Richtplan-Änderung
Umstrittene Deponie Steindler: So stehen die Würenloser Parteien zum Projekt

Die Würenloser CVP, FDP und SVP haben sich an der Vernehmlassung zur Deponie Steindler nicht beteiligt – deutliche Kritik kommt dagegen von der GLP.

Philipp Zimmermann
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Die Ballone zeigen es an: So hoch liegt die Erde, wenn sämtlicher Aushub in der Deponie Steindler abgelagert worden ist.

Die Ballone zeigen es an: So hoch liegt die Erde, wenn sämtlicher Aushub in der Deponie Steindler abgelagert worden ist.

zvg

Die Sympathisanten der IG «Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos» haben die kantonale Abteilung Raumentwicklung regelrecht geflutet. Rund 2000 Eingaben haben sie bei der Vernehmlassung zur Richtplananpassung in Aarau übergeben. Per Post und via Onlinekanal dürften mindestens einige hundert zusätzlich eingegangen sein. «Es sind deutlich mehr als bei vergleichbaren Projekten in den vergangenen Jahren», sagt der zuständige Raumplaner Christoph Bürgi.

Genaue Zahlen kann er zurzeit aber noch nicht nennen. Wurde der Kanton von der Menge überrascht? «Es ist eher unüblich, dass so viele Eingaben zusammenkommen», antwortet Bürgi. «Deswegen wird die Auswertung etwas dauern.» Der Kanton wird die Eingaben nun analysieren; erst intern, dann mit der Standortgemeinde Würenlos und dem Planungsverband Baden Regio. Klar ist: Es braucht die Zustimmung des Grossen Rats sowie ein Ja des Würenloser Stimmvolks zur Anpassung der Nutzungsplanung. Doch wie stehen die Würenloser Ortsparteien zum Projekt? FDP und CVP/BDP stellen je zwei Mitglieder des Gemeinderats; ein weiteres ist parteilos.

Nicht grundsätzlich dagegen

FDP und CVP haben keine Stellungnahme abgegeben. «Die CVP wird sich nicht gegen die Aufnahme der Deponie Steindler in den Richtplan stellen», sagt Parteipräsident Andreas Schorno. Die CVP erachte einen schonenden Umgang mit den Ressourcen von Natur und Umwelt als fundamental für raumplanerische Entscheide. Bei der Erarbeitung von Richtplänen sei eine Vielzahl von Fachpersonen involviert, «die Interessenabwägungen und Sachentscheide nach denselben Prinzipien treffen», hält er fest.

Ähnlich tönt es bei der SVP. «Wir haben Verständnis für beide Seiten und nehmen eine abwartende Position ein», sagt Präsident Thomas Zollinger. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Aushub-Deponie. Aber es kommt auf ihre Dimensionen an.» Wenn der Kanton an den aktuellen Ausmassen festhalte, wie sie auch bei der Ballon-Aktion aufgezeigt worden sind, dann gebe es schon Fragezeichen, etwa was die Fruchtfolgeflächen für die Landwirtschaft und die Erhaltung des Naturschutzgebiets betreffe, so Zollinger.

Schlussendlich sei es eine Interessenabwägung. Die SVP wolle nun erst abwarten, wie der Kanton auf die Eingaben zur Vernehmlassung reagiert. Die Partei begrüsse es aber, dass die Diskussion geführt werde. Die SVP werde sich sicher äussern, wenn die nötige Zonenplanänderung in der Gemeinde Würenlos zur Abstimmung komme.

«Massiver Fremdkörper»

Von sich aus hat sich einzig die GLP per Medienmitteilung geäussert. Die Grünliberalen lehnen die Deponie ab und kritisieren drei Punkte: Der Bedarf an Aushub in der Region Baden sei nicht schlüssig begründet; der Standort sei ungünstig und die Auswirkungen auf die Natur und Umgebung seien negativ.

Die geplanten 1,6 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial auf einer Fläche von 16,9 Hektaren würden zu «einem massiven Fremdkörper mitten im Furttal führen», erläutert Thomas Sibold von der GLP. Die Region Baden-Brugg importiere Unmengen von Ablagerungsmaterial. «Fast die Hälfte stammt aus anderen Kantonen.»

Von einem möglichen Ablagerungsnotstand, der eine solche Deponie zwischen Würenlos und Otelfingen rechtfertigen würde, könne jedoch keine Rede sein. "Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Deponie, wenn der Bedarf gegeben ist", unterstreicht Thomas Sibold, GLP-Politiker aus Würenlos. Der Badener Planungsverband Baden Regio befürchtet dagegen, dass sich der Engpass für Aushubmaterial verschärfe.

Naturschützer gegen geplante Deponie

Kritik gibt es auch von Umweltschützern. Der Natur- und Vogelschutzverein Würenlos lehnt die Deponiepläne ab. Dieser lancierte eine Petition auf der Online-Plattform petitio.ch. Auch Pro Natura Aargau lehnt die Richtplanänderung ab.

Die Deponie würde unmittelba an der Grenze zum national und kantonal geschützten Lägerngebiet liegen und die Moräne-Landschaft stark in Mitleidenschaft ziehen. «Die Deponie bedroht Feldhase, wertvolle Kulturlandschaften und Feuchtgebiete. Wir lehnen daher die Richtplanänderung für die Deponie im Steindler bei Würenlos ab», fasste Geschäftsführer Matthias Betsche die Haltung der Naturschutzorganisation zusammen.