Baden
Überraschendes Instrument: Die Marimba kann sogar singen

Ein überraschendes Instrument steht im Zentrum der Saisoneröffnung der Sinfonia Baden.

Elisabeth Feller
Merken
Drucken
Teilen
Edith Habraken ist die souveräne Interpretin für das Marimba-Konzert des Komponisten Markus Götz. zvg

Edith Habraken ist die souveräne Interpretin für das Marimba-Konzert des Komponisten Markus Götz. zvg

«Klangwelt – Tanz» ist ein schöner Titel, denn: Wie viele Konzertbesucher haben sich nicht schon gewünscht, auf die Musik unmittelbar zu reagieren – mit Tanz. Mit den unterschiedlichen Klangfarben und Rhythmen Edward Elgar, Alexander Glazunov, Nikolai Rimsky-Korsakov und Markus Götz ihr Musikmenü anrichten, belegt das Konzert der Sinfonia Baden.

Wieder einmal beweist die Dirigentin Felicitas Gadient ihr feines Gespür für originelle Werkzusammenstellungen. Elgars Spätromantik (Chanson de Matin – Chanson de Nuit) wird kontrastiert von Glazunovs festlich-süffigem Konzertwalzer und Rimsky-Korsakovs brillantem, sämtliche Orchesterregister ziehendem Capriccio espanol.

Aber: Erst weil Markus Götz’ Marimba-Konzert als zeitgenössische Variante des Themas fungiert, wird dieser Sinfonia-Abend ein besonderer. Und das noch aus einem anderen Grund: Die ursprünglich vorgesehene Solistin Doris Affentranger musste krankheitshalber absagen. Doch für sie springt die Solistin der Uraufführung, Edith Habraken, ein. Sie agiert auf dem Podium mit einer Lockerheit und Souveränität, die beinahe vergessen lässt, mit welchen technischen Schwierigkeiten Götz’ Konzert (von dem in Baden zwei Sätze zu hören sind) gespickt ist.

Werk erinnert an Filmmusik

Der 1973 geborene Komponist spielt mit fulminanten Rhythmuswechseln – für welche die Marimba ja prädestiniert ist – und bedient sich ohne Scheu aus dem reichen Fundus von E- und U-Musik. Götz mixt so ein stilistisch aufregendes Werk, das ebenso an Afrika und die Karibik, aber auch an Filmmusik und an grosse klassische Sinfonien erinnert. Kurz: Er bewegt sich laut eigener Aussage «musikalisch zwischen allen Stühlen». Die rhythmische Verve seiner Komposition ist umwerfend, zumal in der finalen Danza das sicht- und hörbar begeisterte Orchester mit regelmässigem Händeklatschen ein wichtiger Rhythmuspartner ist.

Habraken lässt Instrument singen

Doch der perkussive, unwiderstehliche Drive ist bloss das Eine; das melodiöse Element das Andere. Und da gelingt Edith Habraken in der Aria ein kleines Wunder. Sie lässt ihr Instrument singen: kräftig, aber auch zart – bis an die Grenze zum Verstummen. Das ist erstaunlich und so sehr beglückend, dass sich die Solistin mit zwei Zugaben verabschiedet.

Fein, dass sich die Hochstimmung des ersten dann auf den zweiten Teil (mit Glazunov und Rimsky-Korsakov) überträgt. Auch da gibt es viel Schönes – etwa bei den stark geforderten Bläsern (Horn, Flöten) – aber insbesondere bei der tänzerisch motivierten, überzeugenden Interpretation zu entdecken.