Baden/Neuenhof
Überlastetes Familiengericht: IV-Bezüger gerät finanziell unter Druck

Wegen eines Augenleidens wird ein Mann aus der Region Baden zum IV-Bezüger. Nun wäre er darauf angewiesen, dass ihm eine Beistandschaft bestätigt wird, doch das verzögert sich. So sehr, dass der IV-Bezüger finanziell in Not gerät.

Roman Huber
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Die Familiengerichte im Aargau sind überlastet. (Symbolbild)

Die Familiengerichte im Aargau sind überlastet. (Symbolbild)

Keystone

Die Überlastung der Familiengerichte, wie sie in jüngster Vergangenheit die Aargauer Zeitung wiederholt thematisiert hat, kann Personen hart treffen. So auch H. Z. aus Neuenhof, der selber lang Zeit als Vormund tätig war. Dass er die Beistandschaft aus anderer Perspektive erfahren würde, hatte er sich damals kaum vorstellen können. H. Z. war bis vor einiger Zeit noch kaufmännisch tätig. Bis sein Augenlicht so geschädigt war, dass nichts mehr ging.

Die Schuld hierfür schiebt er der modernen Augenmedizin in die Schuhe. H. Z. konnte seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Er wurde aufgrund seines Augenleidens IV-Bezüger. Auch die Betreuung seiner Liegenschaften, die für ihn einerseits Hobby, andererseits finanzielle Reserve fürs Alter bedeutet, wurde ihm verunmöglicht. Sein Schwiegersohn habe sich dann bereit erklärte, diese Aufgaben und eine Beistandschaft zu übernehmen, erzählt H. Z. Darum sei er vor mehreren Monaten ans Sozialamt in Neuenhof gelangt. Dort leitete man sein Anliegen ans Familiengericht in Baden weiter. Als er sich dann nach einer Bestätigung erkundigen wollte, sei er auf später vertröstet worden.

H. Z. hatte in dieser Zeit ein Ziel: Wieder richtig zu sehen. Er begann mit Sehübungen. Für ein Augentraining und zur Erholung weilte er in Deutschland. Nach seiner Rückkehr erfuhr er vom Schwiegersohn, dass die Beistandschaft immer noch nicht errichtet war.

«Das Familiengericht ist nicht in der Lage, kurzfristig eine Beistandschaft zu errichten. Das kann doch nicht sein», so H. Z. Als einstiger Vormund könne er beurteilen, mit welcher Dringlichkeit solche Fälle behandelt werden müssten, fügt er an. H. Z. will die Richterin nicht persönlich dafür verantwortlich machen. Vielmehr sieht er den Missstand im System. Jemand, der eine Beistandschaft braucht, der tut dies aus einer Notsituation heraus und braucht sofort und unbürokratisch Hilfe.

Peter Rüegg, geschäftsführender Präsident des Bezirksgerichts Baden, weist auf den Bericht der Justizleitung über die Situation an den Familiengerichten hin. Da gebe es nichts zu beschönigen. «Die Überlastung ist auch in Baden enorm, sodass wir die Fälle priorisieren müssen», sagt Rüegg. Wo mögliche Gefahren ersichtlich seien und damit Dringlichkeit gegeben sei, würden die Fälle vorgezogen. Für Betroffene sei das eigene Anliegen naturgemäss immer dringlich. Viele Fälle könne man darum nicht so schnell erledigen, wie dies eben erhofft werde.

18 zusätzliche Stellen hat die Justizleitung beantragt, der Regierungsrat will gemäss seiner Botschaft nur deren 7 gewähren. Der Grosse Rat wird demnächst darüber entscheiden.

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