Region Baden
Über Instagram und TikTok: Corona hat die Digitalisierung der Jugendarbeit vorangetrieben

Die Jugendarbeitsstellen der Region haben ihre Onlineangebote wegen des Lockdowns ausgebaut – und so neue Jugendliche angesprochen.

Claudia Laube
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Jugendraum in Spreitenbach soll diese Woche wieder öffnen.

Jugendraum in Spreitenbach soll diese Woche wieder öffnen.

Bigler

Viele Jugendliche in der Region Baden konnten sich seit Beginn des Lockdowns nicht mehr in den Jugendräumen, die zur Verfügung stehen, treffen. Jugendarbeiterinnen und -arbeiter stampften deshalb innert Kürze digitale Angebote aus dem Boden, um die 10- bis 16-Jährigen doch noch zu erreichen. «Es ist wirklich cool, wie schnell diese neuen Angebote verfügbar waren», sagt André Bürkler, Leiter der Fachstelle Jugendarbeit der Region Baden, an der sich 13 Bezirksgemeinden beteiligen.

So betrachtet habe sich die Coronakrise klar als Chance für die Jugendarbeit erwiesen: «Sie hat gefühlt einen digitalen Schub erhalten», so Bürkler. In einigen Gemeinden konnten damit auch neue Jugendliche angesprochen werden, die sonst eher nicht mit den Jugendarbeitenden in Kontakt gekommen wären.

Als Leiter ist Bürkler für regionale Projekte, den Austausch unter den Jugendarbeiterinnen und -arbeitern sowie deren Beratung zuständig. Er hat den Überblick, was wo läuft, damit die einzelnen Stellen von bereits gemachten Erfahrungen profitieren können. In den Lockdown-Monaten habe sich der Zusammenschluss als grosser Vorteil erwiesen, sagt Bürkler.

«Der Austausch untereinander hat sich massiv intensiviert.» Manche Jugendarbeitende seien zum Beispiel mit Onlinemedien nicht so vertraut wie andere, die an ihren Arbeitsstellen bereits digital unterwegs waren: «Diese konnten unterstützend wirken, wenn es zum Beispiel darum ging, Profile auf TikTok oder Instagram einzurichten, die je nach Alter unterschiedlich beliebt sind.»

Neue Möglichkeiten erforscht

TikTok spricht dabei besonders jüngere Jugendliche an, Instagram eher die älteren. Bei Instagram werden Bilder und Videos geteilt, bei TikTok sind es vor allem kurze Videos mit Tänzen, aber auch sozialpolitische Themen kommen inzwischen vermehrt zur Sprache, die von jungen Menschen mit teilweise Millionen Followern verbreitet werden.

Doch nicht nur die Möglichkeiten der sozialen Medien wurden erkundet, sondern auch Online-Fifa-Turniere angeboten oder Live-Streams, wobei ganze Familien beim Mittagessen mit den Jugendarbeitenden sprachen oder Kinder der Mittelstufe Bastelanleitungen präsentiert bekamen.

Auch seien aktiv Jugendliche angeschrieben worden, die sich im Bewerbungsprozess befinden und noch keine Anschlusslösung haben: «Dabei ging es nicht einfach nur ums Zuhören, sondern um aktive Unterstützung», erklärt Bürkler.

Die Jugendarbeiter waren für die Jugendlichen bei Fragen immer erreichbar – ob telefonisch oder online. Einigen fiel es digital einfacher, sich überhaupt zu äussern, «während andere nun wohl froh sind, dass die Jugendräume wieder offen haben und persönliche Gespräche wieder möglich sind.» Bürkler ist sich sicher, dass sich auch die Jugendarbeiterinnen und -arbeiter freuen, «ihre» Jugendlichen wieder physisch antreffen zu können: «Digital kann physisch auch in der Jugendarbeit nicht komplett ersetzen.»

Jugendtreffs wieder geöffnet

Mit den neusten Lockerungen haben ab dieser Woche die Jugendtreffs der 13 Gemeinden – unabhängig von der Raumgrösse – wieder offen. Einige konnten ihre Türen schon länger wieder öffnen, darunter zum Beispiel die Treffs des Jugendnetzes Siggenthal oder Wettingen.

«Das sind Gemeinden, in denen genug grosse Räume vorhanden sind, wo die Abstandsregeln besser eingehalten werden konnten», so Bürkler. Dabei müssen die Jugendlichen untereinander zwar keinen Abstand halten, aber mit den Jugendarbeiterinnen und -arbeitern.