Baden
"Überrascht und begeistert": Fantoche-Besucher erschaffen Kurzfilm

In einem Workshop am Fantoche-Festival animieren Film-Fans eigene Werke mit Projektoren, die Primarschüler vorher umbauten.

Stefanie Garcia Lainez
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Stehend schauen Fantoche-Festivalleiterin Annette Schindler und Rita Brühlmann vom Grand Casino Baden den Workshopteilnehmern dabei zu, wie sie am Tisch zwischen Cordula Körber und Christian Faubel sitzend ihre eigenen Animationen erschaffen. Im Hintergrund laufen an die Wand projizierte Kurzfilme.

Stehend schauen Fantoche-Festivalleiterin Annette Schindler und Rita Brühlmann vom Grand Casino Baden den Workshopteilnehmern dabei zu, wie sie am Tisch zwischen Cordula Körber und Christian Faubel sitzend ihre eigenen Animationen erschaffen. Im Hintergrund laufen an die Wand projizierte Kurzfilme.

Stefanie Garcia Lainez

Konzentriert beugen sich die beiden Frauen über den Tisch. 18 kleine Bilder zeichnen sie, im Kreis auf einer durchsichtigen, runden Folie angeordnet. Daraus entsteht eine kurze Animation, handgemacht, ohne digitale Tricks. Die Neuenhoferin und ihre Schwägerin aus Deutschland gehören seit langem zu den eingefleischten Fantoche-Fans.

«Wir lieben Zeichentrickfilme», sagen die beiden. Und am internationalen Festival für Animationsfilm könnten sie immer wieder Neues entdecken. Oder Neues erschaffen, wie im Workshop «zoOHPraxiskop», den die beiden gerade besuchen und den die Künstler Christian Faubel und Cordula Körber aus Deutschland leiten.

Während die beiden Frauen weiter an ihren Animationen arbeiten, erklärt Faubel einem anderen Teilnehmer, wie aus den Bildern auf der runden Folie ein Mini-Kurzfilm entsteht, der ähnlich wie ein Daumenkino funktioniert. Er nimmt eine fertige Folie, auf der 18 Punkte wie eine Spirale angeordnet sind, und klebt sie auf eine Plexiglasscheibe, die sich auf einem Hellraumprojektor im Kreis dreht.

Die Punkte, die der Projektor an die Wand projiziert, bewegen sich nun wie ein Kreisel von innen nach aussen. Damit das Auge dies als Animation wahrnimmt, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Einerseits muss die Scheibe im richtigen Tempo drehen, andererseits muss das Licht des Projektors im passenden Takt an- und ausschalten. «Nur so kann die Wahrnehmung ausgetrickst werden», sagt Faubel.

Primarschüler löteten Elektronik

Um das Licht und die Plexiglasscheibe steuern zu können, bauten am Morgen vor dem Workshop 37 Primarschüler die Hellraumprojektoren um. Sie nahmen das Gerät auseinander, ersetzten die Lampe im Innern mit einer LED-Leuchte und löteten die Elektronik, mit der das Licht an- und ausgeschaltet sowie die Drehung der Plexiglasscheibe kontrolliert wird. «Wir waren überrascht und begeistert, wie motiviert und konzentriert die Kinder mitgearbeitet haben», sind sich Faubel und Körber einig. Die 9-Jährigen hätten ganze Arbeit geleistet.
Für Festivalleiterin Annette Schindler sind die Workshops ein wichtiger Bestandteil des Fantoche.

«Die Besucher können so nicht nur konsumieren, sondern auch selbst experimentieren und etwas erschaffen.» Damit die Veranstaltungen für alle zugänglich sind, kosten sie nichts, abgesehen von einem kleinen Materialbeitrag. Während sich der Workshop «zoOHPraxiskop» auf die handwerklichen Fähigkeiten fokussiert, vermitteln andere das nötige Wissen, um sich mit Filmemachern austauschen zu können.

«Diese Medienkompetenz ist wichtig, um überhaupt mit anderen in einen Dialog treten zu können», sagt Schindler, die gemeinsam mit Rita Brühlmann, Sponsoring-Verantwortliche des Grand Casino Baden, den Workshop besucht. Seit über sechs Jahren spendet das Casino den High Risk-Preis, den das Festival für Animationsfilme innerhalb des internationalen Wettbewerbs für besonders experimentelle und visionäre Filme vergibt.

Noch bis Sonntag dauert das Fantoche. Unbedingt nicht verpassen sollte man den «Hors Concours» am Wochenende, sagt Annette Schindler. «Das sind sehr tolle, aktuelle und zum Teil sehr witzige Kurzfilme ausserhalb des Wettbewerbs.» Sie seien weniger experimentell und deshalb tendenziell zugänglicher.

Fantoche: Internationales Festival für Animationsfilme; «Hors Concours 1», am Freitag, um 14.15 Uhr und Samstag, 10 Uhr, Trafo; «Hors Concours 2», Sonntag, 14.15 Uhr, Sterk; «Hors Concours für Kinder», Freitag, 14.15 Uhr und Sonntag, 16.15 Uhr, Trafo; Baden.

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