«Wie viele von Euch wollen den Weg zu Gott finden», rief Henry Hinn in die kleine Publikumsschar und alle Arme streckten sich ihm entgegen. Während er aus seinem pastoralen Leben und von Reisen durch die Welt erzählte, schrie, wisperte und lachte er.

Rollte die Augen und gestikulierte wild mit den Armen. Dezente Orgelmusik begleitete die One-Man-Show.

Ein begnadeter Entertainer ist der gebürtige Israeli, Vertreter des sogenannten Wohlstandsevangeliums, das sich aus der freikirchlichen Pfingstbewegung entwickelt hat.

Hinn wohnt in Kanada und steht dort seiner eigenen Gemeinde im «Vancouver Christian Center» vor. «Ich hörte Dämonen letzte Nacht», erzählte er in der Kantonsschule Baden und seine Stimme bekam einen dramatischen Unterton, «sie haben lange regiert.»

Dann rief der beleibte aber agile Mann wieder aus voller Brust: «Wir sind hier genug Leute, um die Hölle zu schliessen». Wieder schossen die Arme in die Höhe. Die Luft vibrierte und alles schien möglich.

Zahlreiche Kranke fühlen sich jeweils plötzlich besser, wenn Hinn für sie betet.

Der Pastor schilderte, wie in London gar ein sterbender Mann aus dem Koma erwachte und wieder völlig gesund war. In Indien, wo sein Bruder Benny Hinn (ebenfalls Prediger) vor einem Millionenpublikum auftrat, wurde ein Junge von seiner Kinderlähmung erlöst. Von vielen solcher Heilungswunder berichtete er.Alle seien symbolisch für die Kraft des Glaubens.

Berühmt und berüchtigt

Die Gebrüder Hinn sind als Prediger ebenso populär wie umstritten. In der Vergangenheit mussten sie sich wiederholt vor Gericht verantworten. Von Veruntreuung von Spendengeldern im sechsstelligen Bereich wird berichtet.

Sie haben auch Anhänger und Bewunderer. Ein reicher Geschäftsmann aus Singapur bewahrte Henry Hinn einst vor einer drohenden Zwangsvollstreckung. In Baden zeigte sich der Pastor nach seinem Auftritt unkompliziert und war für ein spontanes Gespräch bereit, obwohl ihn zwei baumlange «Bodyguards» mit der Journalistin partout nicht alleine lassen wollen. Denn Hinn wurde auch schon angegriffen.

«Die Schweiz ist so schön und Gott liebt die Menschen hier», schwärmte er in den höchsten Tönen.

«Die Leute suchen nach Frieden und ich bin von Kanada hierherzukommen, um.» Alle Christen seien dazu berufen, das Evangelium zu verkünden, meinte Hinn und gab sich bescheiden: «Was ich mache, könnte jeder andere auch tun.»