Wettingen
Über die Baustelle und die Landstrasse: Wettinger in Sorge wegen gefährlichem Entenmarsch

In Wettingen begibt sich Jahr für Jahr eine Entenfamilie auf die Reise durch die viel befahrenen Strassen. Bisher konnte die Regionalpolizei aushelfen. Dieses Jahr sind sie auf sich allein gestellt.

Andreas Fretz
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Jährlich wandert eine Entenfamilie vom Friedhofsweiher in Wettingen an die Limmat.

Jährlich wandert eine Entenfamilie vom Friedhofsweiher in Wettingen an die Limmat.

Symbolbild: az-archiv

«Alle Jahre wieder findet der Marsch durch Wettingen statt.» Mit diesem Satz beginnt ein Facebook-Post von Leonardo Curcuruto auf der Seite «Du bisch vo Wettige wenn...». Der 48-Jährige sorgt sich um die Sicherheit einer Entenfamilie. Jeweils im Frühling macht sich die Mutter mit ihren Küken auf den Weg durch gefährliche Gefilde. Vom Nest im Friedhofsweiher Brunnenwiese führt der Entenmarsch durch Bifang- und Landstrasse und am Tägi vorbei an die Limmat.

Im letzten Jahr wurde Curcuruto zufällig Zeuge dieses Schauspiels und beobachtete prompt, wie sich die Enten in der Bifangstrasse beim Neubau des Alterszentrums St. Bernhard in einer Sackgasse verliefen. «Diesmal wird die Entenmutter vermutlich den Weg aufgrund der Baustelle des Alterszentrums nicht mehr finden», befürchtet Curcuruto. Die Baustelle ist inzwischen viel grösser, das Areal komplett umzäunt. «Die Enten werden irgendwo stranden oder planlos auf der Strasse rumwatscheln», sagt Curcuruto.

In der Vergangenheit kam die Regionalpolizei

Bis anhin habe die Bevölkerung jeweils die Regionalpolizei angerufen, die auch prompt kam und sich vorbildhaft der Entenfamilie annahm, sagt der Medizintechniker. Auch er rief vor einem Jahr die Polizei, die dann die Enten durch die Strassen und den Verkehr begleitete. «Doch am Telefon sowie dann auch vor Ort wurde mir erklärt, dass die Polizei eigentlich nicht zuständig sei und dies von der Gemeinde nicht mehr gewünscht ist.»

Curcuruto wendete sich in der Folge wie empfohlen an den Wildhüter, dieser verwies ihn an einen Vogelschutz-Verein, welcher ihn wieder zurück an den Wildhüter verwies. «Leider ist es so, dass die Stockente als nicht gefährdet und darum als nicht besonders schützenswert gilt», sagt Curcuruto. Dennoch hofft er, dass er mit seinem Aufruf auf diesen Missstand aufmerksam machen kann.

Grosse Anteilnahme auf Facebook

Die Anteilnahme auf Facebook ist gross. Einige bieten sich an, die Enten zu begleiten, andere fordern von den Autofahrern die notwendige Achtsamkeit. Curcuruto wünscht sich aber eine klare Zuständigkeit. Es müsse jemand sein, der sich mit Wildtieren auskenne und diese lenken kann. «Hierarchisch ist der Kanton zuständig, der den Schutz an die jeweiligen Wildhüter delegiert», sagt er. Es sei wichtig, dass die Leute wissen, wo sie anrufen können, wenn sie die Enten losziehen sehen.

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