Bezirksgericht Dietikon
Überzeugter Rassist wird zu acht Monaten bedingt verurteilt

Das Bezirksgericht Dietikon hat einen Aargauer Rechtsextremen wegen mehrfacher Körperverletzung und Rassendiskriminierung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Attila Szenogrady
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Rassistisches Symbol (Archiv)

Rassistisches Symbol (Archiv)

Keystone

Der geständige Beschuldigte hat in Baden zwei Personen verprügelt und weitere Delikte verübt. „Ich bin ehrlich und werde meine politische Einstellung nicht ändern", hatte der heute 28-jährige Maurer aus Oberrohrdorf bereits in der Untersuchung erklärt. Das heutige Mitglied des Vereins „Kameradschaft Baden/Wettingen" war bereits vor zwölf Jahren zur rechtsextremen Szene gestossen und hat sich seither nicht weniger als vier Vorstrafen wegen diversen Gewaltdelikten eingehandelt.

Am Montag musste er sich erneut in einem Strafprozess vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Dem kräftigen Bauarbeiter lasteten die Untersuchungsbehörden nicht nur mehrfache Körperverletzung, sondern auch Rassendiskriminierung sowie eine Blaufahrt mit Unfallfolgen an.

Immer wieder straffällig

Die Anklageschrift zeigte deutlich auf, dass der Neonazi immer in den letzten Jahren wieder straffällig wurde. So auch am 12. August 2007, als er am Grümpelturnier in Ehrendingen an einer Schlägerei gegen mehrere Deutsche teilnahm und anschliessend mehrere Aargauer Kantonspolizisten mit Nazi-Parolen wie „Sieg Heil!" oder „die Gestapo wüsste schon, was zu tun ist!", beschimpfte.

Im November 2007 schlug der betrunkene Schweizer in Baden innerhalb von nur einer Stunde zwei unschuldige Passanten zusammen. Zuerst einen dunkelhäutigen Fussgänger, dem er wegen alleine seiner Hautfarbe vier Faustschläge ins Gesicht versetzte. Kurz darauf stürzte sich der Beschuldigte auf einen Kroaten, den er mit einer Kopfnuss niederstreckte.
Im Juni 2010 erfolgte das vorläufig letzte Delikt, als er in Dättwil angetrunken am Steuer seines Wagens einschlief und einen Selbstunfall baute.

Er will künftig auf Gewalt verzichten

Vor Gericht zeigte sich der Angeschuldigte umfassend geständig und führte aus, dass er künftig auf Gewalt verzichten wolle. Er werde seine politischen Anliegen nur noch in Form von Vorträgen verbreiten, versicherte er. Seine Entschuldigung gegenüber dem im Saal anwesenden ersten Opfer wirkte dagegen aufgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft verlangte unter dem Einbezug einer dreimonatigen widerrufenen Vorstrafe eine teilbedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 80 Franken. Die Hälfte der 24 000 Franken sollte der rückfällige Schläger bezahlen. Die Verteidigung setzte sich für eine Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu 30 Franken ein. Davon 90 Tagessätze unbedingt.

Letzte Chance

Der Verteidiger Stephan Buchli machte geltend, dass sich sein Mandant heute geändert habe und aus freien Stücken eine Psychotherapie besucht habe.

Das Gericht ging auf diese Argumente ein und gab dem Angeschuldigten mit einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten eine letzte Chance. Der Richter wandelte die Vorstrafe in eine unbedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 50 Franken um. Die 4 500 Franken sowie einen Teil der Gerichtskosten soll der Neonazi bezahlen. Zudem dem dunkelhäutigen Privatkläger ein Schmerzensgeld von 1000 Franken.

Da die Staatsanwaltschaft zwei weitere Strafverfahren mangels Beweisen einstellen musste, erhielt der Angeklagte ein Schmerzensgeld von 5000 Franken. So hatte er 72 Tage in Untersuchungshaft verbüsst. Der zuständige Richter hielt dem Beschuldigten zugute, dass er sich in letzter Zeit gebessert habe.

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