2006 wurde der Wettinger Zentrumsplatz eröffnet. So steht nächstes Jahr das erste runde Jubiläum an. Doch zum Feiern ist einigen Geschäftsleuten gar nicht zumute. Ihre Mietverträge laufen aus. Nun verzichten Einige auf eine Verlängerung derselben, weil die Mietzinse im Verhältnis zu den Einnahmen massiv zu hoch seien.

Die Verit Immobilien AG, Verwalterin der Liegenschaften, will sich dazu nicht äussern. «Es wäre gegenüber Mietern und Eigentümern äusserst indiskret, der Presse zur Mietzinsgestaltung und Vermietungsstrategie Auskunft zu geben», teilt Ramona Strassberg, Leiterin Marketing mit. Negativ äusser sich aber nicht alle Geschäftsleute. «Ich bin mit meinem ersten Geschäftsjahr zufrieden», sagt Vera Schlegel von der Blumenwerkstatt. Dies obwohl der Zentrumsplatz kein einfacher Ort sei. Trotzdem betont sie: «Die Chancen, etwas aufzubauen, sind gut und die Kunden finden mich.»

Viele Geschäftsbesitzer sind jedoch mit den Standort Zentrumsplatz nicht mehr zufrieden. «Wir lassen den Mitvertrag im Frühling auslaufen», sagt Roland Schaller, Mediensprecher der Sunrise. Seit 2011 führte das Kommunikationsunternehmen ein Kundencenter am Zentrumsplatz. Momentan prüfe Sunrise noch einen alternativen Standort in Wettingen.

Ende August 2016 wird der Mietvertrag der Exlibris auslaufen. «Wir werden ihn nicht verlängern und uns aus Wettingen zurückziehen», sagt Daniel Röthlin. Die Verlagerung auf den Onlinehandel, die Digitalisierung und vor allem der Preiszerfall seit der Freigabe des Franken-Wechselkurses im Januar wirkten sich negativ aus. «Die Preise sinken, der Umsatz geht zurück, das können wir im stark rückläufigen Markt nicht kompensieren», erklärt Röthlin. Das primäre Ziel bei der Auflösung sei, eine gute Stelle für die Mitarbeiterin der Filiale Wettingen zu finden. Exlibris wird sich in der Region auf die beiden Filialen Baden und Shoppi-Tivoli Spreitenbach konzentrieren.

Kein Wille zur Besserung

«Wettingen gibt seine Landstrasse auf», kommentiert Thomas Tiefenbacher vom gleichnamigen Schuhgeschäft die Situation. «Seit Coop in den Tägipark umgezogen ist, mussten wir an der Landstrasse einen deutlichen Frequenz- und Kundenverlust in Kauf nehmen.» Er kritisiert aber auch das Verhalten der Politik. «Der Wille, die Situation zu verbessern, ist nicht vorhanden.»

So sei die Post nicht, wie ursprünglich in Aussicht gestellt, an den Zentrumsplatz verlegt worden. Auch der Wochenmarkt finde nach wie vor auf dem Rathausplatz statt. Unter anderem mit der Begründung, die Zufahrt sei unzweckmässig und die Lieferwagen könnten nicht abgestellt werden, wurde auf eine Verlegung verzichtet. Tiefenbacher kritisiert weiter, dass die Mieten massiv zu hoch sind. «Hier müsste etwas passieren, damit es interessant bleibt, am Zentrumsplatz ein Geschäft zu führen.»

«Nur noch die Hälfte der Wettingerinnen und Wettinger kaufen an der Landstrasse ein, das ist zu wenig», kommentiert Gregor Briner die Situation. Er betreibt das Restaurant Gregis Spatz und die Gelateria Gwundertüte. Briner fürchtet, dass die Landstrasse keine grosse Zukunft mehr hat. Der Verlust des Coop und des Kino Rio, aber auch die Verbote für Spielautomaten und Raucher sowie die 0,5-Promille-Grenze zählt er zu den negativen Schlägen für die Gastronomie.

Den Kundenverlust führt er nicht nur auf die regionale Konkurrenz zurück: «Viele Leute gehen nach Deutschland einkaufen und gehen dann dort ins Restaurant.» Diese fehlten als Gäste im Café. Die Konsequenz davon: «Ich musste eine Servicestelle abbauen.» Trotzdem will er seine Gelateria halten: «Ich habe sehr viel investiert, deshalb muss ich den Mietvertrag verlängern.» Weiter weist er auf einen wichtigen Unterschied bei den Immobilienbesitzern hin: «Der lokale Eigentümer hat Verständnis für unsere Probleme, der auswärtige Grossbesitzer will nur möglichst hohe Mieteinnahmen.»