Es kommt nicht oft vor, dass die sechs Badener Grossrätinnen und Grossräte einen gemeinsamen Vorstoss einreichen. Zu unterschiedliche Interessen vertreten in der Regel Ruth Müri (Grüne), Marianne Binder (CVP), Stefanie Heimgartner (SVP), Sander Mallien (GLP), Kurt Emmenegger und Florian Vock (beide SP). Doch nun verlangen sie vom Regierungsrat, das bereits bewilligte 20-Millionen-Franken-Projekt bei der Mellingerstrasse zu überarbeiten und in einer «deutlich kostengünstigeren Form» zu realisieren. Der Grossrat entschied vor sechs Jahren, vor dem Schadenmühlenstich die Eisenbahnbrücke zu erneuern, die Strasse darunter abzusenken und zusätzlich einen Kreisel zu erstellen. Dies, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Passage für Lastwagen zu erleichtern, die regelmässig an der tiefen Brücke hängen bleiben. Einsprachen hatten den Bau jahrelang verhindert; nun wäre der Weg aus rechtlicher Sicht frei.

Doch seit letztem Herbst sträubt sich der Stadtrat gegen das Projekt. Er beschloss, das Projekt im langfristigen Finanzplan nicht mehr zu priorisieren. Denn für 60 Prozent der Kosten – 12 Millionen Franken – müsste die Stadt aufkommen. Ruth Müri, Stadträtin und Grossrätin, erklärt: «In Baden hat sich die finanzielle Situation seit Planungsbeginn derart verschlechtert, dass wir das Projekt in dieser Grössenordnung nicht mehr mittragen können.» Zwar ist der Kanton federführend beim Projekt, doch das Departement Bau, Verkehr und Umwelt teilte der AZ vergangenen Mai mit: «Für uns ist entscheidend, dass alle Projektbeteiligten, inklusive der Stadt Baden, der Umsetzung der Kreiselvariante zustimmen.»

Nun verleihen die Badener Grossräte der kritischen Haltung des Stadtrats Nachdruck. Ruth Müri: «Ich denke, es herrscht bei den Badener Grossrätinnen und Grossräten Einigkeit, dass das Sanierungsprojekt viel zu teuer respektive das Kosten-Nutzen-Verhältnis unangemessen ist.» Ein Kreisel an dieser Stelle sei schlicht nicht nötig. Der Strassenbelag sei aber zweifellos sanierungsbedürftig, zudem müssten gewisse Leitungen saniert sowie die Gehweg-Situation verbessert werden.

Überraschend: Auch Stefanie Heimgartner (SVP) unterschrieb den Vorstoss – obwohl sie selber Lastwagen fährt und die heikle Passage aus eigener Erfahrung kennt. «Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Die Finanzen der Stadt sind mir wichtig, gleichzeitig ist der Bau einer neuen Brücke zwingend.» Eine ursprüngliche Variante des Vorstosses verlangte die Sistierung des Projekts. «Damit wäre ich nie im Leben einverstanden gewesen», sagt Heimgartner. Ein günstigeres Projekt würde sie jedoch unterstützen. «Einen Kreisel braucht es nicht zwingend.»