Wettingen

Umstrittener 1.-April-Scherz in Corona-Zeiten – prompt hagelt es Kritik

Auf dem Onlineportal der Wettiger Nochrichte wird ein 1. April-Scherz publiziert, der nicht überall gut ankommt.

Auf dem Onlineportal der Wettiger Nochrichte wird ein 1. April-Scherz publiziert, der nicht überall gut ankommt.

In den «Wettiger Nochrichte» wird ein heikler 1.-April-Scherz publiziert. Der Vize-Einwohnerratspräsident und Mit-Verfasser Lutz Fischer-Lamprecht verteidigt den Online-Beitrag.

«Das dörfd d’Schlagzile vom Tag, we ned sogar vo de Woche geh», beginnt der in Mundart verfasste Artikel der Online-Nachrichten «Wettiger Nochrichte»: Trotz der hohen Schuld von bald 6000 Franken pro Einwohner wolle der Gemeinderat die kleinen und mittleren Betriebe unterstützen, heisst es im Online-Artikel weiter. Verteilt werde das Geld nach dem Prinzip «de Schneller isch de Gchwinder». «Die ersten 60 Betriebe, die im Rathaus anrufen und Unterstützung beantragen, bekommen je 500'000 Franken.» Auf die Frage an Gemeindeammann Roland Kuster, ob sich die Gemeinde dies in Anbetracht der exorbitant hohen Schulden leisten könne, sagt dieser gegenüber der «Wettiger Nochrichte»: «Wir haben schon so viele Schulden, da kommt es auf weitere 30 Millionen Franken nicht mehr an.»

Spätestens jetzt dürfte den Lesern am heutigen 1. April bewusst geworden sein, dass es sich hierbei um einen Scherz handelt, zumal am Ende des Artikels einzelne Unternehmer – alles Gemeinderäte wohlbemerkt – genannt werden.

Brisant: Mit-Verfasser des Artikels und Herausgeber der «Wettiger Nochrichte» ist kein Geringerer als Einwohnerratsvizepräsident Lutz Fischer-Lamprecht (EVP). Prompt hagelte es etwa auf Facebook Kritik: «Das ist absolut nicht lustig und völlig unangebracht!», heisst es etwa. Tatsächlich stellt sich die Frage, ob es angebracht ist, einen solchen Scherz zu platzieren, während gleichzeitig Tausende von Selbstständigen und Unternehmern um ihre wirtschaftliche Existenz zittern.

«Ich habe den Artikel zusammen mit Co-Redaktionsleiter Fabian Schmid verfasst. Wir waren uns schon bewusst, dass es heikel sein könnte», so Fischer-Lamprecht. Doch gerade auch in solchen Krisenzeiten müsse es Platz für Humor und Scherze haben; und das sage er bewusst auch als Pfarrer. «Es war ganz sicher nicht unsere Absicht, uns auf Kosten der leidtragenden Gewerbetreibenden lustig zu machen.»

Unabhängig davon, ob man den Scherz als gut oder geschmacklos empfindet, stellt sich die Frage, ob es geschickt ist, dass sich der zweithöchste Wettiger auch als Journalist betätigt. «Grundsätzlich gilt in der Schweiz die Medienfreiheit. Aber natürlich bin ich mir der Doppelrolle und den damit verbundenen kritischen Aspekten bewusst», so Fischer-Lamprecht. So schreibe er seit Anfang Jahr nicht mehr über politische Themen aus Wettingen. «Auch ist für uns völlig klar, dass ich über Themen, deren Informationen ich nur wegen meines Amts erhalten habe, nicht schreibe und auch nicht Fabian Schmid stecke.» Auch verstehe er die «Wettiger Nochrichte» nicht als klassische vierte Gewalt im Staat. «Ich bin ja selber Teil der Politik, also kann ich nicht gleichzeitig als Kontrollinstanz fungieren.»

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