Baden
Über 100 Betriebe beteiligen sich am Plastikexperiment

Am Samstag ist der Startschuss zum einmonatigen Plastikverzicht – lokale Dienstleister wie «Miracoolix» wollen diesen der Bevölkerung erleichtern.

Claudia Laube
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Markus Hadorn vom Spielwarenladen Miracoolix macht beim plastikfreien Monat März mit.

Markus Hadorn vom Spielwarenladen Miracoolix macht beim plastikfreien Monat März mit.

Severin Bigler

Obwohl der März noch nicht begonnen hat, startet heute offiziell das Plastikexperiment in Baden – mit der Einweihung der eigens dafür eingerichteten Plastikzentrale im «Vaudoise»-Haus an der Weiten Gasse 14 (die AZ berichtete). Einen Monat lang soll die Bevölkerung auf Plastik verzichten. Das Plastikexperiment hat nicht nur viele Menschen mobilisiert, sondern auch über 100 Badener Dienstleistungsbetriebe aus diversen Bereichen dazu inspiriert, im März speziell auf ihre plastikfreien, plastikreduzierten und unverpackten Produkte aufmerksam zu machen. Dazu gehört auch das Spielfachgeschäft «Miracoolix» gleich vis-à-vis der Stadtbibliothek. «Obwohl wir eher auf Brettspiele und weniger auf Spielsachen fokussiert sind, ist auch hier viel in Plastik eingeschweisst oder hat im Innern Teile in Plastik verpackt, um diese besser zu schützen», sagt Geschäftsführer Markus Hadorn. Viele der Spiele kämen aus China. Um keine Transportschäden zu riskieren, müssten sie gut eingepackt sein. «Die Schutzfunktion von Plastik ist nicht zu unterschätzen», sagt er.

Es brauche nun ein paar schlaue Köpfe, die alternative Verpackungen finden, welche denselben Schutz gewährleisten können. «Ein solcher ist mir bisher aber noch nicht bekannt», sagt Hadorn. Ziemlich sicher werde eine Alternative wohl auch teurer sein. Schlussendlich müsse es für einen kleinen Betrieb wie seinen wirtschaftlich sein. «Es ist immer auch eine Preisfrage. Wir haben nicht annähernd dasselbe Budget wie eine grosse Kette», bekräftigt er. Es gehe aber nicht nur darum, was er will, sondern vor allen Dingen auch, was die Kundschaft wünscht: «Mir ist aufgefallen, wenn ein Spiel nicht in Plastik verpackt ist, dann wird es bereits komisch beäugt.» Die Kunststoffverpackung sei für viele Menschen ein Zeichen, dass ein Produkt noch neu ist – und wenn es sich dabei um ein Geschenk handelt, ist das noch wichtiger. Genau deshalb sieht er das Plastikexperiment aber auch als Chance, um Kundenmeinungen abzuholen: «Ich werde auf jeden Fall öfters die Frage stellen, ob ein Spiel auch gekauft würde, wenn es nicht in Plastik eingepackt ist.»

Kundschaft nimmt eigene Taschen mit

Während des Experiments wird er auf einem Tisch die Spiele präsentieren, die ohne oder nur mit wenig Plastik auskommen – «viele davon sind in der Schweiz hergestellt» – und gibt den Kunden auch die Möglichkeit, nach dem Einkauf den Plastikabfall bei ihm zu lassen. «Damit ich am Ende einen Eindruck erhalte, wie viel sich davon in einem Monat ansammelt.» Ziel ist, diesen Plastikabfall an die Lieferanten zurückzuschicken. Nur macht er sich dabei keine falschen Hoffnungen: «Wer nimmt mich Kleinen überhaupt ernst?», fragt er rhetorisch. Es gäbe Spiele, die seien früher noch unverpackt gekommen, inzwischen seien sie eingeschweisst. Warum genau, kann er nicht sagen, aber er nimmt an, dass dies auch mit Rückmeldungen der Kunden zu tun haben könnte.

Ausserdem hat Hadorn ganz bewusst auf das Experiment hin neue Papiertaschen bestellt. «Die Plastiktaschen, die wir noch haben, werden wir aber selbstverständlich aufbrauchen. Danach ist aber Schluss damit.» Seit rund einem Jahr bemerke er ohnehin, dass sie massiv weniger Taschen benötigen: «Unsere Kunden bringen vermehrt ihre eigenen Taschen mit.»

Auch wenn er die Auswirkungen des Plastikexperiments auf sein Geschäft als eher gering einstuft, will Markus Hadorn nichtsdestotrotz seinen Beitrag leisten: «Ich finde das Experiment grundsätzlich einfach eine gute Idee.»

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