Badener Stadtratswahlkampf
Umstrittener Flyer wurde Unterzeichnern nicht vorgelegt – Unternehmerin Sterk ist «stinksauer»

Die umstrittene Aktion entpuppt sich als Bärendienst für Stadtratskandidat Stefan Jaecklin. Auch die Unterzeichner des Flyers distanzieren sich mittlerweile vom Inhalt, der ihnen vor der Veröffentlichung nie präsentiert wurde. Der Verfasser jedoch steht nach wie vor zu seinem Werk.

Pirmin Kramer
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Selbst nicht für den Flyer verantwortlich: Stadtratskandidat Stefan Jaecklin (FDP)

Selbst nicht für den Flyer verantwortlich: Stadtratskandidat Stefan Jaecklin (FDP)

Die Supporter des Badener Stadtratskandidaten Benjamin Steiner (Team) halten sich mit Kritik am gegnerischen Lager nicht zurück. «Trumpismus» und einen «Wahlkampf à l’américaine» werfen sie dem Team von Stefan Jaecklin (FDP) vor. Grund: Ein Flyer mit dem Titel «Taten statt Worte», der die angeblichen Leistungen der beiden Kandidaten vergleicht. So lang die Liste bei Jaecklin, so kurz ist diejenige bei Steiner (AZ von gestern).

Nun stellt sich heraus: Nicht nur Benjamin Steiner und seiner Entourage missfällt der Flyer. Er sorgt auch im FDP-Lager für Verärgerung. Insbesondere bei Personen, die als «Freundinnen und Freunde» von Stefan Jaeck­lin auf dem Flyer namentlich erwähnt werden. Aufgeführt ist auf dem Zettel auch Kino-Unternehmerin Alexandra Sterk. Sie hat sich auf Facebook nun aber vom Inhalt distanziert.

Alexandra Sterk: «Bin sprachlos und stinksauer»

«Ich bin sprachlos, schockiert und stinksauer. Der Stil des Flyers ist an Polemik nicht mehr zu überbieten. Extrem ärgerlich für mich als Unterzeichnerin ist die Tatsache, dass ich vorgängig nicht über den Inhalt des Flyers informiert wurde», schreibt sie auf der Facebook-Seite von Benjamin Steiner. «Ich verurteile dieses Gebaren des Verfassers aufs Schärfste und distanziere mich vom Inhalt des Flyers», schreibt Alexandra Sterk weiter.

Auf Anfrage erklärt sie: «Der Verfasser teilte mir zwar im Vorfeld mit, dass er einen Flyer mit Fakten, Erfolgen und Leistungen von Stefan Jaecklin erstelle; ich willigte ein, dass er meinen Namen darunter setzt.» Allerdings habe er ihr den Flyer nicht vorgelegt.

«Diese polemische Gegenüberstellung hätte ich nie unterschrieben», sagt Alexan­dra Sterk. Vermutlich habe auch Jaecklin den Inhalt des Flyers nicht gekannt. An ihrem Support für den FDP-Kandidaten hat sich aber nichts geändert: «Ich wähle Stefan Jaecklin, da er für uns Unternehmerinnen und Unternehmer in dieser Krise und Rezession der Wegweiser ist, den wir benötigen.»

Verfasser des Flyers: «Stehe nach wie vor zum Inhalt»

Den Flyer verfasst hat Matthias Bernhard, ehemaliger Präsident der FDP-Stadtpartei. «Ich dachte, ich hätte gute Gespräche geführt mit den Wählerinnen und Wählern von Stefan Jaecklin, die auf dem Flyer aufgeführt sind», sagt er. «Sie haben ihre Zustimmung gegeben, weil sie einen Stadtrat wollen, der schon bewiesen hat, dass er auch Projekte umsetzen kann.» Dies aufzuzeigen, sei der Zweck des Flyers gewesen. «Dass sie jetzt von den Reaktionen betroffen sind, tut mir leid. Ich stehe nach wie vor zum Inhalt, er entspricht der Wahrheit.»

Offenbar habe er den Finger auf den wunden Punkt gelegt, sagt Bernhard. «Ich finde, es ist ein fairer Vergleich.» Er habe die öffentlich verfügbaren Informationen verwendet und die Websites der beiden Kandidaten, Protokolle der Einwohnerratssitzungen und Zeitungsartikel gelesen. «Bei Stefan Jaecklin steht im Detail, was er alles erreicht hat und was er nun macht. Das ist beeindruckend, und das müssen die Wähler wissen», sagt Matthias Bernhard.