Baden
Überraschendes Aus für Musical-Projekt «The American»

Es ist vorbei, bevor es richtig begonnen hat – das geplante Musical «The American» wurde abgesagt – wegen finanzieller Probleme. Die Proben hätten Anfang September beginnen sollen.

Nadja Rohner
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Da konnte man noch jubeln: Ruedins Musical «Taxi» (2008). Archiv/BY

Da konnte man noch jubeln: Ruedins Musical «Taxi» (2008). Archiv/BY

Im Frühling dieses Jahres hatte der Verein «Freetown Entertainment» aus Freienwil zum Casting aufgerufen. «Ziel des Musicals ist es, talentierten Menschen aus der Region die Möglichkeit zu geben, ihr Können öffentlich zu präsentieren», sagte Autor und Komponist François Ruedin in der az vom 15. Juni.

Vor Kurzem liessen die Verantwortlichen auf ihrer Internetsite theamerican.ch noch verlauten, es hätten «viele zukünftige Stars rekrutiert werden können».

Der Musicaltraum ist geplatzt

Am Donnerstag wurden dann aber alle Darsteller völlig überraschend von Produktionsleiterin Mani Sokoll per Mail informiert, dass «der Verein Freetown Entertainment entschieden hat, das Musical abzusagen». Als Grund gibt Mani Sokoll «ungenügend gesicherte Finanzen und andere schwierige Umstände» an. So fehlte noch immer ein Aufführungsort.

Man wolle nicht einfach ins Blaue produzieren und riskieren, am Schluss nicht bezahlen zu können. Die Produktionsleiterin betont in ihrer Mitteilung aber auch, dass man «es nicht einfach bei einem Mail belassen wolle, sondern den Darstellern persönlich gegenübertreten möchte». Am Dienstag lädt der Verein die Betroffenen deshalb zu einem Apéro – just an dem Abend, der für die erste Probe vorgesehen war.

Finanzen sind Hauptproblem

«Leider hat das Sponsoring nicht den Ertrag abgeworfen, der budgetiert war», weiss Felice Vögele, verantwortlich für Finanzen beim Organisator Freetown Entertainment. Vereinsintern gaben die fehlenden finanziellen Mittel zwar zu reden, man plante aber trotzdem weiter.

Die Suche nach einer Location habe sich ebenfalls schwierig gestaltet. Musicalkomponist François Ruedin: «Ich stamme aus der Region Baden und möchte das Musical auch hier aufführen. Leider gibt es hier nicht viele Orte, die man einen Monat lang besetzen kann.»

Schliesslich hatte der Verein mit dem Kino Linde eine geeignete Location gefunden. Der Eigentümer musste dann aber sehr kurzfristig absagen, weil die Nachbarn, die Beschwerde führen gegen das geplante Eventlokal im Kino Linde, entgegen ihrer Ankündigung noch intervenierten.

Andere Lokale, die den Bedürfnissen des Musicals gerecht werden und ins Budget des Vereins passen, hat man nicht finden können.

Kurzfristig abgesagt haben laut Mani Sokoll auch einzelne Darsteller. «Wir konnten die drei wichtigsten männlichen Rollen nicht besetzen. Die letzten Bewerber haben wir vor zwei Wochen gecastet. Damals sah es so aus, als ob sie die Rollen übernehmen könnten.» Man habe die Möglichkeit geprüft, Profischauspieler für diese Rollen zu buchen. Wegen der knappen finanziellen Ressourcen sei dies aber nicht machbar gewesen.

«Wir mussten einen Stopp reissen», so Autor Ruedin, «Alles andere wäre unverantwortlich gewesen.» Ob das Musical zu einem späteren Zeitpunkt aufgeführt werden kann, mag er nicht sagen. Momentan versuche man, Schadensbegrenzung zu betreiben. Er glaubt nicht, dass der Verein in der Organisation schwerwiegende Fehler gemacht habe. «Es liegt vielleicht an der Wirtschaftskrise und am Standort Baden. Der Zeitpunkt ist nicht günstig für ein Musical.»

Auch wenn sein Werk nun vorerst nicht aufgeführt wird – Ruedin zeigt sich gefasst: «Wenn ich wie die Darsteller von der schlechten Nachricht ‹überfallen› worden wäre, dann wäre ich enttäuscht. So aber weiss ich: Eine Absage ist besser, als sich aufs Glatteis zu begeben.»

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