Taxi-Dienste
Uber chauffiert auch in Baden und macht lokalen Taxis Konkurrenz

Der umstrittene US-Fahrdienst Uber bedient auch den Ost-Aargau – die Billig-Tarife stören das Taxigewerbe. Nun werden Zürcher Politiker aktiv.

Erna Jonsdottir
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Uber-Autos kann man nicht nur in Zürich, sondern auch in Baden bestellen.

Uber-Autos kann man nicht nur in Zürich, sondern auch in Baden bestellen.

Patrick Hersiczky

In fast allen grossen Städten der Welt sorgt der US-Fahrdienst Uber für Aufsehen: Über das Smartphone lässt sich ganz einfach ein Auto bestellen – und das sehr günstig. In der Schweiz gibt es Uber nur in Genf, Basel und Zürich.

Doch zu Zürich gehört für Uber auch die Region Baden: Auch hier lassen sich Uber-Taxis ordern, wie eine Probe aufs Exempel zeigt. Die «Schweiz am Sonntag» hat am Donnerstag mitten im Feierabendverkehr via App einen Wagen bestellt und sich von Baden nach Zürich Altstetten fahren lassen.

Kostenpunkt: 66 Franken, direkt über die Kreditkarte abgebucht – das ist rund 40 Franken günstiger als mit einem normalen Taxi.

Allerdings brauchte es 45 Minuten, bis uns der Fahrer in Baden abholte. Der Kosovare war freundlich, das Auto sauber. Über Uber sagte er: «In Genf und Basel darf ich nur bis zur Stadtgrenze fahren.» Das sei in Zürich anders. 20 Prozent der Einnahmen muss er Uber abgeben. Aber: «Ich fahre lieber für Uber und verdiene etwas weniger Geld als gar keines.»

Private Chauffeure als Taxifahrer

Der Taxibranche ist insbesondere die Uber-Billigvariante Uberpop ein Dorn im Auge. Roland Wunderli vom Badener Taxi, der Geschäftsführer des grössten Aargauer Taxiunternehmens, stört sich daran, dass bei Uberpop private Chauffeure Dienste mit dem eigenen Auto anbieten.

Um diese Leistung zu erbringen, müssen die Fahrer lediglich seit mindestens drei Jahren einen Führerschein Kategorie B besitzen, einen einwandfreien Leumund haben und ein Fahrzeug mit mindestens vier Türen, das nicht älter als zehn Jahre ist.

Börsenwert der Uber-App bei rund 41 Milliarden Dollar

Das Unternehmen wurde 2009 von Garrett Camp und Travis Kalanick gegründet. Camp sitzt im Aufsichtsrat der Firma. Kalanick ist der CEO. Geldgeber der Start-up-Firma sind u.a. Google Ventures und die US-Bank Goldman Sachs. Der Wert der Firma wird auf rund 41 Milliarden Dollar geschätzt. Uber hat sich von San Francisco aus in 55 Länder und über 260 Städte ausgebreitet, gemäss Internetseite gibt es Uber in Zürich, Basel, Genf und Lausanne.
Zentralen existieren keine. Eine App lotst die Fahrzeuge zu Kunden. Abgerechnet wird über die Kreditkarte. Die Fahrten sind sehr günstig und kosten zwischen 30 bis 40 Prozent weniger als bei herkömmlichen Taxis. Im Gegensatz zu Uberpop fahren bei Uber Black und UberX lizenzierte Chauffeure. Vorbestellen kann man die Autos nicht. (ejo)

Da den Fahrern die nötige Lizenz fehlt und Uber diese damit möglicherweise zum Rechtsbruch anstiftet, hat das Landgericht Frankfurt am Mittwoch entschieden, Uberpop in ganz Deutschland zu verbieten. Für Roland Wunderli ist klar: «Dieser Dienst ist auch in der Schweiz illegal.»

Robert Soós, Sprecher des Polizeidepartements Zürich, entgegnet: «Die Fahrer sind erst unrechtmässig unterwegs, wenn sie innerhalb von sechzehn Tagen mehr als zwei Mal fahren und gewerbsmässig unterwegs sind.»

Da der Einsatz dann als berufsmässig gelte, müsse der Fahrer bestimmte Voraussetzungen erfüllen. «Wie etwa mit einem Fahrtenschreiber ausgerüstet sein, und die Fahrzeuge müssen für den berufsmässigen Personentransport eingelöst sein», erklärt Soós.

Die meisten Privatfahrer würden diese Anforderungen aber nicht erfüllen. «Ich kenne diverse private Personen, die für Uber fahren oder gefahren sind», sagt Wunderli. Diese Personen würden mindestens zwei bis drei Fahrten pro Tag machen, betont er.

Probleme Hobbyfahrer zu erkennen

Die Krux: Da die Autos nicht gekennzeichnet sind, hat die Polizei laut Soós ihre Probleme damit, den Fahrern nachzuweisen, dass sie gewerbsmässig unterwegs sind.

Sorgen bereitet Wunderli und Soós, dass die Gäste allenfalls von Amateur-Fahrern chauffiert werden. Wunderli: «Und niemand weiss so recht, ob die Gäste überhaupt versichert sind.»

Wie Rasoul Jalali, Geschäftsführer von Uber Zürich, gegenüber «Watson» erklärte, sind die Uberpop-Fahrer für Personenschäden zusätzlich durch Uber versichert.

Sicher ist: Mit dem Geschäftsmodell legt Uber alle Pflichten und Risiken in die Hände der Fahrer. Diese müssen für den Verschleiss ihrer Autos und das Benzin zahlen. In Zürich setzen nun die SVP-Gemeinderäte Thomas Schwendener und Daniel Regli Uber Zürich unter Druck.

Laut der «NZZ» haben die beiden Politiker beim Zürcher Stadtrat eine schriftliche Anfrage eingereicht. Sie wollen wissen, ob Uber über eine Bewilligung verfügt und ob die vermittelten Chauffeure sowie ihre Fahrzeuge auch den gesetzlichen Richtlinien entsprechen.

Schwendener und Regli, die das lokale Gewerbe durch Uber gefährdet sehen, fragen den Stadtrat weiter, was er zu unternehmen gedenke, um das Gewerbe zu schützen.

Dass die beiden Zürcher Politiker aktiv geworden sind, freut Roland Wunderli vom Badener Taxi. Als Uber den Internet-Dienst Uberpop im November 2014 lancierte, wehrte sich Taxisuisse vergebens beim Bund. «In Baden und Umgebung ist Uber aber keine grosse Konkurrenz. Was die Firma mit Uberpop anstellt – das geht einfach nicht.»

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