Baden
Überlebensexperte Nehberg gibt Einblick in sein Leben

Der 80-jährige Abenteurer Rüdiger Nehberg begeisterte das Publikum in der Aula der Badener Kantonsschule mit seinen Lagerfeuergeschichten.

Julia Stückelberger
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Rüdiger Nehberg als Schlangenbeschwörer mit einer Kobra. ZVG

Rüdiger Nehberg als Schlangenbeschwörer mit einer Kobra. ZVG

Julia Stückelberger

Mit vier Jahren ist Rüdiger das erste Mal abgehauen, um seine Oma zu besuchen. Dies dauerte aber nicht lange, da die Polizei in schnell fand. Als 17-jähriger versuchte er es ein zweites Mal. Seinem Vater erzählte er, dass er nach Paris mit dem Fahrrad verreise. In Wirklichkeit radelte Nehberg nach Marokko, um Schlangenbeschwörer zu lernen, weil ihn diese Tiere schon immer fasziniert hatten. Zwei Monate verbrachte er mit Reisen.

Die Aula der Kantonsschule war voll besetzt. Die Bühne hatte Nehberg mit einem künstlichen Lagerfeuer geschmückt. Er wolle damit in seine Welt entführen, sagt er. Als Einführung zeigte er, wie er mit Feuersteinen aus seiner Heimat Hamburg das Holz zum Brennen brachte und so viele warme Mahlzeiten während seiner Reisen geniessen konnte. Dann nahm er das Publikum mit auf eine Reise durch sein Leben.

Nehberg ist gelernter Bäcker-Konditor. Diesen Beruf wählte er aufgrund der Hungersnot während der Kriegszeit. «Man brauchte immer einen Bäcker, da die Leute Hunger hatten und Brot wollten», sagt er. Wirtschaftlich ging es ihm immer gut, doch die Sehnsucht nach der weiten Welt wurde er nicht los. Die Reise nach Marokko war erst der Anfang. Nehberg machte viele Ausbildungen, unter anderem auch den Jägerkurs, «um legal an Waffen zu kommen», erzählt er lachend. Sein Wissen über die Flora und die Fauna unserer Welt ist beeindruckend.

Nur so konnte er alle seine Reisen mit kleinster Ausrüstung bewältigen. Ihm wurde nichts erspart: Nehberg wurde auf seinen Reisen immer wieder überfallen und er ist sogar vorbestraft, weil er mit zwei Freunden in Jordanien ein Boot klaute, da sie zum Suez-Kanal gelangen wollten. An Malaria litt er schon zweimal, blieb sonst aber verschont von jeglichen Krankheiten. Vorbeugung sei alles, sagt er.

40 Jahre war er in Deutschland als Würmerfresser verschrien. Dennoch sei die Ernährung beim «Survival» sehr wichtig. Er esse Insekten, Würmer, Mäuse und auch Bisamratten. «Bisamratten schmecken gebraten wie Kaninchen», sagt er.

Heute setzt sich der energiegeladene 80-jährige mit seiner Organisation Target gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen ein. Die Zuhörer in Baden waren begeistert: «Seine Geschichten sind wahnsinnig spannend und eindrücklich», sagt eine Zuschauerin.