Turgi war schon einmal fast so weit: Vor rund zehn Jahren war eine Fusion mit Baden ein offizielles Legislaturziel des Gemeinderates, im Dorf gab es intensive Diskussionen, und viele glaubten, eine Abstimmung sei nur noch eine Frage der Zeit. Doch als der Zusammenschluss zwischen der Stadt und Neuenhof an der Urne sensationell scheiterte – in Baden machten nur gerade 47 Stimmen den Unterschied aus –, verschwanden die Pläne auch in Turgi wieder in der Schublade.

Nun wagt Turgi einen neuen Anlauf: Der Gemeinderat hat sich vor wenigen Wochen zu einer Klausur zurückgezogen – notabene in Baden – und die politischen Ziele für die nächsten vier Jahre definiert. Das wichtigste Ziel lautet: «Wir prüfen eine Gemeindefusion mit Baden und gegebenenfalls weiteren Gemeinden.»

Dass die Zusammenschlusspläne wieder in der politischen Agenda auftauchen, hängt massgeblich mit Adrian Schoop (FDP) zusammen. Schon bevor er zum Gemeindeammann Turgis gewählt wurde, sagte er in einem Interview: «Ich bin der Meinung, dass sich Turgi langfristig in Richtung Baden orientieren sollte.» In den vergangenen Monaten machte der 32-Jährige weitere Aussagen in diese Richtung (die AZ berichtete). Nun sagt der Gemeindeammann: «Ich wusste nicht, wie offen meine Kolleginnen und Kollegen sowie die Verwaltung der Prüfung einer Fusion gegenüberstehen. Doch sie haben mich positiv überrascht: Der Entscheid, einen Zusammenschluss offiziell zu prüfen, kam zwar nicht einstimmig, aber doch mit sehr grosser Mehrheit zustande.»

«Fusion bringt uns Vorteile»

Der Turgemer Gemeinderat könne sich vorstellen, dass eine Fusion mit der Nachbarstadt grosse Vorteile mit sich bringe. «Wir könnten die Kräfte bündeln und Projekte realisieren, für die uns alleine die Möglichkeiten fehlen, sowohl personell als auch finanziell.» Im gleichen Atemzug sagt er: «Wir würden nicht aus der Not heraus fusionieren, es geht Turgi gut.» Vor allem auch aus raumplanerischer Sicht würde ein Zusammenschluss Sinn machen: «Das kleinräumige Denken hilft langfristig nicht weiter.» Er spricht von einer «regionalen Globalisierung», die Sinn machen würde: «Wir müssen eine grössere Region bilden, um noch stärker auftreten zu können, nicht nur im Kanton Aargau, sondern auch gegenüber der Region Zürich.» Angesichts dieser Aussage überrascht es nicht, dass der Turgemer Gemeinderat auch bereit wäre, nicht nur mit Baden alleine, sondern allenfalls mit weiteren Gemeinden an den Tisch zu sitzen.

Schoop ist überzeugt: Baden und Turgi würden gut zusammenpassen. Alleine schon wegen der Nähe – die Zugfahrt nach Baden daure nur gerade vier Minuten, sechs Mal pro Stunde gibt es eine Direktverbindung. «Hinzu kommt, dass wir meiner Meinung nach auch von der Identität her zusammenpassen würden. Die Turgemerinnen und Turgemer sind weltoffene Menschen. Wir haben wie Baden eine bedeutende Industriegeschichte. Und wir sind eine urbane Gemeinde mit hoher Bevölkerungsdichte.»

Erstes Treffen fand bereits statt

In einem ersten Schritt gehe es nun darum, die Meinung der Einwohnerinnen und Einwohner Turgis zu erfahren. «Wir wollen nichts überstürzen und die Bevölkerung in den Prozess mit einbeziehen. Das wird einige Zeit dauern.» Parallel dazu würden aber auch Gespräche auf Behördenebene geführt, sagt Adrian Schoop. Ein erstes Treffen mit Badens Stadtammann Markus Schneider (CVP) fand bereits statt; Schneider lud Schoop ins Stadthaus ein, nachdem dieser sich mehrfach öffentlich zum Thema Fusion geäussert hatte. «Er versicherte mir, dass Baden offen für Gespräche sei.»

Auch Markus Schneider spricht von einem offenen und sehr guten Gespräch, das er mit Adrian Schoop geführt habe: «Ich habe immer gesagt, dass ich persönlich einer engeren Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden beziehungsweise einem Zusammenschluss offen gegenüberstehe. Wir sind darum gerne bereit, zu prüfen, ob eine Fusion mit Turgi aus unserer Sicht Sinn machen würde.» Darüber hinaus würde es der Stadtammann begrüssen, wenn noch weitere Gemeinden an der Debatte teilnehmen würden. Markus Schneider: «Ich stehe dazu: Wir sollten die Region stärken.»

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