In den vergangenen Wochen kam es immer wieder vor, dass sich der Morgenverkehr von Ehrendingen das Höhtal hinunter Richtung Ennetbaden und Baden staute – teilweise fast bis hinauf zum Restaurant Höhtal. Die Folge: Weil auch die Postautos geduldig anstehen mussten, verpassten nicht wenige Passagiere in Baden den Anschluss – dem Vernehmen nach selbst dann, wenn der Zug seinerseits verspätet war. Zum Frust der betroffenen Personen gesellte sich wohl bei manchem die Frage: «Wieso überholt der Bus nicht die stehende Kolonne, wo jetzt doch extra eine Busspur hierfür geschaffen wurde?»

Zur Erinnerung: Anfang Jahr hätte die kantonsweit erste elektronische Bus-Überholspur in Betrieb genommen werden sollen. Doch ganz offensichtlich ist dies bis heute noch nicht geschehen. «Die neue Busspur ist noch nicht in Betrieb, sondern wird voraussichtlich erst Mitte Mai eröffnet», bestätigt Kurt Grauwiler, Leiter Verkehrstechnik beim kantonalen Bau- und Verkehrsdepartement, auf Anfrage. Der Grund für die Verzögerung seien Feinjustierungen, die noch vorgenommen werden müssten. «Nur dann können wir die Busspur guten Gewissens dem Verkehr übergeben», sagt Grauwiler.

Bloss zu Stosszeiten in Betrieb

Und so soll die Busspur dereinst funktionieren: Statt im Stau hinter den Autos warten zu müssen, werden die Busse in Richtung Stadt künftig auf gewissen Abschnitten die Gegenfahrbahn benutzen und die Autokolonne überholen dürfen. Dazu wird der motorisierte Individualverkehr in beide Fahrtrichtungen mit einer neuen Lichtsignalanlage angehalten, der Veloverkehr ist davon ausgenommen. Sobald die Fahrspur bergwärts in Richtung Ehrendingen frei von Fahrzeugen ist, darf der Bus mit Ziel Bahnhof Baden auf die Gegenfahrbahn wechseln und die Autokolonne überholen. Nach der Lichtsignalanlage schwenkt der Bus wieder auf die korrekte Strassenseite und kann ungehindert weiterfahren. Bei der Haltestelle Schützenhaus und beim Kreisel Landvogtei wird der öffentliche Verkehr zusätzlich mit Lichtsignalanlagen bevorzugt, damit er seine Position im Fahrzeugstrom halten kann. Von einer elektronischen Spur ist die Rede, weil eine umfangreiche Sensorik einem Computer anzeigt, wie viel Verkehr auf einem Strassenabschnitt unterwegs ist. Die elektronische Spur wird folglich bloss in Stosszeiten in Betrieb sein.

Rund 12 000 Fahrzeuge fahren täglich über die Ehrendingerstrasse zwischen dem Surbtal und Baden. Die elektronische Busspur – sie schlägt mit rund 1,2 Millionen Franken zu Buche – ist Teil des Verkehrsmanagements Baden-Wettingen, das zum Ziel hat, den Verkehr von den Gemeinde- auf die Kantonsstrassen zu verlagern sowie den öffentlichen Verkehr zu fördern.

Eine eigene Fahrspur nur für Busse zu bauen, wäre auf der Ehrendingerstrasse aufgrund der topografischen Situation am Lägernhang nur mit unverhältnismässig hohen Kosten und starken Eingriffen in die Landschaft möglich, weshalb darauf verzichtet wurde, teilt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau mit.