125 Jahre BBC/ABB
Über die Verbundenheit von der Stadt Baden und BBC

Stadtammänner und Brown-Boveri-Vertreter äusserten sich mehrfach zur schicksalhaften Beziehung.

Pirmin Kramer
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BBC-Angestellte prägten auch das Stadtbild, wie an diesem Feierabend 1955. ZVG

BBC-Angestellte prägten auch das Stadtbild, wie an diesem Feierabend 1955. ZVG

Welche Verbindung hatten BBC und Stadt Baden in den Blütezeiten des Unternehmens im vergangenen Jahrhundert? Dieser Frage könnte man Forschungsjahre widmen; hier soll wiedergebeben werden, wie die Protagonisten beider Seiten darauf antworteten, was sie einige Male im Rahmen von Jubiläumsfeiern taten. So beispielsweise im Jahr 1916, wie ein Blick ins Archiv zeigt: Stadtammann Josef Jäger (FDP) berichtete an der 25-Jahr-Feier der BBC im «Grand Hotel Baden» von einer Wandlung im Geiste der Stadt Baden, welches das arbeitsame und aufstrebende Element der Herren Brown und Boveri gebracht habe.

125 Jahre BBC/ABB

1891 gründeten Charles Brown und Walter Boveri die BBC in Baden. Das Unternehmen entwickelte sich zum Weltkonzern. Seit 1988 und der Fusion mit dem schwedischen Konzern Asea heisst die Firma ABB. Das «Badener Tagblatt» berichtet zum Jubiläum mit einer mehrteiligen Serie.

Am augenfälligsten widerspiegle sich der Aufschwung der BBC in der städtebaulichen Entwicklung, sagte Stadtammann Karl Killer (SP) bei der 50-Jahr-Jubiläumsfeier 1941 in der grossen Montagehalle. Seit Gründung der Firma war die Einwohnerzahl Badens um ungefähr das Dreifache auf 11 500 gestiegen, noch kräftiger waren Ennetbaden und Wettingen gewachsen. Die Entwicklung, die Baden durchmache, könne kaum Schritt halten mit dem steilen Anstieg von Brown Boveri, so Killer. Er wies auf die öffentlichen Bauten hin, die nur hätten finanziert werden können durch die Steuerbeträge der Firma und ihrer Mitarbeiter. Einen Einfluss hatte die BBC auf die Stadt auch durch ihre Wohltätigkeit, so der sozialdemokratische Stadtammann: «Besonderen Dank gebührt der Geschäftsleitung für ihr grosses soziales Denken. Zahlreiche Institutionen der Fürsorge geben davon Kenntnis. Killer gab der Hoffnung Ausdruck, dass dieses gute Verhältnis in aller Zukunft bleiben möge.

1966 schrieb Theodor Boveri, Sohn von BBC-Gründer Walter Boveri, im «Badener Tagblatt» einen Gastartikel zur Beziehung von Firma und Stadt. Mit gleichzeitig kritischem wie auch zuversichtlichem Unterton schrieb er: «Hoffen wir, dass es unserer einerseits altehrwürdigen, andererseits wieder moderneren Stadt Baden gelingen wird, auch auf die heutigen führenden Kräfte von Brown Boveri wieder eine so grosse Anziehungskraft auszuüben, dass Stadt und Firma wie in der alten Zeit weitgehend eine Einheit darstellen.» Er zeigte den Einfluss der BBC auf die Stadt an einer Person auf: Walter Boveri senior habe für die Entwicklung der Stadt eine der grössten Rollen spielte – nicht nur wegen der Wahl des Standortes der Firma, die Baden einen ungeahnten Aufschwung gegeben habe. «Er wandte auch stets den unmittelbaren Aufgaben der Stadt sein ganz persönliches Interesse zu; als Präsident der einwohnerrätlichen Budget- und Rechnungskommission beherrschte er die Probleme der Gemeindeversammlung souverän.» Es habe damals ohne Zweifel viele Leute gegeben, die die Fragen nicht hätten beantworten können, ob der feuerspeiende Stadtammann Jäger oder der als gewiefter Diplomat auftretende Walter Boveri der erste Mann der Stadtverwaltung sei.

Am Festakt zum 75. BBC-Geburtstag im Jahr 1966 hielt Stadtammann Max Müller (FDP) fest, wie wichtig die BBC für die städtischen Finanzen waren. «Vor der Gründung der Brown Boveri lag der Steuereingang der Stadt Baden noch knapp über 100 000 Franken, erreichte 50 Jahre später das Zehnfache, um heute bereits das Achtzigfache zu überschreiten.» Daneben habe die industrielle Entwicklung auch den Kurort in einer Symbiose kultureller und gesellschaftlicher Art mannigfach befruchtet. «So werden Theater und Musik, die seit dem Mittelalter eine ungewöhnlich intensive Pflege erfuhren, heute im Wesentlichen nicht von den Kurgästen, sondern von der in Industrie, Gewerbe und Handel tätigen Bevölkerung getragen. Der Kurgast wiederum empfinde die Nähe einer machtvoll pulsierenden Arbeitswelt als fördernden Umstand, sozusagen als Stimulans seines Genesungswillens.»

Diesen Oktober, zum 125-Jahr-Jubiläum, gibt es für ABB-Mitarbeitende und -Pensionierte, Kunden und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ein grosses Fest in Wettingen, und man darf gespannt sein, ob und wie die Äusserungen zur Beziehung von Stadt und Firma ausfallen werden.

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