«Ich kenne Alfred Tahiraj seit meiner Kindheit», sagt Serge Gattiker. «Er ist einer meiner besten Freunde». Doch nun wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt - denn der 25-jährige Albaner Tahiraj, der in der Gemeinde Künten wohnt, soll die Schweiz am kommenden Freitag verlassen.

Gegen die drohende Abschiebung seines Freundes wehrt sich Gattiker nun mit einer Offensive im Internet. Am Montag hat er auf Facebook die Gruppe «Gegen die Ausschaffung von Alfred Tahiraj» gegründet, der innert weniger Stunden über 1000 Freunde, Bekannte und andere Unterstützer beigetreten sind, die nicht verstehen können, dass Alfred aus der Schweiz ausreisen soll.

Tahiraj hat hier einen Beruf erlernt

Tahiraj lebt, nach eigenen Angaben, seit er vier Jahre alt ist in der Schweiz. Er hat hier eine Anlehre als Plattenleger gemacht, teilweise temporär gearbeitet und unterer anderem in einem Fitnesscenter ein Praktikum absolviert - obwohl dies offenbar auch mit grossen Mühen seitens des Arbeitgebers verbunden war.

«Während des Praktikums musste die Besitzerin des Fitnessstudios drei Mal eine Bewilligung beim Migrationsamt einholen, damit Alfred auf legalem Weg arbeiten durfte», sagt Gattiker.

Wegen Raub aktenkundig

Sowohl Gattiker als auch Tahiraj selbst verschweigen indes nicht, dass der 25-Jährige in der Vergangenheit auch schon negativ aufgefallen ist. Er ist wegen Delikten aktenkundig - was er auch bereut. So ist von einer «Verzeigung wegen Beteiligung an einem Raub mit einer Schreckschusspistole» die Rede. Er sei einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, sagt Tahiraj, wenn er von dem Fall spricht, der sich vor über zwei Jahren zugetragen hat.

Alfred Tahiraj soll ausgeschafft werden.

Alfred Tahiraj soll ausgeschafft werden.

Der «Hautpttäter» sei ein Schweizer gewesen. Der habe einen Anwalt eingeschaltet und ihn «verarscht», so Tahiraj. «Weil ich über keine finanziellen Mittel verfügte, hatte ich keine Chance. Ich bin aber unschuldig.»

«Nach Schweizer Sitte und Moral»

Mehrere Personen aus dem Umfeld Tahirajs bestätigen gegenüber der «az», dass Tahirajs Verhalten seither tadellos war. Er sei gut integriert und lebe «nach Schweizer Sitte und Moral».

Unter anderem erhält Tahiraj Unterstützung von Dominik Peter, einem jungen Geschäftsleitungsmitglied der Grünliberalen Partei des Kantons Aargau. Er war es auch, der die Medien auf das Schicksal des jungen Albaners aufmerksam machte. Peter betont, sein Engagement gegen die drohende Ausschaffung Tahirajs sei persönlicher Natur. Er kennt den jungen Mann, weil er im gleichen Dorf wohnt.

«Mein Zuhause ist hier»

Tahiraj darf seit dem 2. August 2010 «von Gesetzes wegen» offenbar nicht mehr arbeiten - obwohl sich sein damaliger Vorgesetzter für ihn eingesetzt hat, wie Gattiker sagt.

Die gemeinsame Wohnung mit seiner damaligen Freundin musste er aufgeben. Er lebt heute bei seiner Familie in Künten, von der bei einer allfälligen Ausschaffung getrennt würde.
Tahiraj sagt: «Ich fühle mich hier zu Hause - meine Heimat ist die Schweiz.»

In seiner alten Heimat hat Tahiraj zwar einen Onkel - den er aber nicht kennt. «Alfred weiss nicht, was er dort arbeiten kann, geschweige denn, wie er sein Leben gestalten soll», heisst es auf Facebook.

Link: www.gegen-die-ausschaffung-von-alfred-tahiraj.ch