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Spreitenbach ist am günstigsten: So viel bezahlen Sie im Bezirk Baden für Strom

Ein Vergleich der Stromtarife für das Jahr 2021 im Bezirk Baden zeigt, wie viel Bewohner einer 4-Zimmer-Wohnung im Jahr bezahlen. In Obersiggenthal sind es 205 Franken mehr als in Spreitenbach.

Andreas Fretz
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Spreitenbach hat gemäss Beispielrechnung (4-Zimmer-Wohnung) den günstigsten Stromtarif im Bezirk Baden.

Spreitenbach hat gemäss Beispielrechnung (4-Zimmer-Wohnung) den günstigsten Stromtarif im Bezirk Baden.

Urs Jaudas

Im landesweiten Vergleich sind die Strompreise im Wasserkanton Aargau moderat. Die günstigsten Regionen im Kanton sind das Freiamt und der Bezirk Kulm. Aber auch im Bezirk Baden sind die Strompreise vergleichsweise günstig.

Dennoch gibt es Unterschiede, wie die Zahlen der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom für das Jahr 2021 zeigen. In Obersiggenthal ist der Strom mit 19,73 Rappen pro Kilowattstunde am teuersten, am günstigsten ist er in Spreitenbach mit 15,18 Rappen.

683 Franken in Spreitenbach, 888 in Obersiggenthal

Während ein Obersiggenthaler Haushalt im Jahr 888 Franken bezahlt, sind es in Spreitenbach nur deren 683. Als Grundlage dient eine 4-Zimmer-Wohnung mit einem Elektroherd und einem Elektroboiler. Der hypothetische Jahresverbrauch in dieser Kategorie H3 beträgt 4500 Kilowattstunden (kWh).

Die Stromtarife im Bezirk Baden 2021

Standardtarif für einen Konsumenten der Kategorie H3 (4500 kWh pro Jahr: 4-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Elektroboiler)
Gemeinde Rappen/kWh
Baden 18,07
Bellikon 18,01
Bergdietikon 18,26
Birmenstorf 16,14
Ehrendingen 17,68
Ennetbaden 18,54
Fislisbach 16,9
Freienwil 17,68
Gebenstorf 19,52
Killwangen 17,74
Künten 17,06
Mägenwil 18,26
Mellingen 17,16
Neuenhof 17,86
Niederrohrdorf 18,26
Oberrohrdorf 18,97
Obersiggenthal 19,73
Remetschwil 16,68
Spreitenbach 15,18
Stetten 18,26
Turgi 18,26
Untersiggenthal 19
Wettingen 17,97
Wohlenschwil 17,89
Würenlingen 15,33
Würenlos 19,27

Spreitenbachs Gemeinderat Edgar Benz (SVP), der für die Werke und damit auch die Elektrizitätsversorgung (EVS) zuständig ist, sieht für den tiefen Preis in seiner Gemeinde einen klaren Grund:

«Unsere Industrie zählt zu den grössten Stromabnehmern des Kantons, dadurch können wir die guten Konditionen an die Bevölkerung weitergeben.»

Die Gemeinde betreibt die eigene Elektrizitätsversorgung Spreitenbach, kauft aber den Strom, mit Ausnahme des eingespeisten Solarstroms, bei der AEW Energie AG ein. Einen weiteren Grund sieht Benz darin, dass die EVS nicht gewinnorientiert arbeitet. «Die Gewinne werden in den Netzausbau investiert.»

Ueli Bettler, Geschäftsleiter der Elektrizitäts-Genossenschaft Siggenthal (EGS), macht unter anderem ebendiesen Netzausbau für die höheren Preise in Obersiggenthal mitverantwortlich. «Wir haben in den letzten Jahren viel investiert, vor allem in Ladestationen für Elektroautos.»

Obersiggenthal kauft einmal im Monat Strom ein

Der Netznutzungstarif und der Energiepreis seien die Haupttreiber bei den Stromkosten. Auch die EGS kauft den überwiegenden Teil des Stroms am Markt ein. Einmal im Monat wird zugegriffen. «Gut möglich, dass andere Versorger eine andere Einkaufspolitik haben», sagt Bettler. Dass Obersiggenthal mehr bezahle als Untersiggenthal, liegt daran, dass Letztere ein Teil ihres Stromes via Turgi beziehen.

Die Preise sind nicht in Stein gemeisselt

Bettler macht aber auch darauf aufmerksam, dass die Preise je nach Haushaltstyp schwanken. Würde man eine 2-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd (H1) als Berechnungsgrundlage wählen, wäre der Strom in Würenlos am teuersten.

Auch sind die von der ElCom publizierten Zahlen nicht definitiv. «Nach zwei Jahren gibt es jeweils eine Nachkalkulation. Wurde zu viel berechnet, profitieren die Kunden verspätet davon», so Bettler. Je nach Jahr und Berechnungsgrundlage sieht die Rangliste also anders aus.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen? – Die 4 Komponenten

  • Netznutzungstarif: Preis für den Stromtransport vom Kraftwerk bis ins Haus. Mit den Einnahmen werden Wartung und Ausbau des Stromnetzes finanziert.
  • Energiepreis: Preis für die gelieferte elektrische Energie. Diese Energie erzeugt der Netzbetreiber entweder mit eigenen Kraftwerken oder er kauft sie von Vorlieferanten ein. Der Energiepreis wird auch von der Energieart beeinflusst. So führen hohe Anteile an erneuerbaren Energien (zum Beispiel Wind-, Solar-, Biomasse-Energie) in der Regel zu höheren Energiepreisen.
  • Abgaben an das Gemeinwesen: Kommunale und kantonale Abgaben und Gebühren. Darunter fallen Konzessionsabgaben oder lokalpolitische Energieabgaben.
  • Bundesabgaben: Bundesabgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien (kostendeckende Einspeisevergütung KEV) sowie zum Schutz der Gewässer und Fische. Die Höhe der Abgabe wird jährlich vom Bundesrat festgelegt. Sie ist überall gleich hoch. 2021 beträgt sie 2,3 Rappen.