Coronakrise
Um 10'000 Salatköpfe zu retten: Kunden stürmen Hof eines Mellinger Bauern

10'000 Salatköpfe hätte der Gemüsebetrieb der Familie Friedli vernichten müssen wegen der Coronakrise. Denn der Betrieb lebt vor allem von der Gastronomie und dem Grosshandel. Statt wegzuschmeissen hatte die Familie dann aber eine viel bessere Idee. Und die schlug ein wie eine Bombe.

Sandra Havenith
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Wegen Corona für 1 Franken zu verkaufen: Die schönen frischen Salate von Friedli-Gemüse.

Wegen Corona für 1 Franken zu verkaufen: Die schönen frischen Salate von Friedli-Gemüse.

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"Ich bin total überwältigt", sagt Jörg Friedli, und seine Freude über die gelungene Salataktion ist regelrecht zu spüren. Der Gemüsebauer aus Mellingen sprüht geradezu vor Begeisterung.

"Eigentlich haben wir das ja nur gemacht, damit wir den Salat nicht wegschmeissen müssen. Und deshalb gepostet, dass man ihn bei uns für 1 Franken kaufen kann."

30 Leute arbeiten beim Gemüsebauer Friedli in Wohlenschwil.

30 Leute arbeiten beim Gemüsebauer Friedli in Wohlenschwil.

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"Wir wurden total überrumpelt"

Was dann passierte, damit hatte die Familie Friedli nicht gerechnet. Tausende kamen, um den Salat zu kaufen. Gerechnet hatte man gerade mal mit ein paar hundert. "Das ist wirklich gewaltig" sagt Friedli, der als Chef des Gemüsebetriebs von sich selber sagt, er sei ein Daueroptimist – schliesslich lebe man mit der Natur, da sei man Krisen gewöhnt.

Salat wird deshalb öfter auch mal weggeschmissen, aber so viel wie dieses Jahr eben normalerweise nicht. "Da haben wir gedacht, posten wir das doch einfach mal." Ein Post, der sich jetzt für die Familie plötzlich als super Werbeaktion erweist.

"Viele haben auch gesehen, was wir sonst noch so verkaufen, da hoffen wir natürlich, dass wir den ein oder anderen wieder begrüssen dürfen, dass sie vielleicht öfter kommen", so Friedli. Rund 6000 Salate hat er seit Aktionsbeginn schon verkauft und die Ladenzeiten deshalb extra verlängert. Bis Samstag 17 Uhr kann man hier jetzt noch Salate kaufen.

Salat, so weit das Auge reicht.

Salat, so weit das Auge reicht.

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"Wir sehen es auch als Chance für uns"

"Nur mit den Abstandsregeln war es bei so viel Leuten natürlich ein bisschen schwierig", sagt Friedli. Aber für morgen haben wir vorgesorgt. Da gibt es dann wieder Kopf- und Eichblattsalat für einen Franken. Und da, das betont Friedli, müssen sich die Besucher wegen der Corona-Regeln keine Sorgen machen, "darum kümmern wir uns heute".

Die Kunden, die schon da waren jedenfalls waren von der Aktion genauso begeistert wie der Gemüsebauer selbst. So schöne reife Salate zu so einem Preis kriegt man schliesslich nicht alle Tage. Jörg Friedli ist deshalb richtig geflashed, auch wegen all der positiven Rückmeldungen.

Den Online-Handel hat er in der Corona-Zeit ebenfalls ausgebaut. Er hat auch alte Menschen mit seinem Gemüse versorgt, als die nicht mehr aus dem Haus konnten. Nun hofft er, dass der Online-Handel ein zweites Standbein werden könnte. "Wir sind alle gesund, wir stehen das zusammen durch. Das hat sich die Familie während der letzten Wochen immer wieder gesagt", so der Chef des Gemüsebetriebs.

Inzwischen ist die Krise für die Friedlis längst eine Chance für die Zukunft geworden – und aus einer kleinen Salataktion ein grosses Glück.

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