sommerferien nicht wieder besetzt werden können, dann droht ein Not-Szenario und Klassen müssten zusammengelegt werden.

Not-Szenario dürfte Realität werden

Kathrin Scholl, Präsidentin Aargauischer Lehrerinnen- und Lehrerverband (ALV), ist auf Anfrage von Radio Argovia nicht wirklich optimistisch, dass diese 18 Stellen wieder besetzt werden können. Es werde schwierig, sagt sie. Im Kanton Aargau habe man mit einem generellen Lehrermangel zu kämpfen. Wenn an einer Schule dann ein gewisser Konflikt noch mediale Bekanntheit erlange, dann werde es umso schwieriger, Lehrpersonen zu finden, sagt Scholl weiter. Sollte das Not-Szenario eintreffen und Klassen zusammengelegt werden, dann handelt es sich laut ALV-Präsidentin nicht mehr um einen normalen Schulbetrieb: Für Schülerinnen und Schüler würde dies qualitativ schlechteren Unterricht bedeuten und für die Lehrpersonen vor Ort einen Mehraufwand. Langfristig könne man dies nicht durchhalten. Es drohen weitere Kündigungen.

Sorgenkind «Primarschule»

Schon seit längerem herrscht im Kanton Aargau ein Lehrermangel. Laut Kathrin Scholl zeigt sich dieser besonders auf Stufe Primarschule. «Die Zitrone ist jetzt ausgepresst», sagt sie dem Radiosender. Aargauer Schulen hätten in den letzten Jahren immer wieder auf solche Not-Szenarien, wie es in Turgi jetzt geplant sei, zurückgreifen und Pensen der Lehrpersonen erhöhen müssen. Das sei gemäss Scholl bedenklich. Man habe praktisch keine Möglichkeiten mehr, das bestehende System auszubauen. Deshalb befürchtet Kathrin Scholl, dass solche Not-Szenarien nach den Sommerferien nicht nur an der Primarschule in Turgi, sondern auch an weiteren Aargauer Primarschulen enitreffen könnten.