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Umgang mit dem Tod: Neue Bestattungen liegen im Trend

Mehr und mehr Angehörige wünschen, die Asche des Verstorbenen dem Fluss zu übergeben.

Mehr und mehr Angehörige wünschen, die Asche des Verstorbenen dem Fluss zu übergeben.

Der Umgang mit dem Tod ist offener geworden: Berg-, Wald- und Wasserbestattungen werden mittlerweile deutlich mehr gewünscht.

Er ruht dort, wo es ihm gefallen hätte: unter einer Esche am Waldrand in Wetzikon ZH. Romy Schneider, Witwe des im August 2015 verstorbenen Volksschauspielers Jörg Schneider, hat kürzlich diese letzte Ruhestätte für ihn gefunden. Denn Schneider, der dem «Kasperli» seine Stimme verlieh, wollte nie auf einem Friedhof begraben werden.

Damit ist er nicht der Einzige: «Individuelle Begräbnisse werden immer mehr erwünscht», sagt Michel Teuber vom «Allgemeinen Bestattungsinstitut Harfe» in Baden-Dättwil. Dass sich die Branche im Wandel befindet, bestätigt auch Michael von Arx von «Badener Bestattungen». Das Unternehmen, das im Bezirk rund 20 Gemeinden betreut, führte früher mehr klassische Erdbestattungen durch. Heute ist das Gegenteil der Fall: «Über 80 Prozent der Bestattungen sind Kremationen», sagt von Arx. Die Zahl wird künftig noch mehr steigen. Denn die Wünsche, die Urne nach Hause zu nehmen oder die Asche in der Natur zu verstreuen, häufen sich.

Bei der Baumbestattung entfällt die Grabpflege.

Bei der Baumbestattung entfällt die Grabpflege.

Ein Grund für diesen Wandel ist, dass heute offener mit dem Tod umgegangen und über das Thema geredet wird. Hierbei spielt auch das liberale Bestattungsreglement eine Rolle: So kennt die Schweiz keine Beisetzungspflicht. Anders ist es in Deutschland, wo die Angehörigen dafür Sorgen müssen, dass ein Arzt den Tod bescheinigt und der Verstorbene im Rahmen der Friedhofspflicht beerdigt wird.

Asche schicklich verstreuen

Die kantonale Verordnung über das Bestattungswesen erlaubt zum Beispiel Beisetzungen «von Urnen beziehungsweise offener Asche ausserhalb von Friedhöfen insbesondere in Wäldern, Gewässern oder auf Privatgrundstücken». Mit der Bedingung, dass diese auf schickliche Weise erfolgen, die betroffenen Eigentümer zugestimmt haben und weder die Umwelt noch die öffentliche Gesundheit gefährden. Mit schicklich ist etwa das Übergeben der Asche an das Wasser gemeint. Nicht schicklich wäre es, diese Mitten in der Bahnhofstrasse in Zürich zu verstreuen.

«Die meisten Angehörigen möchten die Asche dort verstreuen, wo sich der Verstorbene gerne aufgehalten hat», sagt der Mitarbeiter des Dättwiler Bestattungsunternehmens Harfe. Das kann auf dem Privatgrundstück sein, im Wald oder auch auf Bergen. Solange die Begräbnisse der Verordnung entsprächen, gebe es in diesem Sinne keine «aussergewöhnlichen» Bestattungen.

Sowohl das «Allgemeine Bestattungsinstitut Harfe» als auch «Badener Bestattungen» führen Erdbestattungen und Kremationen durch. Beide klären aber die Angehörigen über die verschiedenen gesetzlichen Möglichkeiten auf. «Gegenüber Angehörigen sind wir sehr offen», sagt Michael von Arx. Kämen spezielle Wünsche etwa eine Seebestattung auf, würde man diese auch organisieren. Die Begräbnisse selber führen Firmen aus, die auf spezielle Bestattungsformen spezialisiert sind. Eine von denen ist die Friedwald GmbH aus Mammern TG. Sie bietet beispielsweise beim «Eichmatthof» in Freienwil bei ausgewählten Bäumen an, die Asche von Verstorbenen beizusetzen.

Angehörige kommen mit Idee

Dass Angehörige zunehmend Urnenbestattungen wünschen, die Asche nach Hause nehmen oder verstreuen, hat auch mit der Grabpflege zu tun, die bei traditionellen Erdbestattungen gemacht werden muss: Es gebe Situationen, erklärt von Arx, da seien die Angehörigen selber nicht mehr in der Lage, das Grab zu pflegen – und ein Gärtner, der dies übernehmen würde, könnten sie sich nicht leisten. «Die Meisten kommen bereits mit der Idee, die Asche zu verstreuen», sagt der Bestatter. Trotz des Trends: Das klassische Erdbegräbnis wird bei den regionalen Bestattungsunternehmen weiterhin nachgefragt. «So gibt es Konfessionen und Kulturen, bei denen Erdbestattungen Tradition sind», sagt Teuber.

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